Mit System: Erfolgreiche Zukunfts-Perspektive für deutschen Maschinenbau

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Fertigung von Elektromotoren (Foto: Bosch/ VDMA)

Frankfurt/Main — Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer wollen sich den Herausforderungen der Internationalisierung auch künftig vornehmlich von ihrem heimischen Standort aus stellen. Nur jeder fünfte Unternehmer plant eine echte Produktionsverlagerung ins Ausland. Stattdessen setzen die Unternehmen überwiegend auf eine stärkere Automatisierung der Fertigung, Prozessinnovationen und integrierte Lösungen, um auch vom Standort Deutschland aus wettbewerbsfähig zu bleiben.

Dies sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie mit dem Titel „Zukunftsperspektive deutscher Maschinenbau“, die der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und die Unternehmensberatung McKinsey & Company gemeinsam erstellt haben. An der Studie nahmen 333 Unternehmen aus allen Bereichen des Maschinen- und Anlagenbaus teil. Zum Teilnehmerkreis gehörten Unternehmen aller Größenklassen.

Zehn Erfolgsmuster

Aus der Befragung wurden zehn Erfolgsmuster der Maschinenbau-Industrie identifiziert. Für die einen ergibt sich Erfolg durch Größe, Innovationskraft und Internationalisierung, aber auch durch Fokussierung auf das Kerngeschäft und operative Exzellenz. Andere profitieren von den spezifischen Vorteilen als Lösungs- oder Komponentenanbieter, einem erfolgreichen Aftersales- und Servicegeschäft oder einer Premiumposition.

  • Unternehmensgröße bietet Chancen: Unternehmen mit zunehmender Größe werden schrittweise profitabler (durchschnittlich 2 – 3 Prozent) durch Professionalisierung und Internationalisierung.
  • Internationalisierung als wesentliche Wachstumsquelle (vs. Diversifizierung): Dabei sind globale Spieler durchschnittlich 2 Prozent profitabler als Exporteure
  • Operative Exzellenz als Grundvoraussetzung: Operative Champions sind 2 Prozent profitabler und wachsen 5 Prozent schneller, v.a. im Lösungsgeschäft
  • Stringenz im Geschäftsmodell unverzichtbar: Aufs Kerngeschäft fokussierte Unternehmen sind durchschnittlich 1 – 2 Prozent profitabler und wachsen durchschnittlich 3 – 4 Prozent schneller
  • Innovation als Kriterium für Wettbewerbsfähigkeit: 97 Prozent der deutschen Maschinenbau-Unternehmen fungieren als Innovationsführer oder frühe Folger
  • Premiumanbieter mit höherem Wachstum, aber ohne Profitabilitätsvorteil: Premium ist nur bei internationaler Wertschöpfung (über 50 Prozent) profitabler
  • Einzelmaschinen-/Komponentengeschäft profitabler (durchschnittlich 2 Prozent) als Lösungsanbieter, aber Lösungsanbieter wachsen schneller
  • Aftersales/Service mit Wachstumspotenzialen: Die Chance, geringere Profitabilität im traditionellen Geschäft auszugleichen
  • Branchenzugehörigkeit gibt den Takt  vor: Die durchschnittliche Profitabilität variiert von 3 Prozent bis 9 Prozent; profitable Branchen siind sehr wettbewerbsintensiv
  • Managementstruktur bedingt das Handeln: Extern geführte Unternehmen sind etwas profitabler, familiengeführte wachsen schneller

Sechs Handlungsfelder

Um auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben, werden in der Studie sechs Handlungsfelder zur Diskussion gestellt, die sich aus der Kombination der Erfolgsmuster mit den Trends ergeben:

  • Zielgerichtete Internationalisierungs- und Wachstumsstrategie, um die Chancen und Herausforderungen der Internationalisierung mit dem jeweils passenden Geschäftsmodell anzugehen;
  • Ausbau des Aftersales-/Servicegeschäfts durch integrierte, innovative Lösungsangebote und durch eine optimierte Servicenetzwerkstrategie, um die wachsende Bedeutung dieses Feldes Gewinn bringend zu nutzen;
  • Standardisierung und Modularisierung unter Wahrung kundenspezifischer Angebote sowie neuer Geschäftsmodelle, um der steigenden Nachfrage nach individuellen Systemlösungen effizient zu begegnen;
  • Kontinuierliche Optimierung des Produkt-/Portfoliowertes durch kundenwertorientierte Innovation und kontinuierliche Reduzierung der Produktkosten, um mit Wettbewerbern aus neuen Märkten Schritt zu halten;
  • Exzellenz insbesondere in der heimischen Wertschöpfung (z.B. Industrie 4.0), um die Qualitäts- und Produktivitätsvorteile des Standortes Deutschland zu erhalten;
  • Stringentes, risikodifferenziertes Projektmanagement im Lösungsgeschäft, um attraktive Margen zu sichern.

Konsequenter Ausbau der Standortbedingungen

„Die deutsche Maschinenbau-Industrie hat ihren Wettbewerbsvorteil durch konsequenten Ausbau der in ihrer eigenen Verantwortung stehenden Standortbedingungen erarbeitet, trotz der bestehenden Standortnachteile wie Lohnkosten, Steuern und Regelungsdichte“, sagte VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge bei der Vorstellung der Studie am Montag in Frankfurt. Der Trend zur Vernetzung von Produktionsprozessen im Rahmen von Industrie 4.0 biete eine herausragende Chance. Dadurch können die Technologie- und Logistikketten optimiert werden. Dies alles führe zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus und sichere damit auch die Beschäftigung in der Produktion, so Festge.

„Wir haben die Zukunft also selbst in der Hand, wenn wir weiterhin qualitativ bessere und wirtschaftlichere Maschinen bauen als der Wettbewerb oder eine Produktnische besetzen. Grundsätzlich müssen wir natürlich immer unsere Profitabilität gewährleisten.“, bilanzierte der VDMA-Präsident. Der Analyse zufolge sehen sich sehr viele Unternehmen als „Innovationsführer“ oder „frühe Innovationsfolger“, sechs von zehn siedeln ihr Angebot im Premiumsegment an. Eine Premiumpositionierung allein sei jedoch kein Erfolgsgarant, so Festge.

Die Studie steht unter vdma.org zum Download bereit.

Quelle: Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.