Bundesumweltministerin Svenja Schulze besuchte Accurec Recycling

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Sammeltonnen für gebrauchte Lithiumbatterien (Foto: Harald Heinritz / abfallbild.de)

Neben einer Besichtigung des Standorts Krefeld wurden wesentliche Fragen des Batterierecyclingmarktes diskutiert. Dr. Reiner Weyhe, Geschäftsführender Gesellschafter Accurec Recycling GmbH, nutzte die Gelegenheit und berichtete nicht nur stolz von der bemerkenswerten Firmengeschichte, sondern gab der Ministerin auch einige Hausaufgaben mit.

Nach Aussage von Dr. Weyhe ist die Rücklaufquote für moderne Haushaltsakkumulatoren in Deutschland deutlich geringer als 40 Prozent. Unternehmen wie Accurec, die zweistellige Millionenbeträge investiert haben, seien angewiesen auf eine hohe Auslastung ihrer Anlagen. Deshalb wurde der Vorschlag unterbreitet, finanzielle Anreize für den Rücklauf einzuführen. „Die Sammelquote ließe sich dann besonders anheben, wenn ähnlich wie bei Autobatterien eine Bepfandung eingeführt würde“, sagte Rainer Weyhe insbesondere mit Blick auf die sehr werthaltigen Li-Ionen-Zellen.

Accurec betreibt am Standort Mülheim an der Ruhr eigens entwickelte Vakuumdestillationsöfen zur Entcadmierung von Nickel-Cadmium Batterien – thermische Behandlungsanlagen. Das Cadmium wird sicher abdestilliert und die industriellen Wertstoffe werden wieder dem Wirtschaftskreislauf zugeführt. Auch die moderneren Nickel-Metallhydrid Akkus werden mithilfe dieser Technologie verwertet.

Herausforderung: Lithium-Ionen-Batterien

Seit fünf Jahren widmet sich Accurec zunehmend den Herausforderungen verbrauchter Lithium-Ionen-Batterien am Standort Krefeld und hat hierzu bereits zehn Millionen  Euro investiert. Etwa 50.000 Tonnen Lithium-Ionen-Batterien werden bereits heute jährlich in Europa in Haushaltsprodukten verkauft. 2025 könnten es EU-weit 150.000 Tonnen sein.

Lithium-Ionen-Akkumulatoren treffen auch im Tätigkeitsfeld des Recyclings auf enorme Herausforderungen: Einerseits enthalten sie in hohem Maße kritische Rohstoffe wie Cobalt, Graphit und Lithium sowie Industriemetalle wie Kupfer und Nickel. Andererseits ist ihre Sammlung und Verwertung durch den hohen Energieinhalt, reaktive Alkalimetalle und hochentzündliche Elektrolyte mit enormen Problemen verbunden.

Das in einem Forschungsprojekt des Bundesumweltministeriums in Kooperation mit der Technischen Hochschule Aachen entwickelte EcoBatRec-Verfahren bietet bereits heute die Verwertungsmöglichkeit für 2.000 Tonnen Lithium-Ionen-Batterien. Die Akkumulatoren werden klassifiziert, sortiert, gegebenenfalls demontiert und in der thermischen Behandlungsanlage der Currenta GmbH in Leverkusen von organischen Bestandteilen befreit. Accurec erhält inerte Batteriezellen zurück. In einem aufwändigen mechanischen Prozess werden Kupfer, Aluminium, Stahl und Nickel-Cobalt-Konzentrat zurück gewonnen. Das Gesamtverfahren zeichnet sich durch hohe Sicherheit und hohe Recyclingeffizienz  aus.

Augenmerk der nächsten Entwicklungsstufe ist die verbesserte Rückgewinnungsbandbreite, um auch kritische Rohstoffe wie Lithium und Graphit kostengünstig zu verwerten und um damit einen möglichst hohen Anteil des explosionsartigen gestiegenen Rohstoffbedarfs für die Elektromobilität aus dem Recycling zu decken.

Quelle: Kummer:Umweltkommunikation GmbH