Flutung von Grubenschächten: B90/Grüne fordern Gutachten von Saarlands Regierung

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Aufgelassener Bergbau-Stollen (Foto: © Rainer Klinke / http://www.pixelio.de)

Saarbrücken — Die RAG AG plant bis zum Jahr 2035 eine komplette Flutung von Bergbau-Schächten. Welche Gefahren dadurch für die Umwelt entstehen, und ob toxische Stoffe das Grundwasser verunreinigen könnten, ist bisher ungeklärt. Das Thema hatte schon im April und Mai 2014 zu Anfragen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen an die Regierung des Saarlandes geführt (Recyclingportal.eu berichtete).

Die RAG AG hatte Ende Februar ein neues Grubenwasserhaltungskonzept vorgelegt. Dieses sieht eine Einstellung der Pumpaktivitäten und einen kompletten Anstieg des Grubenwassers vor. Dieses Konzept beruht auf Bewertungen der RAG AG selbst und auf Erfahrungen aus dem französischen Warndt. In dem Konzept spielen nach Ansicht der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auch mögliche Abfall- und Reststoffe keine Rolle. In wie fern sich die Flutungen auf die Trinkwasserqualität auswirken werden, und ob es zu Verunreinigungen kommen kann, sei nicht geklärt.

Regierung seit März 2013 informiert

Nun hat sich Hubert Ulrich als umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion erneut zu Wort gemeldet: „Die Landesregierung muss sich in Sachen Grubenwasserhaltungskonzept der RAG endlich bewegen. Wir hatten bereits mehrfach gefordert, dass sie ein externes Gutachten zu den möglichen Gefahren, die von einem Anstieg des Grubenwassers ausgehen, einholt. Mitte Juni hatte sich die Regierung dazu zwar endlich bereiterklärt. Bis heute liegt jedoch weder ein Gutachten vor noch wurde in Aussicht gestellt, wann eine Prüfung überhaupt stattfinden soll. Dies ist schon vor dem Hintergrund völlig inakzeptabel, dass die Regierung seit März 2013 über die Pläne der RAG Bescheid weiß.“

Grundwasserverunreinigung möglich

Es müsse – so Ulrich – endlich Klarheit über die möglichen Folgen für die Umwelt herrschen. Es gehe hier schließlich auch um die Sicherheit der Bevölkerung. Experten befürchten durch einen Anstieg des Grubenwassers unter anderem Hebungen, Senkungen und Schiefstände von Gebäuden.

Außerdem sei noch völlig unklar, ob das Grundwasser durch toxische Stoffe in den Stollen verunreinigt werden könnte. So würden seit 1993 unter Tage Abfall- und Reststoffe eingelagert, unter anderem 10.000 Fässer Asbest-Beton. Zudem könnten bei einer Flutung der Schächte die toxischen Chlorverbindungen PCB (Polychlorierte Biphenyle) in die Umwelt gelangen. Diese seien früher in Hydrauliköl verwendet worden, mit denen auch die Maschinen in den Gruben befüllt wurden. Außerdem belege ein Gutachten im Auftrag des Saarländischen Umweltministeriums aus dem Jahr 2011, dass das Grubenwasser, das in saarländische Gewässer eingeleitet wird, mit PCB belastet ist.

Landesregierung zeigt geringes Interesse

Ulrich weiter: „Vor diesem Hintergrund hatten wir bereits im April und Mai Anfragen an die Landesregierung gestellt, durch die geklärt werden sollte, welche gefährlichen Stoffe unter Tage lagern, und welche Auswirkungen deren Freisetzung auf das Grundwasser haben könnte. Bis heute hat die Landesregierung jedoch beide Anfragen nicht beantwortet. Das ist nicht nur schlechter parlamentarischer Stil. Es zeigt auch das geringe Interesse der Regierung an der Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger über die möglichen Gesundheitsrisiken, die ein Grubenwasseranstieg haben könnte. Wir fordern daher von der Landesregierung, schnellstmöglich das versprochene Gutachten in Auftrag zu geben und umfassend über mögliche Umweltgefährdungen zu berichten.“

Quelle: Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen