Grüne fordern, ökologische Abwrackprämie für Schiffe einzuführen

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Shipbreaking (Foto: NGO Shipbreaking Platform)

Berlin, Pinneberg — Deutschlands führende Linienreederei Hapag-Lloyd will ihre ausgedienten Frachtschiffe künftig nicht mehr auf dem Gebrauchtmarkt verkaufen, sondern umweltgerecht auf Abwrackwerften entsorgen. Eine entsprechende Änderung der Firmenpolitik habe der Vorstand beschlossen, meldete das Hamburger Abendblatt. Anlässlich dieser Entscheidung der Hapag-Lloyd fordert die Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms (Bündnis 90/Die Grünen), Berichterstatterin für maritime Politik, eine ökologische Abwrackprämie für Schiffe.

Valerie Wilms: „Wir begrüßen die Entscheidung von Hapag-Lloyd. Gerade in der noch andauernden Schifffahrtskrise ist das ein positives Zeichen und ein Vorbild auch für andere Reedereien. Das zeigt, dass das unmenschliche und nicht umweltgerechte Verwerten der Schiffe auf Schiffsfriedhöfen in Pakistan, Indien oder Bangladesch nicht mehr gewünscht ist. Jetzt ist auch die Bundesregierung gefragt: Deutschland muss endlich das Hongkong-Übereinkommen für einheitliche Standards beim Recycling von Schiffen aus 2009 ratifizieren.“

„Unsere Lösung für umweltfreundliches und sozial verträgliches Entsorgen der Schiffe“, so Wilms weiter, „ist eine Abwrackprämie, die an ökologische Bedingungen für spätere Schiffsneubauten geknüpft werden soll. Mit einer solchen Prämie wäre den Reedern geholfen und es wäre sowohl ein Beitrag aus der Krise als auch für die ökologische Ausrichtung der Seeschifffahrt. Auch heimische Werftstandorte würden von einer Abwrackprämie durch fachgerechtes Recycling profitieren.“

Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hatte vor kurzem den Vorschlag einer Abwrackprämie für Schiffe als EU-rechtskonform bewertet.

Laut Valerie Wilms  könnte eine Abwrackprämie Reeder steuerlich entlasten: “ Beim Wechsel zwischen den Besteuerungsmodellen mussten in der Vergangenheit Unterschiedsbeträge zwischen Buchwert und Marktwert des Schiffes festgeschrieben werden. Aufgrund aktueller Marktentwicklungen würden sich diese beim Verkauf eines Schiffes an eine Abwrackwerft als großer steuerlicher Nachteil auswirken. Mit einer Abwrackprämie könnten  diese Steuerlasten in die Zukunft verschoben werden.“

Quelle: Valerie Wilms