Aktivkohle aus Laub: Uni Kassel koordiniert neues Forschungsprojekt

710
Laub oder Landschaftspflegematerial müssen nicht unbedingt kompostiert werden (Foto: Reinhard Weikert / abfallbild.de)

Aktivkohle wird für die Abwasserreinigung, Trinkwasseraufbereitung und viele weitere Zwecke genutzt.

Die Universität Kassel koordiniert seit Juli 2018 ein neues Verbundprojekt. Die Forscher des Projekts CoAct wollen im Raum Friedrichshafen Laub und andere Rest-Biomassen in Aktivkohle und Brennstoffe umwandeln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt mit zwei Millionen Euro im Rahmen der Fördermaßnahme „Stadt-Land-Plus“.

Laub oder Grasschnitt müssen nicht unbedingt kompostiert werden. „CoAct“ entwickelt technische Verfahren, um aus solchen sogenannten Rest-Biomassen Aktivkohle und Energie zu gewinnen. Aktivkohle wird für die Abwasserreinigung, Trinkwasseraufbereitung und viele weitere Zwecke genutzt.

Impulse für die nachhaltige Nutzung von Ressourcen

Die Wissenschaftler des Projekts arbeiten an einem Konzept, um dieses Prinzip im Baden-Württembergischen Friedrichshafen und im umliegenden Bodenseekreis umzusetzen. Dabei werden lokale Landwirte zum Beispiel Obstbaumschnittgut zur Energie- und Aktivkohlegewinnung zur Verfügung stellen. Die gewonnenen Produkte sollen der regionalen Wirtschaft zugutekommen, das Klima schonen und die Wasserqualität verbessern. „Diese zukunftsorientierten Arbeiten eröffnen der Landwirtschaft neue Einkommensquellen und geben Impulse für die nachhaltige Nutzung von Ressourcen“, sagt Prof. Dr. Michael Wachendorf vom Fachgebiet Grünlandwissenschaft und Nachwachsende Rohstoffe der Universität Kassel und Leiter des Projekts CoAct.

Ihre Klimaschutzziele zu erreichen, sei eine Herausforderung für Kommunen wie Friedrichshafen. Dafür müsse man mehr fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energieträger ersetzen, so der Agrarwissenschaftler. Rest-Biomassen wie Laub oder Landschaftspflegematerial würden dafür bislang kaum verwendet, was Kommunen neue Möglichkeiten biete. Und nicht nur technische Verfahren stehen bei CoAct im Vordergrund: Untersucht werden außerdem die wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen. Auch die rechtlichen Voraussetzungen dafür werden geprüft.

Neben der Universität Kassel, die mit den Fachgebieten Grünlandwissenschaft und Nachwachsende Rohstoffe und Öffentliches Recht, Umwelt- und Technikrecht sowie dem Kompetenzzentrum für Klimaschutz und Klimaanpassung (CliMA) beteiligt ist, wirken an dem Projekt das ifeu – Institut für Energie und Umwelt (Heidelberg), das Institut für ländliche Strukturentwicklung (Frankfurt), das DVGW-Technologiezentrum Wasser (Karlsruhe), die Bodensee-Stiftung (Radolfszell), die Firma Krieg und Fischer (Göttingen), die Firma Pyreg (Dörth) sowie die Stadt Friedrichshafen und der Bodenseekreis mit.

Ziel der BMBF-Fördermaßnahme „Stadt-Land-Plus“ ist es, durch Stärkung der Stadt-Land-Beziehungen eine integrierte nachhaltige Entwicklung von Regionen zu erreichen.

Quelle: Universität Kassel