Kraftwerksaschen: BUND warnt vor „tickenden Zeitbomben in den Tagebauen“

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Braunkohlekraftwerk (Foto: ©Marco Barnebeck /http://www.pixelio.de)

Düsseldorf — Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt vor „tickenden Zeitbomben“ im Rheinischen Braunkohlenrevier. Auf den Aschedeponien der Braunkohlenkraftwerke würden Millionen Tonnen zum Teil gefährliche Abfälle gelagert, ohne dass deren Langzeitsicherheit gewährleistet sei.

Gleichzeitig kritisiert der Umweltverband die „Geheimniskrämerei“ der zuständigen Bergbehörde. Diese hatte nach Rücksprache mit RWE Power dem BUND die Auskunft zu den abgelagerten Abfallmengen und -arten verweigert. „Die Bezirksregierung Arnsberg ließ unter Verweis auf die Wahrung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen wesentliche Fragen unserer Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz unbeantwortet“, kritisiert BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen. „Damit wird die Öffentlichkeit über die wahren Gefahren der Kraftwerksreststoff-Deponien getäuscht.“

Als „nicht gefährlich“ eingestuft

Bei dem Betrieb von Braunkohlenkraftwerken fallen erhebliche Mengen Abfälle an, die einer für die Umwelt schadlosen Entsorgung zugeführt werden müssen. Den größten Anteil daran haben die Kraftwerksaschen, also die mineralischen Bestandteile der Kohle, die nicht verbrannt werden können. Im Rheinischen Revier schwankt der Aschegehalt je nach Tagebau, Flözlage, Flöztiefe und Verunreinigungen in der Kohle zwischen 1,5 % und 8,0 %. Diese Aschen sind nach Ansicht des NRW-BUND keineswegs harmlos: Neben verschiedenen Schwermetallen wie z.B. Quecksilber sowie Kupfer, Cadmium, Chrom, Zink, Blei, Nickel, Thallium und Arsen sollen darin auch die radioaktiven Substanzen der Uran-235-, der Thorium-232- und der Kalium-40-Reihe in aufkonzentrierter Form vorkommen.

Trotz ihres Schadstoffinventars werden die Kraftwerksaschen dabei als „nicht gefährlich“ eingestuft, weshalb an die Deponien geringe Umweltanforderungen gestellt werden. „Jährlich werden so allein mehrere Tonnen giftiger Schwermetalle abgelagert, ohne dass die Langzeitsicherheit gewährleistet ist“, moniert der Braunkohlenexperte Jansen. „Mit der Einstellung der Sümpfungsmaßnahmen nach Tagebauende gelangen Teile der Deponien unweigerlich in den Strom des wiederansteigenden Grundwassers. Dass dann keine Giftstoffe ausgewaschen werden, kann heute niemand garantieren.“

Verursacher in die Pflicht nehmen

Trotzdem habe die Bezirksregierung Arnsberg bislang von RWE Power lediglich Sicherheitsleistungen in Höhe von etwa 50 Millionen Euro verlangt. Der BUND hält diese angesichts der langandauernden Risiken für viel zu gering, zumal für die Altlasten in den Tagebauen überhaupt keine Regelung existiere.

Auch angesichts der weiteren von RWE Power AG verursachten Folgekosten für Mensch und Umwelt wie z.B. durch Kippenversauerung, Grundwasserabsenkung, Bergsenkungen oder Restseen ist es nach BUND-Auffassung längst überfällig, von RWE Power eine Sicherheit in Form eines Ewigkeitslasten-Fonds einzufordern. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum im Bereich des Steinkohlenbergbaus ein solcher existiert, nicht aber für das Rheinische Braunkohlenrevier“, fragt sich Dirk Jansen. Die Bewältigung der Folgen des Braunkohlenbergbaus werde die nachfolgenden Generationen noch lange nach Tagebauende beschäftigen. Es sei an der Zeit, den Verursacher dafür in die Pflicht zu nehmen.

Weitere Informationen sind unter bund-nrw.de erhältlich.

Quelle:  Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband NRW