Bozen zieht Bilanz nach einem Jahr mit getrennter Abfallsammlung

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Stadträtin Trincanato und die SEAB Führungsspitze (Foto: Stadt Bozen)

Bozen — Seit der Einführung des neuen Müllsammelsystems und des entsprechenden Tarifs nach Verursacherprinzip in Bozen ist fast ein Jahr vergangen. Da nun exakte Messungen des entsorgen Restmüllvolumens einzelner Unternehmen, Haushalte und Kondominien vorliegen, können die Stadt Bozen und Servizi Energia Ambiente Bolzano (SEAB) eine erste – überwiegend positive – Bilanz ziehen.

Die Erfolge des neuen Müllsammelsystems sind schon ein paar Monate nach seiner Einführung sichtbar geworden: Der Anteil der getrennten Müllsammlung hat bereits im Dezember 2013 67,7 Prozent betragen und sich im ersten Halbjahr 2014 bei diesem Wert eingependelt (im Durchschnitt betrug er 67 Prozent). Im Vergleich mit demselben Zeitraum 2013, in dem der Anteil noch bei 47,7 Prozent lag, ist ein Wachstum um fast 20 Prozent ersichtlich. Umgerechnet sind dies 40 Prozent, bzw. etwa 12.000 Tonnen Restmüll weniger pro Jahr, womit die Ansprüche und Erwartungen, die man an das neue Müllsammelsystem vor seiner Einführung stellte, um 50 Prozent übertroffen wurden  – prognostiziert wurden 8.000 Tonnen weniger.

Zudem illegale Entsorgung erschwert

Aus dem Vergleich der ersten Semester 2013 und 2014 ergeben sich weitere deutliche Fakten: Die Gesamtmüllproduktion in der Stadt Bozen hat – aufs Jahr umgerechnet – um fast 4.000 Tonnen abgenommen. Laut SEAB-Leitung ist – neben der Wirtschaftskrise und dem gesteigerten Umweltbewusstsein – das neue Sammelsystem dafür verantwortlich, das die illegale Entsorgung des Hausmülls aus den Nachbargemeinden erschwert hat. Dies bestätigen auch vor Kurzem veröffentlichte Daten der Provinz, die bereits im Jahr 2013 einen starken Zuwachs in der Müllproduktion der umliegenden Gemeinden feststellen.

Einsparmöglichkeiten  exakt erfasst

Nicht nur über die Mengen des gesammelten Abfalls liegen exakte Messungen vor; auch über die Kosten der Sammlung und des Recyclings bestimmter Materialien führt SEAB genauestens Buch: Das Sammeln und Entsorgen einer Tonne Restmüll kostet genau 316 €. Die Kosten für getrennt gesammelte Abfälle sind deutlich niedriger: Um eine Tonne Plastikabfall zu sammeln und dem Recycling zuzuführen, bezahlt man etwa 200 €, Sammeln und Recyceln von einer Tonne Karton kostet im Durchschnitt 100 €, die Sammel- und Recyclingkosten für eine Tonne Papier belaufen sich auf ca. 20 €.

Kosten nach Organisationsaufwand

Die bemerkbaren Kostenunterschiede ergeben sich teilweise aus dem organisatorischen Aufwand: Wie viel Zeit und wie viele Arbeitskräfte braucht es für die Sammlung, welche Mittel und Fahrzeuge kommen zum Einsatz, etc. Sie hängen aber auch von der Reinheit des gesammelten Materials ab: Je höher die Verunreinigung (Fremdstoffe, Schmutz) desto niedriger ist der industrielle Wert und desto höher sind die effektiven Kosten für die BewohnerInnen der Landeshauptstadt. So muss z. B. eine Plastiksammlung, die über 15 Prozent Verunreinigung enthält, vor dem Recycling noch von Hand sortiert werden – dies hat seine Kosten und wirkt sich auf den Endpreis und in Folge auf den Abfalltarif aus.

Das bedeutet, dass auch Bürgerinnen und Bürger von Bozen einen Einfluss auf die Kosten und damit auch auf ihren Mülltarif haben – indem sie ihre Abfälle korrekt trennen und nur sauberes Material der Sammlung zuführen können sie die Kosten niedrig halten.

Quelle: Stadt Bozen