R. Berger-Studie: Deutsche Unternehmen bewerten die Wirtschaftslage positiv

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Liftknöpfe (Foto: ©Sommaruga Fabio / http://www.pixelio.de)

München — Die Mehrheit der deutschen Unternehmen erwartet in den kommenden zwei Jahren weiterhin steigende Umsätze und ist mit ihrer aktuellen Liquiditätssituation zufrieden. Mehr als die Hälfte der für die neue Roland Berger-Restrukturierungsstudie befragten Firmen glaubt, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise überwunden ist; in den kommenden zwei Jahren rechnen 85 Prozent der Firmen mit keiner Rezession in Deutschland. Sollte es dennoch zu einer wirtschaftlichen Abkühlung kommen, wären vor allem deutsche Unternehmen gefährdet, die schwerpunktmäßig innerhalb Europas exportieren.

Insgesamt sind deutsche Firmen gut aufgestellt: Sie verfügen über breit diversifizierte Produktportfolios (24 Prozent) sowie überdurchschnittliche Eigenkapitalquoten (18 Prozent) und Liquidität (17 Prozent). Allerdings sieht mehr als die Hälfte von ihnen ein hohes Risikopotenzial durch die Staatsschuldenkrise und die unstabile politische Führung einiger EU-Länder. Sorge bereiten auch die Kosten für die Energiewende, so ein weiteres Ergebnisse der „Restrukturierungsstudie 2014 – Ist die Finanzkrise überwunden?“ von Roland Berger Strategy Consultants.

Zufriedenheit und Krisensituation

„Obwohl die Stimmung bei deutschen Firmen gerade sehr gut ist, erwarten die meisten in den kommenden Jahren weiterhin ein volatiles Marktumfeld“, sagt Sascha Haghani, Partner von Roland Berger und stellvertretender Geschäftsführer der Strategieberatung in Deutschland. „Dabei spielen insbesondere geopolitische Risiken wie die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine oder der Türkei eine wichtige Rolle.“

„Ein Problem stellt auch die Schere zwischen gefühltem Zustand und Realität dar“, ergänzt Gerd Sievers, Partner von Roland Berger im Bereich Restrukturierung und Corporate Finance. „Denn obwohl die meisten deutschen Firmen mit der aktuellen Lage zufrieden sind, erleben wir zeitgleich viele Unternehmen in Krisensituationen oder Insolvenzen.“ Dazu zählen Firmen aus der Schifffahrtsbranche und dem Bereich regenerative Energien, Automobilzulieferer sowie Konsumgüter- und Handelsunternehmen. Hinzu kommen dann Risiken aus der Unternehmensfinanzierung, die einige Firmen zur Insolvenz geführt haben.

Restrukturierung bleibt Daueraufgabe

Gegen potenzielle Marktrisiken hilft oft eine gezielte Szenario-Planung: Knapp 80 Prozent der Befragten gestalten mithilfe von Szenarien ihre künftige Strategie. Zudem setzen fast alle Firmen (92 Prozent) auf regelmäßige Restrukturierungsmaßnahmen. „Unternehmen, die ihre Strategie regelmäßig prüfen und optimieren, können am besten wettbewerbsfähig bleiben“, erklärt Haghani. „Deshalb gestalten immer mehr Firmen ihre Geschäftsmodelle neu, um den veränderten Marktbedürfnissen besser entgegenzukommen.“

Bei den Maßnahmen liegen die Schwerpunkte der befragten Firmen auf Wachstums- und Vertriebsinitiativen (79 Prozent), Anpassungen der Geschäftsmodelle (74 Prozent) sowie Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogrammen (69 Prozent). Wachstum erwarten die Studienteilnehmer vor allem in West-, Mittel- und Osteuropa sowie Asien. Obwohl deutsche Firmen schwerpunktmäßig in diese Länder investieren möchten, stellt der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern für fast 60 Prozent der Befragten ein hohes Risiko für das geplante Wachstum dar.

Liquiditätsengpässe zeitig entdecken

Die positive Wirtschaftslage der vergangenen drei Jahre hat auch bewirkt, dass sich die Liquiditätssituation der Unternehmen deutlich verbessert hat. Eine Tendenz, die sich nach Ansicht von zwei Dritteln der Befragten bis Ende 2015 fortsetzen soll – allerdings warnen die Roland Berger-Experten vor unvorsichtiger Vorfreude: „Viele Firmen erkennen Liquiditätsengpässe zu spät und haben dann keinen Handlungsspielraum mehr, wenn es um die Finanzierung geht“, erklärt Sievers. „Dies gilt insbesondere, wenn Anleihen oder andere endfällige Finanzierungen im Spiel sind, die in den vergangenen Jahren eine weite Verbreitung gefunden haben. Das kann schnell zu einer Insolvenz führen, wie einige Beispiele der jüngsten Vergangenheit besonders im Mittelstand gezeigt haben.“

Finanzierung optimistisch gesehen

Was die Finanzierungsmittel angeht, bewerten 60 Prozent der Firmen das Umfeld positiv; doch die meisten wollen ihr Wachstum aus eigener Kraft stemmen (90 Prozent). Greifen Unternehmen jedoch auf externe Finanzierungsquellen zu, bevorzugt die absolute Mehrheit weiterhin den klassischen Bankkredit (90 Prozent). So werden bestehende Kreditlinien verlängert (44 Prozent) oder ausgeweitet (17 Prozent) bzw. neue Kreditlinien beantragt (27 Prozent). Sollten dennoch Kapitalmaßnahmen geplant sein, suchen Firmen eher Fremdkapital. „Im jetzigen Zinsumfeld ist nach wie vor die Emission von Anleihen, vor allem im mittelständischen Bereich, für viele Firmen attraktiver. Allerdings sollten Unternehmen mögliche strukturelle Nachteile im Rahmen einer Restrukturierung berücksichtigen“, sagt Gerd Sievers.

Die „Restrukturierungsstudie 2014 – Ist die Finanzkrise überwunden?“ kann unter rolandberger.com heruntergeladen werden.

Quelle: Roland Berger Strategy Consultants Holding GmbH