Eskalation zwischen USA und Türkei belastet die Schrottmärkte

982
Schrott-Verladung auf Binnenschiff (Foto: Michael Gaida / Pixabay)

Die Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und der Türkei könnte die Schrottmärkte enorm belasten, denn die Marktteilnehmer sind extrem verunsichert. Wie der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. am Wochenende aus türkischen Kreisen erfahren hat, haben die Stahlwerke sämtliche Aktivitäten vorerst gestoppt.

Seit Präsident Erdogan im Mai deutlich gemacht hat, dass er die Geldpolitik stärker kontrollieren wird, ist das Vertrauen in die türkische Wirtschaft stetig gesunken. Nachdem der Präsident dann auch noch seinem Schwiegersohn die Finanzpolitik des Landes anvertraut hat, statt dem erwarteten Fachmann das Amt zu übertragen, beschleunigte sich der Kursverfall der Türkischen Lira. Die türkische Zentralbank reagierte nicht beziehungsweise verhalten, was das Vertrauen der Anleger und Wirtschaftsbeteiligten weiter untergrub.

Außer Kontrolle geriet der Lira-Kurs dann letztendlich durch einen Tweet des US-Präsidenten, der eine Verdoppelung der Zölle auf türkische Aluminium- und Stahleinfuhren auf 20 beziehungsweise 50 Prozent angekündigte. Er begründete seine Entscheidung mit der Gefährdung der inneren Sicherheit der USA (Section 232); und der Begriff der inneren Sicherheit scheint in den USA recht dehnbar zu sein. Die Zölle sind zwar erst seit 13. August  in Kraft. Die betroffenen Märkte gerieten jedoch schon vorher unter Druck.

Im Markt wird sich ein Gleichgewicht einstellen

In den kommenden Tagen wird sich zeigen, mit welchen Risikoaufschlägen bei den türkischen Banken zu rechnen ist. Die Bedenken hinsichtlich der Stabilität des türkischen Bankensystems könnte die Anzahl der Tiefseeangebote durchaus reduzieren. Die Frage nach der sicheren Bezahlung stellt sich auch, weil der Währungsverfall die Schrottimporte für die türkischen Werke erheblich verteuert. Auf der Lieferantenseite kann ein bereits leicht reduzierter Schrottbedarf der türkischen Werke erheblichen Druck auf die Preise in den jeweiligen Lieferländern verursachen.

So ist die Europäische Union der wichtigste Schrotthandelspartner der türkischen Stahlwerke. Im ersten Halbjahr 2018 importierten diese laut SteelData 10,77 Millionen Tonnen Schrott aus Drittländern gegenüber 9,33 Millionen Tonnen im ersten Halbjahr 2017. Die eingeführten Mengen aus der EU stiegen von 6,04 Millionen Tonnen auf 6,84 Millionen Tonnen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Dennoch wird sich im Markt ein Gleichgewicht einstellen. Der im Moment noch hohe Bedarf in der weltweiten Stahlindustrie könnte möglicherweise die derzeit nur vermuteten Auswirkungen auf die türkischen Werke irgendwie abfedern. Wie hoch die Preisschwankungen sein werden, ist Spekulation.

Quelle: Birgit Guschall-Jaik/bvse