Fachgespräch: Die Rücknahme von Elektroaltgeräten nach dem ElektroG

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Die Diskussionsteilnehmer (v.l.): J. Lefèvre, F. Otte, O. Balke, T. Richter, D. Steiner, M. Köster und A. Pohl (Foto: Hellmann Process Management GmbH)

Osnabrück — Engagiert diskutierten Experten am 17. Juli 2014 die Chancen und Herausforderungen, die das demnächst novellierte Elektro- und Elektronikgerätegesetz mit sich bringt. Die geplante Rücknahmepflicht von Elektroaltgeräten im Handel stellte den Mittelpunkt des Fachgesprächs in den Räumen der Kerber GmbH & Co. KG in Osnabrück dar. Das Gespräch im Rahmen der Kampagne“eSchrott Recycling“hatte der Osnabrücker Umweltdienstleister Hellmann Process Management GmbH & Co. KG initiiert.

Der gesetzlichen Verpflichtung der Händler zum Sammeln von Altgeräten sah Dr. Thomas Richter, Geschäftsführer der Kerber GmbH, ganz gelassen entgegen: „Wir sammeln jetzt schon Altgeräte unserer Kunden und entsorgen sie über kommunale Sammelstellen.“ Durch seine Verkaufsfläche von unter 400 m² ist Richter auch zukünftig nicht dazu verpflichtet, Kleingeräte mit einer Kantenlänge von bis zu 25 cm zurückzunehmen. Doch: „Wenn ein Kunde Kleingeräte zu entsorgen hat, nehmen wir diese auch mit. Das gehört zum Service.“ Oliver Balke, Geschäftsführer der Busmann OHG, pflichtete Richter bei, die gleiche Vorgehensweise in seinem Elektrofachhandel zu praktizieren. Für Händler, die Elektroaltgeräte zurücknehmen, zeigte Pohl die Möglichkeit auf, diese als Sammelstelle in die kostenlose Recyclingsuche-App „eSchrott“ aufzunehmen. So würde den Bürgern ein möglichst dichtes Netz an Sammelstellen in ihrem Umkreis geboten.

Mehr Elektroaltgeräte sammeln

Die Dringlichkeit, zukünftig mehr Elektroaltgeräte sammeln zu müssen, sahen alle Teilnehmer. „Wir können es uns nicht mehr leisten, so viele Rohstoffe neu zu verbrauchen“, stellte Frank Otte, Stadtbaurat der Stadt Osnabrück, fest. „Elektroschrott ist dabei gar nicht der treffende Begriff, da Elektroaltgeräte wertvolle Rohstoffe enthalten.“ Dabei stellte Otte infrage, ob die Sammlung über den Handel die richtige Lösung sei. Denn auf ländlichem Gebiet, auf dem Sammelplätze häufiger fehlen würden, gäbe es heute auch kaum noch Elektrohändler. Sein Vorschlag: „Wir sollten regionale Modelle umsetzen, um mehr Elektroaltgeräte zu sammeln. Zum Beispiel erscheint eine Zusammenarbeit von Kommunen und Handel sinnvoll.“

Kontrovers wurde vor allem über die Finanzierung der geplanten Rücknahmeverpflichtung im Handel diskutiert. Oliver Balke, Geschäftsführer des Elektrofachhandels Busmann OHG, kommentierte: „Die Finanzierung des Systems ist problematisch. Ob Hersteller oder Handel die Kosten tragen: Die Geräte werden teurer und es trifft am Ende uns und unsere Kunden.“

Entsorgungswege müssen nachvollziehbar bleiben

Schon heute ist es Kommunen möglich, gesammelte Altgeräte selbst zu vermarkten, zu optieren. Dazu meint Michael Köster, Umweltreferent für Entsorgung bei Miele & Cie. KG: „Qualität beinhaltet für uns als Hersteller transparente Rücknahmewege und eine umweltgerechte Entsorgung. Daher müssen die Wege der entsorgten Elektroaltgeräte für uns nachvollziehbar bleiben. Wenn Kommunen oder Händler die Altgeräte selbst vermarkten, können wir nicht sicherstellen, wo die Geräte landen. Doch die Produktverantwortung tragen wir letztendlich mit.“

In einem waren sich alle Teilnehmer einig: Es reicht nicht, die Rücknahme von Elektrogeräten zwischen Herstellern, Handel und Kommunen zu organisieren. Der Bürger und Konsument von Elektrogeräten müsse zum Umdenken bewegt werden. Dr. Richter, Geschäftsführer Kerber, stellt folgenden Trend fest: „Langlebigkeit von Produkten wird gar nicht mehr geschätzt, die Kunden wollen Geräte immer schneller durch modernere ersetzen.“ Das müsse erst einmal bewusst gemacht und wieder geändert werden. Doch Kundenmotivation ist keine einfache Aufgabe“, bemerkte Dr. Jörg Lefèvre, Abteilung Umwelttechnik der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Das erfordere „eine motivierende und interessante Ansprache, um den Bürger zur Abgabe von Altgeräten zu bewegen“.

Im Rahmen der „eSchrott Recycling“-Kampagne

Auch Dorothea Steiner, grüne Umweltexpertin und MdB a.D., ist der Meinung, dass hier ganz viel Arbeit notwendig sei: „Ein Umdenken bei den Konsumenten ist erforderlich. Nicht nur beim Strom sparen kann der Konsument etwas Gutes für Umwelt und Wirtschaft tun, sondern auch beim qualifizierten Entsorgen. Wichtige Sekundärrohstoffe werden zurückgewonnen, das muss verstanden werden“. Gleichzeitig hält sie den novellierten Gesetzesentwurf für „hochgradig überfällig“. Die Initiative „eSchrott Recycling“ lobte sie als einen Ansatz für die wichtige Aufklärungsarbeit.

Moderiert von André Pohl, Geschäftsleiter Hellmann Process Management, fand das Fachgespräch im Kontext der Informationskampagne „eSchrott Recycling“ statt. Mit einer interaktiven und medialen Wanderausstellung „eSchrott Recycling“ vermittelt Hellmann Process Management Hintergründe und Anreize für eine fachgerechte Entsorgung von ausrangierten Elektrogeräten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert dieses Vorhaben, das sich besonders an Jugendliche und Verbraucher von Elektrogeräten, aber auch an den Handel richtet. Ziel ist es, das Bewusstsein für das Thema Altgeräte-Entsorgung in der Bevölkerung zu erhöhen und die Sammelquoten von Elektroaltgeräten zu steigern.

Hintergrund des Projektvorhabens ist die mangelnde Informationspolitik zu dem Thema Entsorgung von Elektroaltgeräten und die damit verbundene Tatsache, dass immer noch viel zu viele Elektroaltgeräte über die Restmülltonnen entsorgt werden. Damit würden nicht nur wichtige Sekundärrohstoffe für den Recyclingkreislauf verloren gehen, sondern die enthaltenen Schadstoffe ungehindert auf die nächste Deponie gelangen.

Quelle: Hellmann Process Management GmbH & Co. KG