Die Digitalisierung im Mittelstand liegt in der Kunststoffbranche noch weit zurück

1004
Foto: © KI – Kunststoff Information

Unter dem Motto: „Erfolgsfaktor Digitalisierung – Impulse für Beschaffung, Produktion, Management“ fand der inzwischen dritte KI Group Summit auf der Fakuma in Friedrichshafen statt. Sechs Experten aus verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette sprachen am zweiten Messetag über Ihre Erfahrungen und Ansätze aus dem Bereich der Digitalisierung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg.

Bettina Schall, Geschäftsführerin P.E. Schall GmbH & Co. KG begrüßte mehr als 150 Teilnehmer des Summits. Andreas Hertsch, Geschäftsführer KI Group führte durch die gut vierstündige Veranstaltung. Chris Willmanns, Leiter Digitalisierung und Innovation Iskander Business Partner, stellte die Ergebnisse einer Studie der Beratungsgesellschaft vor: „Betriebe mit hohem Digitalisierungsgrad generieren höhere Umsätze und Gewinne als Betriebe mit erheblichem Nachholbedarf.“ Im Rahmen der Studie stellten die Vertreter der Iskander Business Partner zudem fest, dass der deutsche Mittelstand in Sachen Digitalisierung besser aufgestellt ist, als vermutet. Jeder vierte Teilnehmer sei in einer guten Ausgangsposition.

Prof. Dr. Martin Bastian, Leiter des SKZ – Das Kunststoff-Zentrum, sah die Ergebnisse eher kritisch im Hinblick auf die Kunststoffbranche. Seiner Einschätzung nach liegt der Anteil der Vorreiter, die digitale Prozesse in die Produktionsplanung einbeziehen, bei lediglich einem Prozent. Um ein Vorbild und eine Inspiration für mittelständische Unternehmen zu schaffen, plant das SKZ die Errichtung einer Modellfabrik, in der smarte Lösungen für Spritzgießen, Additive Fertigung, Automatisierung, Fügen, Qualitätssicherung und Wissenstransfer genutzt und weiterentwickelt werden.

Nicht nur ein Trendthema

Dr. Holger Ruckdäschel, Head of Digital Innovation bei BASF Performance Materials, betonte die Wichtigkeit, bei der Entwicklung digitaler Geschäftsprozesse sowohl Kunden, Lieferanten als auch Partner mit einzubinden. Das stetige Feedback fließt in die Prozessfindung bei BASF ein. In diesem Zusammenhang berichtete er über ein praktisches Logistik-Projekt, bei welchem wiederverwendbare Paletten mittels Sensoren vernetzt werden. Verschiedene Werte wie Temperatur oder Lagerplatzierung können innerhalb der Lieferkette jederzeit abgerufen werden und ermöglichen die Überwachung von Qualitäten, Auffüllungsnotwendigkeiten oder Ähnlichem in Echtzeit.

Klaus Hilmer, Leiter Technologieentwicklung und Werkzeugbau Festo Polymer GmbH, berichtete über die Erfahrungen bei der Umsetzung einer smarten Spritzgießfertigung. Das Ziel hinter dem smarten Prozess: Es muss ständig Mehrwert erarbeitet werden. Um dies zu erreichen muss klar sein, welche Schritte einen solchen generieren und nicht als reiner Showcase fungieren. Die Analyse der in immer größerem Umfang anfallenden Daten, bietet schon heute einen echten Zusatznutzen, aber eine wirkliche Big-Data-Auswertung fehle noch, so Hilmer. Er rechnet jedoch mit einer einheitlichen Software zur „Schwarmsteuerung“ innerhalb der nächsten fünf Jahre.

Einen Zusammenhang zwischen Wettbewerbsposition und zunehmender Digitalisierung im Werkzeugbau stellte Dr. Raphael Rohde, Unit Tools and Parts – Technologiemanager Phoenix Contact GmbH & Co. KG, in seinem Vortrag her. Daten erfassen, normalisieren und auswerten seien die Voraussetzungen, um weltweite, automatisierte Aktionen und Reaktionen zur Steuerung der Fertigung standortübergreifend einzusetzen. Letztlich entscheide das digitale System über die notwendigen Konfigurationen zur Anpassung der Fertigung.

Den Abschluss der Expertenrunde bildete der international tätige Berater und Interimsmanager Dr. Arno Rogalla, Inhaber und Geschäftsführer bei Rogalla Consulting. In seinem Vortrag „Künstliche Intelligenz (KI) und Digitalisierung“ wies er unter anderem auf die Entwicklungsgeschwindigkeit der Digitalisierung in China hin. Das setze europäische Verarbeiter unter zunehmenden Druck. Die Innovationsgeschwindigkeit müsse sich beschleunigen, mahnte Rogalla. Offenheit für Vernetzungen sowie Qualifizierung und Motivation der Mitarbeiter seien dafür unabdingbare Voraussetzungen.

Es zeigte sich, dass Digitalisierung nicht nur ein Trendthema ist, sondern für viele Unternehmen in der Kunststoffindustrie bereits in der täglichen Praxis Anwendung findet und erste Erfolge verzeichnet, zum Beispiel in Form von Effizienz- und Ergebniszuwächsen.

Quelle: KI Group