ifo Konjunkturprognose 2014/2015: Deutscher Aufschwung setzt sich fort

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Quelle: ifo-Institut

München — Der Aufschwung in Deutschland setzt sich fort. In diesem Jahr dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt um 2,0 Prozent und im kommenden Jahr um 2,2 Prozent zulegen. Getragen wird der Aufschwung wie schon im vergangenen Jahr von der Binnenkonjunktur. Die Investitionen in neue Ausrüstungen werden beschleunigt expandieren, die hohe Auslastung der Produktionskapazitäten macht Ersatzbeschaffungen und Erweiterungsinvestitionen erforderlich. Auch die Bauinvestitionen werden weiter merklich steigen; hier wirken das Misstrauen gegenüber Auslandsanlagen und das niedrige Zinsniveau als Turbo. Die Exporte legen beschleunigt zu, da sich die Weltkonjunktur verbessert. Noch stärker aber werden die Importe aufgrund der hohen binnenwirtschaftlichen Dynamik steigen, meldet die neueste  Konjunkturprognose des ifo Instituts.

Euroraum hat die Rezession verlassen

Die  weltwirtschaftliche  Expansion  hat  seit  dem  Sommer  2013  etwas  an Dynamik gewonnen. Maßgeblich hierfür war die Entwicklung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften. So gewann die Erholung in den USA, in Großbritannien und Japan an Fahrt, während der Euroraum die fast zwei Jahre anhaltende Rezession verließ. Die Schwellenländer verzeichneten zwar weiterhin höhere Zuwachsraten als die fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Jedoch blieb hier die konjunkturelle Dynamik im historischen Vergleich verhältnismäßig  gering  und  schwächte  sich  mancherorts  seit  dem  Sommer 2013 sogar ab.

Globales  Expansionstempo moderat

Im Prognosezeitraum dürfte sich das globale Expansionstempo moderat beschleunigen. Die Impulse dafür werden wohl vor allem aus den fortgeschrittenen Volkswirtschaften kommen. In den USA wird sich die konjunkturelle  Dynamik erhöhen,  die von  einer  verbesserten Vermögenssituation der Haushalte und Unternehmen, einer zunehmenden Aufhellung auf dem Arbeits- und Immobilienmarkt und einer expansiven Geldpolitik getragen wird. Die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum wird zwar weiterhin unter der Last der nur langsam und mühselig zu lösenden Strukturprobleme leiden, die in mehreren Mitgliedsländern noch immer präsent sind. Dennoch wird sich die Erholung der gesamtwirtschaftlichen Aktivität temporär festigen, auch wenn erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedsländern fortbestehen.

Deutschland soll deutlich stärker zulegen

Insbesondere Deutschland dürfte im Prognosezeitraum erneut deutlich stärker zulegen als der Durchschnitt des Euroraums, während Frankreich und Italien wohl eine vergleichsweise geringe wirtschaftliche Dynamik entfalten werden. Etwas positiver als zuvor stellt sich die Situation in den Krisenländern Irland, Portugal und Spanien dar, obgleich die wirtschaftliche Lage anhaltend fragil ist. In Griechenland lässt die Erholung noch etwas länger auf sich warten. Die   mehrjährige Rezession könnte im kommenden Jahr überwunden werden.

Schwellenländern mit höherem Zuwachs

Das Expansionstempo in den  aufstrebenden Volkswirtschaften wird sich im Prognosezeitraum kaum verstärken. Zwar werden diese von der zunehmenden konjunkturellen Dynamik in wichtigen Industrieländern profitieren. Zugleich jedoch dürften die vor allem in den USA langsam anziehenden Langfristzinsen eine zunehmende Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen für die Schwellenländer nach sich ziehen. Die gesamtwirtschaftliche Produktion wird in den Schwellenländern auch im Prognosezeitraum mehr als doppelt so schnell zulegen wie jene in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Lediglich Russland dürfte im laufenden Jahr eine konjunkturelle Flaute durchlaufen. Alles in allem dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion in der Welt in diesem Jahr mit 2,9 Prozent und im nächsten Jahr mit 3,3 Prozent zunehmen.

Riskante Lage im Euroraum

Ein Hauptrisiko für die Weltkonjunktur stellt nach wie vor die fragile Lage im Euroraum dar. Trotz der Reformmaßnahmen, die mehrere Mitgliedsländer in der jüngsten Vergangenheit eingeleitet haben, ist der Anpassungsprozess noch lange nicht abgeschlossen. Vielmehr sind viele dieser Länder noch immer viel zu  teuer,  um  wettbewerbsfähig  sein  zu  können.  Jederzeit  können  wieder, ähnlich  wie  in  den  vergangenen  drei  Jahren,  krisenhafte  Verwerfungen auftreten.

