Frankreich will die Auswirkungen von ausgebrachten Bioabfällen untersuchen

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Quelle: INRA, CNRS und Irstea

Berlin — Auf Wunsch der französischen Ministerien für Landwirtschaft und Ökologie erstellten INRA, CNRS und Irstea ein gemeinsames wissenschaftliches Gutachten zu den agronomischen und ökologischen Auswirkungen der Ausbringung von Düngemitteln aus biologischen Abfallprodukten (Dung, Kompost, Klärschlamm etc.). Die Ergebnisse des Gutachtens des Instituts für Agrarforschung (INRA), des Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS) und des Nationalen Forschungsinstitut für Umwelt- und Agrarwissenschaften und -technologien (Irstea) wurden am 3. Juli 2014 in Paris vorgestellt.

Gülle wird seit Jahrhunderten auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht. Diese Methode der organischen Düngung hat sich jedoch weiter entwickelt und wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts von der  synthetischen  Mineraldüngung  verdrängt.  Dadurch  ist  es  einfacher  geworden,  die  notwendige Menge an den wichtigsten Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium zu ermitteln und einzusetzen.

In der letzten Zeit hat die Wiederverwertung von organischem Dünger aus verschiedenen häuslichen und industriellen Abfällen (franz.: Mafor) in der Landwirtschaft jedoch wieder zugenommen. Der agronomische Vorteil der Mafor ist, dass durch sie organische Substanzen direkt in den Boden gelangen und sie die einzige erneuerbare Phosphor-Quelle sind.

Im Rahmen einer weiteren Studie sollen jetzt folgende Punkte untersucht werden:

  • die heterogene Verteilung der Mafor-Ressourcen: In Frankreich wird ein Viertel der landwirtschaftlich genutzten Flächen mit Gülle gedüngt. Dabei kommt es auf einigen Flächen zu einer Überversorgung mit Stickstoff, wodurch ein Teil des Nährstoffs an die Atmosphäre oder an Gewässer verloren geht, was wiederum Umweltauswirkungen zur Folge hat.
  • die kontrollierte  Zugabe  von  pathogenen  Mikroorganismen:  Dung  und  städtischer  Klärschlamm enthalten aufgrund ihrer fäkalen Herkunft pathogene Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Parasiten. Diese können zur Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen beitragen.
  • die variierende Menge chemischer Schadstoffe im Boden: Die meisten Schadstoffe (organisch oder anorganisch), die durch die Mafor in den Boden gelangen, können auch auf andere Weise zu Verunreinigungen führen, z.B. über die atmosphärische Deposition, Pflanzenschutzmittel, Bewässerung etc. Auch wenn die gegenwärtig in Frankreich ausgebrachte Menge an Mafor unter den gesetzlich festgelegten Grenzwerten bleibt, kann sie langfristig dennoch zu einer schwer kontrollierbaren Anreicherung von Schadstoffen im Boden führen.

Für eine Optimierung des Einsatzes von Mafor in der Landwirtschaft und eine Erhöhung ihres Beitrags für die Recycling-Wirtschaft braucht es umfangreiche Kenntnisse der Eigenschaften von Abfallstoffen und deren Behandlungen.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung von Irstea, CNRS und INRA