Anaerobe Schlammbehandlung: Kläranlage in Bad Abbach ist Pilotprojekt für Bayern

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Kläranlage (Foto: VKU)

München — Bayern hat bei der öffentlichen Abwasserentsorgung hohe Standards für hervorragende Gewässerqualität gesetzt. Bei der Inbetriebnahme der umfassend nachgerüsteten Kläranlage in Bad Abbach betonte der Bayerische Umweltminister Dr. Marcel Huber: „Gemeinsam mit den bayerischen Kommunen entwickeln wir die Kläranlage der Zukunft. Unser Ziel ist es, über eine hochwertige Abwasserbehandlung hinaus bislang ungenutzte Potentiale der Kläranlagen für Klimaschutz und Energiegewinnung zu aktivieren. Dazu erproben wir zukunftsweisende Technologien und bringen innovative Ideen in die Fläche.“

In Bad Abbach wird derzeit ein bayernweit bedeutsames Pilotprojekt zur energetischen Optimierung von kommunalen Kläranlagen durchgeführt. Dabei wird erstmals eine bislang nur bei großen Kläranlagen etablierte Technik eingesetzt: die sogenannte „anaerobe Klärschlammbehandlung“. Bei dieser Methode wird ohne Zusatz von Sauerstoff methanhaltiges Faulgas aus dem Klärschlamm gewonnen. Das Gas wird anschließend in einem betriebseigenen Blockheizkraftwerk zur klimaneutralen Erzeugung von Strom und Wärme genutzt. Damit kann die Kläranlage knapp zwei Drittel des benötigten Strombedarfs selbst abdecken.

Außerdem werden der Energieverbrauch und damit die CO2–Emissionen der Anlage deutlich gesenkt. „Abwasser ist eine Wärme- und Energiequelle, die künftig immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Diesen flüssigen Rohstoff müssen wir nutzen. Die Kläranlage Bad Abbach nimmt hier eine Vorreiterrolle ein“, erklärte Marcel Huber.

Die Umrüstung auf eine „anaerobe Klärschlammbehandlung“ kommt in Bayern voraussichtlich für rund 130 kleinere Kläranlagen in Betracht. Damit Investitionskosten und erhöhter Betriebs- und Überwachungsaufwand für die Kommunen wirtschaftlich realisierbar sind, werden im Rahmen des Projekts Erfahrungen gesammelt und dokumentiert, wie die Umrüstung kostengünstig durchgeführt werden kann und wie hoch der wirtschaftliche Vorteil langfristig ist. Hierzu wird das Pilotprojekt wissenschaftlich und ingenieurtechnisch begleitet und ausgewertet. Die Ergebnisse der Auswertung werden dann den Betreibern der für eine Umrüstung in Frage kommenden Kläranlagen als Entscheidungsgrundlage und Planungshilfe zur Verfügung stehen.

Das Bayerische Umweltministerium fördert im Rahmen des Pilotprojekts die Investitionskosten in die Nachrüstung der Anlage mit rund 1,3 Millionen Euro und finanziert mit rund 87.000 Euro die wissenschaftliche Begleitung. Rund 3,3 Millionen Euro hat die Gemeinde in das Pilotprojekt und in die parallele Ertüchtigung ihrer Kläranlage investiert.

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz