BGK vs. ITAD: Kompostierer kritisieren Müllverbrenner-Studie

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Quelle: Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. (BGK)

Köln — Die Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. (BGK) kritisiert die Studie der ITAD (Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland). Die Ergebnisse stellen nach ihrer Meinung die Sinnhaftigkeit der Getrenntsammlung von Bioabfällen (Biotonne) infrage und legen in der Diktion die Mitverbrennung von Bioabfall zusammen mit dem Restabfall in der MVA nahe. Mit Blick auf die Getrenntsammelpflicht für Bioabfälle ab 2015 (§ 11 Abs. 1 KrWG) könne die Studie der ITAD über die „Erweiterte Bewertung der Bioabfallsammlung“ in den Kommunen zu Verunsicherungen darüber führen, wie die getrennte Erfassung von Bioabfällen am besten umgesetzt werden soll.

Eine neuartige ökonomische Bewertung

Die Studie der ITAD erhebt laut BGK den Anspruch, eine ‚erweiterte Bewertung‘ der Bioabfallsammlung zu sein. Entsprechend werden verschiedene aktuelle Ökobilanzen und Ökoeffizienzanalysen wegen eines unzureichenden Bilanzierungsrahmens kritisiert. Weiter werden für nicht über die Biotonne erfasste Bioabfälle Vorteilswirkungen unterstellt, die bei der Eigenkompostierung oder einer separaten Grüngutverwertung auch ohne Biotonne zum Tragen kommen.

Ferner werde eine neuartige ökonomische Bewertung der mit der Bioabfallverwertung erreichten ökologischen Vorteilswirkungen eingeführt. Die Vorteilswirkungen würden in Relation zu den erforderlichen abfallwirtschaftlichen Mehraufwendungen der getrennten Sammlung von Bioabfällen für das Erreichen dieser ökologischen Vorteile gesetzt. Das Ergebnis daraus ist, dass die mit der Bioabfallverwertung verbundenen Vorteile auf anderen Wegen preisgünstiger zu beschaffen seien als über abfallwirtschaftliche Maßnahmen.

Als Alternative für die getrennte Sammlung und stoffliche Verwertung von ‚Biogut‘ (Biotonne) werde eine Konzentration der Bioabfallverwertung auf ‚Grüngut‘ empfohlen, das bei den Abfallerzeugern mittels Hol- und Bringsystemen umfänglich erfasst werden soll. Die Erfassung von Biogut sollte dagegen besser zusammen mit dem Restabfall und anschließender Verbrennung der Abfälle in einer MVA erfolgen, so der am Ende nahelie- gende Schluss.

Die ITAD-Studie ist nach Einschätzung der BGK erkennbar auf eine Diskreditierung der getrennten Sammlung von Biogut zugunsten der gemeinsamen Erfassung und Verbrennung zusammen mit dem Restabfall angelegt. Dazu bedient sich der Verfasser der Studie jeweils relativ einseitiger Betrachtungen und Bewertungen, die bei ihrer Zusammenführung das gewünschte Bild der Unverhältnismäßigkeit einer Getrenntsammlung ergeben.

Keine ‚korrekte‘ Ökobilanz

Richtig ist nach Darstellung der BGK, dass bisherige Ökobilanzen wie die von IFEU 2012 oder von bifa 2013 allein (aber auch bewusst) auf den Vergleich unterschiedlicher Entsorgungsverfahren ausgerichtet sind. Umweltwirkungen oder Kosten der vorgelagerten getrennten Sammlung der Bioabfälle sind im Bilanzrahmen dieser Studien nicht enthalten. ITAD fordert nun die ‚korrekte‘ Erstellung des Bilanzrahmens. Die Forderung betrifft aber ausschließlich die Biotonne. Für die von ITAD empfohlene Alternative einer intensiven Grünguterfassung ist von dieser Forderung nicht die Rede – weder mit Blick auf die Umweltwirkungen, noch mit Blick auf die Kosten. Eine erweiterte oder ‚korrekte‘ Ökobilanz ist das nach Ansicht der BGK nicht und wird mit der Studie auch nicht vorgelegt.

