Bundesgütegemeinschaft Recycling-Baustoffe: Kommt die Mantelverordnung?

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Quelle: Bundesgütegemeinschaft Recycling-Baustoffe e.V.

Berlin — Anlässlich ihres 30jährigen Bestehens veranstaltete die Bundesgütegemeinschaft Recycling-Baustoffe (BGRB) am 20. Mai 2014 ihren diesjährigen Baustoffrecycling-Kongress auf dem Petersberg bei Bonn. In seiner Begrüßungsansprache betonte der Staatssekretär im Bundesverkehrs- und Infrastrukturministerium Rainer Bomba die Bedeutung der Ressourcenschonung auch im Hinblick auf die drohende Rohstoffknappheit. Vor dem Hintergrund der anstehenden Bauaufgaben für den Erhalt und die Modernisierung des ca. 53.000 km langen Bundesfernstraßennetzes müsse auch hier eine Kreislaufwirtschaft durch Recycling und Wiederverwertung mineralischer Abfälle das vorrangige Ziel sein. Hierbei wolle man gemeinsam mit den Wirtschaftsverbänden für eine Akzeptanz von Recyclingbaustoffen werben, so Bomba.

10 Milliarden Tonnen in Bauwerken gebunden

Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes Dr. Hans-Hartwig Loewenstein wies darauf hin, dass rund zehn 10 Milliarden Tonnen mineralischer Baustoffe in deutschen Bauwerken gebunden sind. Dieses Potential mineralischer Rohstoffe müsse im Sinne einer Kreislaufwirtschaft am Ende des Lebenszyklus eines Bauwerks wieder genutzt werden. Vor dem Hintergrund von ca. 40 Milliarden Euro Investitionsstau bei der Verkehrsinfrastruktur stünden insbesondere die öffentlichen Auftraggeber in der Pflicht, Abbruchmassen und Bodenaushub einer Wiederverwertung zuzuführen.

Die Umweltqualität der Recyclingbaustoffe sei wesentlich von der Qualität des Inputmaterials abhängig, betonte Loewenstein. In der heutigen Praxis werde die Verantwortung für die Umweltverträglich der Recycling-Baustoffe den Recycling-Unternehmen aufgebürdet, obwohl diese die Inputqualität nur bedingt beeinflussen können. Deshalb sehe er insbesondere auch die öffentlichen Auftraggeber in der Pflicht, bereits im Vorfeld durch Untersuchungen der Bauwerke belastetes Abbruchmaterial zu erkennen und im Sinne einer hohen Inputqualität gesondert zu entsorgen.

Für die EU-Kommission erläuterte Gunther Wolff den europäischen Fahrplan für mehr Ressourceneffizienz. Aus Sicht der EU-Kommission gelte es, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Dabei seien Recycling und Verwertung mineralischer Abfälle zu maximieren sowie die Deponierung zu minimieren. Aus Sicht der EU-Kommission sei die Kreislaufwirtschaft Bau in Deutschland im EU-weiten Vergleich hervorragend aufgestellt.

Mantelverordnung ist eine prioritäre Aufgabe

Der Leiter der neuen Arbeitsgruppe Mantelverordnung im Bundesumwelt- und Bauministerium, Dr. Michael Paul, informierte, dass die Mantelverordnung aus Sicht der Bundesregierung zu den prioritären Aufgaben dieser Legislaturperiode zählt. Durch die Zusammenführung der Bereiche Bauen und Umwelt in ein Ministerium bestünde die Chance, die Verordnung unter Berücksichtigung beider Interessenlagen nunmehr erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Kernpunkt der Verordnung müsse ein wissenschaftlich plausibles und nachvollziehbares Schutzkonzept seien. Dr. Paul betonte, dass bei Zielkonflikten jedoch der Schutz von Umwelt und Gesundheit Vorrang vor einer Maximierung von Verwertungsquoten haben müsse.

In der anschließenden Diskussion wurde Kritik an dem bisherigen Konzept der Mantelverordnung laut und insbesondere und mehr Transparenz bezüglich der wissenschaftlichen Ableitung von Materialwerten gefordert. Dr. Paul sagte einen Dialog der Arbeitsgruppe Mantelverordnung mit den Bau- und Baustoffrecycling-Verbänden zu.

Recycling-Baustoffe müssen Vorrang genießen

Der Vorsitzende der Bundesgütegemeinschaft Recyclingbaustoffe, Wolfgang Türlings, wurde bei den turnusmäßigen Vorstandswahlen in seinem Amt bestätigt. Er führt den Vorsitz der BGRB seit Herbst 2004 und ist Geschäftsführer mehrerer Baustoffrecycling-Unternehmen.

Anlässlich seiner Wiederwahl forderte Wolfgang Türlings, dass öffentliche Auftraggeber ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und gütegesicherten Recycling-Baustoffen den Vorrang vor Primärbaustoffen einräumen müssten. Die sinkende Akzeptanz von Recycling-Baustoffen insbesondere bei kommunalen Auftraggebern sei auf diskriminierende und bürokratische Regelungen zurückzuführen. Man werde die Mantelverordnung auch zukünftig dahingehend kritisch begleiten, dass praktikable Regelungen für die Verwertung von Recycling-Baustoffen geschaffen werden müssen. Um die Akzeptanz zu steigern müsse endlich der Produktstatus für gütegesicherte Recycling-Baustoffe geregelt werden, so Türlings.

Quelle: Bundesgütegemeinschaft Recycling-Baustoffe e.V.