„Schwerpunkte 2014“: UBA blickt auf die Entstehung der „Rohstoffkritikalität“ zurück

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Handys (Foto: Kürth / recyclingportal.eu)

Dessau-Roßlau — Anlässlich seier Gründung vor 40 Jahren blickt dass Umweltbundesamtes in den neu erschienenen „Schwerpunkten 2014“ auf die wichtigsten Meilensteine der deutschen Umweltpolitik zurück. Dabei wirft das UBA auch einen Blick auf die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) und den damit verbundenen Einsatz von  mengenmäßig bedeutenden Metallen wie Eisen, Kupfer, Aluminium, Nickel und Zink sowie Sonder- und Edelmetallen.

Von einigen Edel- und Sondermetallen wird so viel in IKT-Geräten eingebaut, dass diese Verwendung einen Großteil der Weltproduktion ausmacht. So werden mehr als 40 Prozent der jeweiligen Weltjahresproduktion von Antimon, Beryllium, Gallium, Indium  und Tantal in IKT-Geräten eingesetzt. Von Cobalt, Germanium, Gold, Palladium, Silber und Zinn werden  10 bis 40 Prozent der Weltproduktion in diesen Geräte verwende. Viele dieser Metalle sind aber nur eingeschränkt verfügbar. Und für die beiden typischen IKT-Metalle Gallium und Indium  wurden mehr als 90 Prozent der Mengen, die seit dem Jahr 1900  aus natürlichen Lagerstätten gewonnen wurden, erst nach dem Jahr 1978  abgebaut. Im Gegensatz dazu wird von der Weltproduktion von Aluminium, Eisen, Nickel oder Zink allenfalls bei Kupfer ein relevanter Anteil für die Produktion von IKT Geräten verwendet.

Die Nachfrage nach Edel- und Sondermetallen ist in den letzten  beiden  Jahrzehnten weltweit
gewachsen und nimmt absehbar weiter zu. Angesichts dieser steigenden Nachfrage taucht die Frage auf, wie der mittel- bis langfristige Bedarf gedeckt werden kann. Angesichts der ungebrochen steigenden Nachfrage nach Rohstoffen und den begrenzten bekannten Lagerstätten ist jedoch kaum davon auszugehen, dass insbesondere Sonder- und Edelmetalle bald wieder uneingeschränkt ver-
fügbar sind.

Als sich gilt auch, dass die Verfügbarkeit von Rohstoffen  bestimmt wird durch viele Einflüsse: durch geologische, geopolitische, ökonomische und auch soziale und ökologische. Sie entwickelt sich je nach Rohstoff, Zeithorizont und Interessensgruppe anders. Um dieser Vielschichtigkeit gerecht zu werden, hat sich das Konzept der „Rohstoffkritikalität“ etabliert. Es setzt die unterschiedlichen Versorgungsrisiken in Bezug zur wirtschaftlichen und technischen Bedeutung der Rohstoffe: Je risikobehafteter die Versorgungslage und je bedeutender ein Rohstoff, desto kritischer wird seine Verfügbarkeit bewertet. Welche Aspekte die Verfügbarkeit der IKT-relevanten Rohstoffe bestimmen, zeigt folgende Aufstellung:

A) Prioritäre IKT-Rohstoffe (> 40 Prozent der Weltjahresproduktion im Elektroniksektor):

  • Antimon: Marktkonzentration (Förderstaaten), geopolitische Risiken, eingeschränkte Recyclingfähigkeit, ein- geschränkte Substituierbarkeit
  • Beryllium: Marktkonzentration (Förderstaaten & Konzerne), geringe  Recyclingfähigkeit, geringe Substituierbar- keit, hoher Nachfrageimpuls durch Zukunftstechnologien
  • Gallium: Marktkonzentration (Förderstaaten), ausschließlich Nebenprodukt anderer Metalle, geringe  Recyc- lingfähigkeit, geringe Substituierbarkeit, hoher Nachfrageimpuls durch Zukunftstechnologien
  • Indium: ausschließlich Nebenprodukt anderer Metalle, geringe  Recyclingfähigkeit, mangelnde Substituierbarkeit, hoher Nachfrageimpuls durch Zukunftstechnologien
  • Tantal: Marktkonzentration (Förderstaaten und Konzerne), eingeschränkte Recyclingfähigkeit, z. T. Kleinbergbau & Konfliktrohstoff

B) Weitere IKT-Rohstoffe (10–40 Prozent der Weltjahresproduktion im Elektroniksektor):

  • Cobalt: Marktkonzentration, überwiegend Nebenprodukt anderer Metalle, mangelnde Substituierbarkeit, z. T. Kleinbergbau und Konfliktrohstoff
  • Germanium: Marktkonzentration (Konzerne), geopolitische Risiken, ausschließlich Nebenprodukt anderer Metalle, eingeschränkte Recyclingfähigkeit, geringe Substituierbarkeit, hoher Nachfrageimpuls durch Zukunftstechnologien
  • Gold: geopolitische Risiken, geringe Substituierbarkeit, hohe Umweltrelevanz, z. T. soziale  Aspekte (Kleinbergbau)
  • Palladium: extreme  Marktkonzentration (Förderstaaten & Konzerne), überwiegend Nebenprodukt anderer Metalle, geringe Substituierbarkeit
  • Silber: überwiegend Nebenprodukt anderer Metalle, geringe Substituierbarkeit
  • Zinn: eingeschränkte Recyclingfähigkeit, geringe Substituierbarkeit, z. T. Kleinbergbau und Konfliktrohstoff

Die Broschüre „Schwerpunkte 2014“ kann beim Umweltbundesamt unter umweltbundesamt.de  heruntergeladen werden.

Quelle: Umweltbundesamt