RAL-Gütesicherung für die Kühlgeräte-Rückproduktion neu aufgelegt

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Ausrangierte Kühlschränke (Foto: ©Karl-Heinz Laube / http://www.pixelio.de)

Das RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. in Bonn hat die Güte- und Prüfbestimmungen RAL-GZ 728 neu aufgelegt und auf den aktuellsten Stand der Erkenntnisse gebracht. Dabei sind der Veröffentlichung der neuen DIN EN 50625-2-3 und der entsprechenden Technischen Spezifikation DIN CLC/TS 50625-3-4 Rechnung getragen.

Über diese Cenelec-Minimum-Standards hinaus, die nun vollumfänglich in die Gütesicherung integriert wurden, wurden das CO2-Tool „RAL-CO2OL-Print“ und die  „Produktpotential-Berechnungsmethode“ in den Anforderungskatalog der neuen RAL-Gütesicherung mit aufgenommen.

RAL Gütezeichen werden seit über 90 Jahren für besonders hochwertige Produkte und Leistungen vergeben – nach objektiven Kriterien und neutral. Als einzige Vergabestelle für Gütezeichen in Deutschland legt RAL für jede Produkt- und Leistungsgruppe die Anforderungen für das jeweilige RAL Gütezeichen fest. Dabei bezieht RAL Hersteller und Anbieter, Handel und Verbraucher, Prüfinstitute und Behörden ein. Anschließend veröffentlicht RAL die produkt- und leistungsspezifischen Qualitätskriterien und macht sie so der Öffentlichkeit zugänglich. Bereits 1998 hat der RAL den weltweit ersten Standard für die Rückproduktion von Kühlgeräten veröffentlicht.

Um dem RAL-Anspruch, Gütesicherungen stets auf dem neuesten Stand zu halten gerecht zu werden, wurde unter Einbeziehung aller relevanten deutschen Fach- und Verkehrskreise nun ein Update der RAL-GZ 728 in der Neufassung vom Juli 2018 aufgelegt. Und der RAL wäre nicht RAL, würde er nicht zusätzlich zu dem nun integrierten Mindeststandard (DIN EN 50625-2-3 und DIN CLC/TS 50625-3-4) weitere Elemente für Klimaschutz und nachhaltige Kreislaufwirtschaft mit einbeziehen. Das ist mit der Berücksichtigung der CO2-Berechnungsmethode RAL-CO2OL-Print und der Produktpotential-Methode erfolgt.

RAL-CO2OL-Print – klimarelevant

Bei der Ermittlung der vermiedenen CO2-Emmissionen in den Behandlungsanlagen für Altgeräte werden alle direkten und indirekten FCKW- und KW-Rückgewinnungsmengen einerseits, andererseits aber auch eventuelle Emissionen von klimaschädlichen Treibhausgasen bei der Rückproduktion von Kühlgeräten mit einbezogen und als CO2-Äquivalente ausgewiesen. Grundlage der RAL CO2OL-Print-Berechnungen ist ein konsequentes Monitoring der Kühlgeräte-Rückproduzenten auf Basis der Cenelec-Norm EN 50574:2012 und der RAL-Gütesicherung RAL-GZ 728. Konsequent angewendet, werden entsprechend dieser Regelwerke Geräte-Input- und Produkt-Output-Ströme der Anlagen täglich aufgezeichnet und ausgewertet.

