Natursteinpark Rongen – Paradebeispiel für Baustoff-Wiederverwendung bedroht

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Gelände der Natursteine Rongen Ltd. & Co. KG (Foto: ISTE)

Ostfildern — Nahe Tübingen liegt – auf einem ehemaligen Militärübungsplatz – der Natursteinpark Rongen. Dort wo früher Munition deponiert wurde, lagern heute teilweise jahrhundertealte Steine von Mauern, Pflastern, Treppen, Häusern, Brücken oder dem ehemaligen Stuttgarter Hauptbahnhof. „Ein Paradebeispiel für direktes Baustoffrecycling“, bemerkte ISTE-Fachreferent Dr. Bernd Susset, der zusammen mit dem baden-württembergischen Landtagsabgeordneten Daniel Lede Abal (Bündnis 90/Die Grünen), der Regionalgeschäftsführerin des BUND Neckar-Alb, Barbara Lupp, und Prof. Roland Irslinger von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg den Natursteinpark besuchte.

Gerade der Denkmalschutz – erklärte der Betreiber des Natursteinparks, Manuel Rongen – habe in den vergangenen Jahren erkannt, dass es seine Vorteile hat, jahrhundertealte Kulturdenkmäler, wie Kirchen, Dome, Klöster oder Münster nicht mit Gesteinsimporten aus Fernost zu sanieren. „Das importierte Material weist eine andere Struktur und Farbgebung auf und hält den Witterungsverhältnissen in unseren Breitengraden oftmals nicht lange stand“, so Rongen weiter. „Deshalb wird verstärkt auf Originalmaterial zurückgegriffen, das wir in einer Vielzahl der Fälle vorrätig haben.“ Für die gebrauchten Steine spricht auch, dass sie garantiert frostbeständig sind. „Die haben den Praxistest schon hinter sich. Wenn der Frost ihnen noch etwas anhaben könnte, dann wären sie schon längst kaputt gegangen“, sagt Manuel Rongen.

Wiederverwendung ohne weitere Aufbereitungsschritte

Roland Irslinger betonte, dass das Recyclingkonzept des Natursteinparks nachhaltig zur Ressourcenschonung beitrage und die effiziente Nutzung bereits vorhandener Ressourcen enorm verbessere. Auch dem Landschaftsverbrauch werde entgegengewirkt. Ähnlich sah es Bernd Susset. Für ihn ist das Recyclingkonzept des Natursteinparks nach der 5-stufigen Abfallhierarchie des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetztes ganz oben, sogar noch oberhalb des Recyclings anzusiedeln: Es handelt sich hier um eine Wiederverwendung, da keine weiteren Aufbereitungsschritte wie Brechen und Sieben erforderlich sind.

Darüber hinaus sei der Verfüllraum knapp. „Nicht jeder Landkreis verfügt über Verfüllkapazitäten, wie z.B. stillgelegte Steinbrüche, wo solche Materialien verwertet werden könnten. Das heißt, Bauabfälle müssen über große Distanzen transportiert werden“, so Susset weiter. Das habe negative Folgen für den Klimaschutz und treibe die Kosten für öffentliche und private Bauherren weiter in die Höhe.

Verfüllkapazität  allmählich erschöpft

„Rückgänge bei der Verfüllung aufgrund von Engpässen oder gesetzlichen Änderungen können sehr rasch und drastisch zu einem Einbruch der Deponielaufzeiten führen“, wie der Geologe erklärte. „Das Abfallwirtschaftskonzept des Landes hängt deshalb am Tropf der Verfüllung, und die Verfüllkapazität von ehemaligen Abbaustätten erschöpft sich allmählich.“ Wenn die Verfüllmaterialien in die Deponien schwappen, schrumpfe der ohnehin schon knappe Deponieraum weiter und verschärfe die Entsorgungsproblematik mit Blick auf die Zukunft. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass es Betriebe wie den Natursteinpark Rongen gebe.

Die Zukunft steht auf dem Spiel

Nicht nur Gartenbauer, Bildhauer oder Steinmetze finden auf dem rund 20 Hektar großen Waldareal Material für ihr Bauvorhaben. „Städte, Gemeinden und auch die Denkmalpflege gehören zu unseren Kunden“, erklärt Manuel Rongen. „Sie wenden sich vor allem dann an uns, wenn es um die Sanierung historischer Bauten geht.“

Dennoch sieht sich das Unternehmen seit 20 Jahren mit einem Problem konfrontiert, bei dem die Zukunft seines Betriebes auf dem Spiel steht. Manuel Rongens Vorgänger hatte die Fläche vom Bundesvermögensamt gepachtet und bot auf ihr Steine zum Verkauf an. Eine Genehmigung hatte er dafür allerdings nie und die hätte er, ebenso wie Manuel Rongen heute, nur schwer bekommen. Gewerbe im Wald ist verboten. Gespräche mit Stadt und Forst zeigen, dass die Tätigkeit von Rongen grundsätzlich positiv gesehen und unterstützt wird. Auch ist allen bekannt, dass der Natursteinpark am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel mit Erholungspotential ist.

Aber bislang mündeten alle Gespräche zur Genehmigungsfähigkeit aus rein rechtlichen Gründen ins Leere. „Wir suchen händeringend nach einem neuen Standort, doch die Suche gestaltet sich schwieriger als gedacht“, erzählte Rongen. „Der Betrieb ist ziemlich flächenintensiv.“ Ein mindestens zwei Hektar großes Gelände wäre die Lösung, doch das sei bislang nicht einmal ansatzweise in Sicht. „Wir haben bis 2019 Zeit, unseren jetzigen Standort zu verlassen“, berichtete der Unternehmer. „Wenn wir bis dahin nichts gefunden haben, sind wir gezwungen den Betrieb aufzugeben.“

„Politik muss Ziele auch umsetzen“

Doch all dies passt nicht zu den immer wieder verkündeten landespolitischen Zielen, meint Susset. „Die Politik muss Ihre Zielsetzungen, wie die Steigerung der Recyclingquoten und die Vermeidung neuer Deponien, auch umsetzen und die Rahmenbedingungen schaffen“, kritisierte der ISTE-Vertreter. „Das kann man nur dahingehend umsetzen, dass es für Betriebe wie Rongen die Möglichkeit gibt, überhaupt weiter zu arbeiten.“ .

Für Daniel Lede Abal stand am Ende seines Besuches im Natursteinpark Rongen fest, dass die Wiederverwendung gebrauchter Baustoffe besser gefördert und salonfähig gemacht werden muss. Außerdem müsse dem Tübinger Betrieb ein Nutzungskonzept in der Fläche ermöglicht werden, das den ökologischen Rahmenbedingungen, aber auch den wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens gerecht wird.

Quelle: Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e.V.