Klima- und Ressourcenschutz verschieden bewertet

Die in Ökobilanzen bewerteten Umweltwirkungen der Bioabfallverwertung beziehen sich üblicherweise sowohl auf den Klima- als auch auf den Ressourcenschutz. Die Verbrennung von Bioabfällen ergibt i.d.R. Vorteile beim Klimaschutz, die stoffliche Verwertung im Bereich des Ressourcenschutzes. Die Umweltentlastung liegt beim Klimaschutz allerdings nur im Promille-Bereich, beim Ressourcenschutz liegt sie im Prozent-Bereich. In der ITAD-Studie werden naach Beurteiluung der BGK die beiden Umweltbereiche Klima- und Ressourcenschutz nicht nach einheitlichen Maßstäben bewertet. Während die Vorteile der Verbrennung im Hinblick auf den Klimaschutz aus der Ökobilanz von IFEU 2012 übernommen und herausgestellt werden, werden die erwiesenen vielfach höheren gesamten Umweltentlastungen der stofflichen Verwertung relativiert.

Zum einen werden Annahmen gemacht, die diese Vorteile rechnerisch reduzieren, zum anderen wird ein abweichender Bewertungsmaßstab angesetzt, der die mit der getrennten Sammlung und Verwertung von Bioabfällen verbleibenden Vorteile als überteuert eingekauft erscheinen lässt. Damit wird nach Meinuung der BGK davon abgelenkt, dass es bei der Bewertung der Verhältnismäßigkeit der Kosten der getrennten Bioabfallerfassung allein um die Kosten der Abfallentsorung geht, und nicht etwa um ‚Beschaffungskosten‘ für Umweltvorteile, für die es immer andere Wege gibt, auf denen sie günstiger eingekauft werden könnten.

Bislang noch kein adäquates Erfassungssystem

In der ITAD-Studie wird kritisiert, dass bei der Einführung der Getrenntsammlung erhebliche Mengen an Bioabfällen aus bestehenden Eigenverwertungen im Garten in die Biotonne umgelenkt werden. Der Nutzen, den sie zuvor auch ohne die getrennte Biogutsammlung gehabt hätten (‚Vornutzen‘), könne der getrennten Sammlung und Verwertung daher nicht als Erfolg gutgeschrieben werden. Dass dem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger mit der Einführung der Biotonne neben organischen Küchenabfällen auch bestimmte ‚Mehr-Mengen‘ an Gartenabfällen angedient werden können, sei unbestritten.

Dies lässt aber nach Darstellung der BGK weder den Schluss zu, dass diese Mengen vom Bürger zuvor selbst ‚kompostiert‘ noch sinnvoll ‚verwertet‘ wurden. Diese Annahme sei eine Unterstellung, der angenommene Umfang der Eigenverwertung mehr Wunsch als Wirklichkeit. Die Andienung von Gartenabfällen nach Einführung der Biotonne sei keine Abwendung von der Eigenverwertung. Sie ist vielmehr – so die BGK – ein klarer Ausdruck des Entledigungswillens des Bürgers und eine höhere Erfassungsrate an Gartenabfällen ein Beleg, dass der Entsorgungsträger ein adäquates Erfassungssystem bisher verweigert hat. Diesem naheliegenden Sachverhalt verschließt sich die ITAD-Studie vollständig.

Polemik ist kontraproduktiv

Die in der ITAD-Studie ausgebreitete Polemik gegen die getrennte Sammlung von Bioabfällen als ‚Placebo-Effekt‘ ist nach Einschätzung der BGK kontraproduktiv. Ein erzielter hoher Stand der umweltbezogenen Mitwirkungen von Bürgern bei der Abfalltrennung (nicht nur Bioabfall) werde als Anlass missbraucht, sich in diesem Teilbereich auf den „Lorbeeren“ ausruhen zu können und erst einmal auf das Nachziehen anderer umweltbezogener Teilbereiche inkl. der persönlichen Lebensführung zu verweisen.

Dass sich der Verfasser der Studie mit seinen Ausführungen explizit an diejenigen Entsorgungsträger wendet, die sich gegen die Einführung oder Ausweitung der Getrenntsammelpflicht für Bioabfälle stellen, sei nicht verwunderlich. Und wenn die in Rede stehenden zusätzlichen 4 Mio. t Bioabfall im Restmüll verbleiben und nicht in die Bio- tonne umgelenkt würden, wäre auch ITAD über die Auslastung bestehender Verbrennungskapazitäten erfreut.

Die in der Studie bemühten Berechnungen und Argumentationen – so die BGK abschließend – bewegten sich allerdings in wesentlichen Teilen außerhalb der Beurteilungsmaßstäbe des Kreislaufwirtschaftsgesetzes.

Die vollständige Stellungnahme kann unter kompost.de nachgelesen werden.

Quelle: Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V. (BGK)