Unsicherheit durch Russland-Ukraine-Konflikt

Schließlich gehen geopolitische Risiken vom andauernden russisch- ukrainischen Konflikt und dem jüngst im Irak ausgebrochenen Konflikt aus. So könnte eine Eskalation des Konflikts mit der Ukraine zu einer Spirale gegenseitiger Sanktionen zwischen Russland und dem Westen führen.  Der Bürgerkrieg im Irak könnte weite Teile des Nahen Ostens politisch destabilisieren. Da diese Region zu den wichtigsten Erdölproduzenten gehört, könnten Verwerfungen dort zu einem scharfen Anstieg der Ölpreise führen und somit die globale Konjunkturdynamik verlangsamen.

Deutsche Wirtschaft legte dynamisch zu

Im ersten Quartal 2014 hat die gesamtwirtschaftliche Produktion in Deutschland saisonbereinigt mit einer Rate von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal sehr dynamisch zugelegt. Der Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal 2014 geht allein auf die Binnennachfrage zurück: Die Investitionen in Aus-rüstungen stiegen bei hoher Kapazitätsauslastung und günstigen Ertrags- und Finanzierungsbedingungen um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Hier ist die konjunkturelle Wende endgültig geschafft. Noch etwas dynamischer legten die Bauinvestitionen mit 3,6 Prozent zu, wozu allerdings auch das außergewöhnliche milde und trockene Winterwetter beigetragen hat.

2,2 Prozent mehr importiert

Der private Konsum expandierte real um 0,7 Prozent, befördert von der Zunahme der Beschäftigung und auch von einem leichten Rückgang der Sparquote. Der Außenhandel hat nach der Jahreswende für sich genommen  einen negativen Beitrag zur Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts geliefert. Während die Exporte nur um 0,2 Prozent gestiegen  sind,  wurde  vor  dem  Hintergrund  der  lebhaften  Binnennachfrage sogar um 2,2 Prozent mehr importiert. Man darf aber nicht übersehen, dass dieser Effekt nur das Spiegelbild einer  leichten Verminderung des Nettokapitalexports und eines Mehr an Investitionen in Deutschland ist, die für sich genommen günstige Nachfrage- und Angebotseffekte auf das deutsche Wachstum haben.

Konjunkturindikatoren hielten ihr hohes Niveau

Zwar konnten die wichtigsten Konjunkturindikatoren ihr hohes Niveau in den vergangenen Monaten halten; allerdings blieb ein weiterer Anstieg, wie er noch zu  Jahresbeginn  beobachtet  werden  konnte,  aus.  Die  jüngsten  Rückgänge beim ifo Geschäftsklimaindex dürften vor allem auf eine erhöhte Unsicherheit deutscher Industrieunternehmen im Zusammenhang mit dem russisch- ukrainischen Konflikt zurückzuführen sein. Da zudem die Frühjahrsbelebung dieses Jahr aufgrund des milden Winters besonders schwach ausfiel, hat die gesamtwirtschaftliche Produktion im zweiten Quartal mit lediglich 0,3 Prozent wohl deutlich weniger schwungvoll expandiert als im Vorquartal.

Grundtendenz deutlich nach oben gerichtet

Im weiteren Prognosezeitraum wird die konjunkturelle Grundtendenz deutlich nach oben gerichtet bleiben und sich der Aufschwung fortsetzen. Wenn sich die derzeitigen geopolitischen Risiken – wie in dieser Prognose unterstellt – nicht materialisieren, sind die Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft weiter günstig. Die Geldpolitik wirkt weiter expansiv, das Zinsniveau bleibt historisch
niedrig und der Bauboom ist ungebrochen. Auch die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen sind extrem vorteilhaft. Von der Finanz- und Sozialpolitik gehen expansive prozyklische Impulse aus. Die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte sind demnach intakt. Die Investitionen in neue Ausrüstungen werden beschleunigt expandieren, die hohe Auslastung der Produktionskapazitäten macht Ersatzbeschaffungen und Erweiterungsinvestitionen erforderlich.  Zudem werden die Bauinvestitionen weiter merklich steigen. Insgesamt dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 2,0 Prozent und im kommenden Jahr um 2,2 Prozent expandieren

Die vollständige ifo-Konjunkturprognose kann über cesifo-group.de aufgerufen und heruntergeladen oder unter presseabteilung@ifo.de angefordert werden.

Quelle: ifo Institut