Nur wenn alle in die eingehenden Anlagen verbrachten Gerätemassen, deren Verteilung entsprechend Gerätetyp und deren Art der verwendeten Kälte- und Treibmittel sowie alle ausgetragenen Materialien-Massen tagesaktuell ermittelt werden, können die Anforderungen der EN-Norm 50574:2012, der TS EN 50574-2:2014 und der RAL-GZ 728 in der Praxis erfüllt werden. Das ist dann auch gleichzeitig eine wichtige Grundlage für die Ermittlung der RAL-CO2OL-Print-Eckdaten bei den Rückproduzenten:

  • Ermittlung der klimarelevanten Produkte (in erster Linie FCKW, KW, Kunststoffe, Metalle, Kälteöle, Kompressoren) im Output der Anlagen.
  • Ermittlung der Massen klimarelevanter Produkte pro Zeiteinheit (Monat, Quartal, Halbjahr, Jahr).
  • Berechnung der CO2-Äquivalente pro Zeiteinheit.
  • Ermittlung der CO2-Emissions-Stellen (z.B. FCKW – Emissionen, Energieverbrauch bei Transport und Rückproduktion).

Die Berechnung des individuellen Carbon Footprint des Rückproduzenten erfolgt neutral durch RAL, unter Berücksichtigung der bekannten Normen (z. B. DIN ISO 14067) und Standards (z. B. VCS Standard ODS Recovery). Das RAL-CO2OL-Print Tool geht ins Detail und berechnet neutral, transparent und lückenlos alle echten CO2-Äquivalente. Werden etwa weniger FCKW rückgewonnen als gemäß den Standardvorgaben erforderlich, zeigt sich das letztlich auch an einer geringeren CO2-Einsparung.

Die Produktpotential-Methode – Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft

Mit der Einbeziehung der Produktpotential-Berechnung in die Prüfung von Kühlgeräte-Rückproduktions-Anlagen wird für diesen Bereich der Elektroaltgeräte-Behandlung absolutes Neuland betreten. Traditionell werden Recyclinganlagen anhand von Recycling- und Verwertungsquoten bewertet. Bei dieser Vorgehensweise werden ausschließlich die Input-Ströme berücksichtigt, also das was zum Beispiel durch die Sammlung im Recyclingcenter oder in Betrieben bei den Recyclingunternehmen ankommt. Verunreinigungen und Fehlwürfe bleiben hier unberücksichtigt, weshalb in der Regel Verwertungsquoten größer 90 Prozent angegeben werden.

Die im Rahmen eines staatlichen Projektes des Landes Luxemburg entwickelte Produktpotential-Berechnung orientiert sich aber am tatsächlichen Output der Recyclinganlagen, also an dem was beim Rückproduktions-Prozess am Ende tatsächlich an neuen Rohstoffen entsteht. Somit wurde ein Ressourcenindikator geschaffen, der die Rückproduktionsanlagen in die Lage versetzt, die effektiven Mengen an rückgewonnenen Rohstoffen sowie des energetisch genutzten Anteils aufzuzeigen. Damit wird das Ressourcenpotential zur Einsparung von Primärressourcen auch für den Konsumenten anschaulich gemacht.

Diese Veranschaulichung erfolgt mit den gewohnten Ampelfarben: grün steht für das Rohstoffpotential – der Wiedereinsatz oder die Rückgewinnung neuer Rohstoffe, also das, was als Ziel angestrebt wird. Gelb steht für energetische Verwertung und rot für Deponierung, thermische Zerstörung oder Verluste.

Verwerter/Rückproduzenten können für ihre Prozesse ausgezeichnet werden, wenn die nach der Norm ISO 14024 zertifizierten Produktpotential-Vorgaben sowie weitere Prüfkriterien erfüllt sind. Grundvoraussetzung einer Zertifizierung ist selbstverständlich das Vorhandensein sämtlicher notwendiger Genehmigungen, absolute Transparenz in den Stoffströmen sowie ein sauberer und ordentlicher Betrieb. Gewollter Nebeneffekt bei der Kühlgeräte-Rückproduktion ist, dass mit der Zertifizierung nach der Produktpotential-Methode auch ein Nachweis darüber gebracht wird, ob die gesetzlich geforderten Recycling- und Verwertungsquoten der WEEE-Direktive und ihrer entsprechenden Ländergesetze eingehalten werden.

Quelle: RAL-Gütegemeinschaft Rückproduktion von Kühlgeräten e.V.