Versiegende Quellen und abfließendes Kapital: Platzt die US-Schiefergasblase?

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Bohrstelle (Foto: ©Thomas Max Müller/ http://www.pixelio.de)

Wien — Wer derzeit die US-Wirtschaftsnachrichten verfolgt, kann beobachten, wie die Medien, die vor kaum zwei Jahren noch über „Saudi-Amerika“ geschrieben haben, jetzt über das Zusammenbrechen der Schiefergasindustrie berichten. Das Fördermaximum für Schiefergas wurde bereits überschritten, es werden keine großen Vorkommen mehr entdeckt, Investoren ziehen sich zurück und die Anzahl der neuen Bohrungen ist auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten angelangt. „Leider hinterlässt die geplatzte Schiefergasblase in den USA eine Spur von Umweltzerstörung – Europa darf nicht den gleichen Fehler machen“, betont Jurrien Westerhof, Geschäftsführer von Erneuerbare Energie Österreich.

Verluste statt Gewinne

Nach der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende und der Kreditblase 2008 waren viele Investoren auf der Suche nach neuen Gewinnmöglichkeiten und wurden bei Schiefergas und Fracking fündig. Durch die Versprechungen von großen Renditen und durch billige Kredite wurde schnell viel Kapital angelockt. Die Folge war eine rasche Zunahme der Anzahl der Bohrungen und der Gasförderung. Die hieraus entstandene Überproduktion führt aber schnell zu sehr niedrigen Gaspreisen, wodurch die Unternehmen Verluste statt Gewinne machen: in den letzten 5 Jahren durchschnittlich 110 Mrd. Dollar jährlich. Dazu kommt, dass die geschätzten Reserven und die tatsächlich förderbare Gasmenge meist weit auseinander klaffen; bereits nach einigen Monaten fällt die Gasproduktion aus einer neuen Bohrung stark zurück. Anfänglich war dieser Rückfall noch mit neuen Bohrungen zu kompensieren. Da aber keine neuen Vorkommen entdeckt werden, fällt mittlerweile auch die Gesamtproduktion.

Folgen für die europäische Energiepolitik

Das Ergebnis dieser Entwicklungen wird wahrscheinlich sein, dass die US-Schiefergasproduktion in den kommenden Jahren weiter zusammenbricht und die Energiepreise wieder anziehen werden. Mangels Gas werden die USA wieder vermehrt auf Steinkohle setzen, und nicht – wie vor einigen Jahren immer wieder angekündigt – zum Energieexporteur werden. Das wird voraussichtlich zu einem Anstieg der Kohlepreise auch in Europa führen, was dem Einsatz erneuerbarer Energien entgegenkommt.

Das Platzen der Blase hat nach Ansicht von Jurrien Westerhof aber auch Folgen für die europäische Energiepolitik. Denn gerade in Europa hat die Industrie in den vergangenen Jahren immer wieder auf die niedrigeren Energiepreise in den USA hingewiesen, und sogar mit Abwanderung gedroht, falls die EU keine Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten setzt. Unter anderem wurden eine Verlangsamung des Ausbaus erneuerbarer Energien oder gratis CO2-Zertifikate verlangt. Die noch amtierende EU-Kommission hatte offene Ohren für die Forderungen, was zu einem sehr unambitionierten Vorschlag für die 2030-Ziele für CO2-Emissionen, erneuerbare Energien und Energieeffizienz geführt hat.

Ende der Goldgräberstimmung

Mit dem Platzen der Schiefergasblase und dem erwarteten Anstieg der US-Energiekosten fällt aber auch das zentrale Argument hinter der Forderung der Industrie nach einer lascheren Energie- und Klimapolitik weg.

„Zu lange haben zu viele Menschen sich durch die Goldgräberstimmung rundum Schiefergas Sand in die Augen streuen lassen, aber wie viele Blasen vorher ist jetzt auch diese Blase geplatzt“, bilanziert Jurrien Westerhof. „Es ist traurig, dass die Amerikaner für diesen Irrtum mit verwüsteten Landschaften und verschmutztem Grundwasser bezahlen. Lehre für die EU sollte sein, erstens nicht diesen Fehler zu kopieren, und zweitens den einzigen zukunftsfähigen Weg, hin zu 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2050, einzuschlagen“.

Quelle: APA-OTS