DGAW-Fachtagung zu Kunststoffabfällen in europäischen Gewässern

1375
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft e.V.

Berlin — Vor wenigen Tagen – am 27. Juni 2014 – veranstaltete die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft e.V. (DGAW) eine Fachtagung zum Thema „Kunststoffabfälle in europäischen Gewässern“. Die DGAW beschäftigt sich bereits seit längerer Zeit mit diesem Thema und hat sich unter anderem Ende 2013 an der EU-Konsultation über die Vermeidung von Abfällen im Meer beteiligt.

Einleitend stellte Dr. Kim Detloff, Leiter des Bereiches Meeresschutz beim NABU, die Aktivitäten seines Verbandes zum Schutz der Gewässer vor. Bei „Fishing for Litter“ geht es unter anderem darum, den Müllbeifang in der Fischerei fachgerecht zu entsorgen und nicht wieder ins Meer zurückzuwerfen. Im Zuge der Initiative werden die gefischten Abfälle analysiert, sodass Daten zur Belastung der Ostsee gewonnen werden können. Zuu bedenken gab Kim Detloff, dass bei Projekten zur Beseitigung von Meeresmüll auch immer darauf geachtet werden sollte, dass bereits in die maritime Lebenswelt eingebetteter Müll, wie etwa eine von Krebsen bewohnte Getränkedose, nicht entfernt werden sollte. Daher sieht er automatisierte Sammelsysteme durchaus kritisch.

Nach der Vorstellung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie sowie einem Ausblick auf die entsprechenden Richtlinien durch Stefanie Werner vom Umweltbundesamt ging Prof. Christian Laforsch, Lehrstuhlinhaber für Tierökologie an der Universität Bayreuth, auf die Sitation der Süßgewässer ein. Untersuchungen haben gezeigt, dass im Gardasee Kunststoffabfälle sowohl an der Oberfläche als auch im Sediment zu finden sind. Aktuell wird untersucht, inwieweit bayerische Flüsse und Seen sowie deren Sedimente mit Mikroplastik kontaminiert sind. Wie Christian Laforsch veranschaulichte, wäre ein alltägliches Leben ohne Kunststoffe zwar schwer möglich. Dennoch müsse in der Gesellschaft ein Gesinnungswandel herbeigeführt werden, um anders mit Kunststoffabfällen umzugehen. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Vermeidung der Einbringung von Mikroplastik in die Umwelt, denn neben den verheerenden Auswirkungen auf die Ökologie der Tierwelt sind die Langzeitauswirkungen für den Menschen bisher nicht absehbar.

Kunststoffabfälle interdisziplinär betrachten

Zum Abschluss kam Dr. Ingo Sartorius zu Wort, der bei PlasticsEurope Deutschland e.V. für den Bereich Kunststoff und Umwelt zuständig ist. Auch die Kunststoffhersteller sehen den Müll im Meer als große gesellschaftliche Herausforderung. Daher hat sich PlasticsEurope zum Ziel gesetzt, Aufklärung zu betreiben und Wissen über die Problematik zu vermitteln. Neben dem internationalen Wissensaustausch stehen vor allem Aktivitäten beim Kunststoffabfallmanagement vor Ort auf dem Programm. Hier stellt der Verband Abfallmanagementkonzepte vor und steht auch langfristig unterstützend zur Seite.

Die Tagung machte deutlich, dass das Thema Kunststoffabfälle in Gewässern interdisziplinär betrachtet werden muss und noch in vielen Bereichen – zum Beispiel den langfristigen Auswirkungen von Mikroplastik – maßgeblicher Forschungsbedarf besteht.

Plädoyer für Produktverantwortung

Im Anschluss an die Fachveranstaltung begrüßte Thomas Obermeier, Präsident der DGAW e.V., zur 25. DGAW-Mitgliederversammlung und ging mit nachdenklich stimmenden Worten auf die Situation der Dualen Systeme ein. Er verneinte die in letzter Zeit von manchen proklamierte fehlende Lenkungswirkung und plädierte eindringlich zur Beibehaltung und Ausweitung der Produktverantwortung. Die Bezahlung für Sammeln, Sortieren und Recyceln nach Menge und Art des individuellen Einkaufes sieht er als verursachergerechte Kostenumlage, die ein Gebührensystem nicht leisten kann.

Rückblick auf erfolgreiche Vereinsarbeit

Im Zusammenhang mit dem Finanzbericht betonte der DGAW-Präsident insbesondere seine Zufriedenheit mit der Mitgliederentwicklung des Vereins, der inzwischen 423 Mitglieder zählt. Ein Schwerpunkt seiner Darstellung war – neben dem 4. Wissenschaftskongress der DGAW – die für die DGAW sehr erfolgreich verlaufene IFAT 2014. Sowohl der DGAW- Gemeinschaftsstand, als auch die DGAW-Fachveranstaltung zum Thema „Recycling neuer Technologien“  hätten viel Lob und Zuspruch aus den Reihen der DGAW-Mitglieder und Messebesucher erhalten. Deshalb wird sich die DGAW auch auf der IFAT 2016 im gleichen Maße präsentieren und hat mit den Planungen bereits begonnen.

Im nächsten Jahr wird die DGAW auf ihr 25-jähriges Bestehen zurückblicken, was am 19. Juni 2015 mit allen Mitgliedern, Freunden und Wegbegleitern der DGAW gefeiert werden soll.

Quelle:  Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft e.V. (DGAW)