Rohstoffmonitoring Holz: Kaskadennutzung ist in Deutschland Realität

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Das Heizen mit Holz stagniert. Nachhaltige Holzpotenziale insbesondere beim Laubholz sind noch nicht ausgeschöpft.

Die INFRO e. K. – Informationssysteme für Rohstoffe, die Universität Hamburg und das Thünen-Institut haben die Stoffströme von Holz in Deutschland analysiert. Das Ergebnis ist eine umfassende Rohstoffbilanz, die unter anderem zeigt, dass die Kaskadennutzung, vor allem bei der stofflichen Nutzung, schon Realität ist.

Die Studie schließt Lücken in der amtlichen Statistik und stellt eine wichtige Datengrundlage dar, um die nachhaltige Umsetzung der Charta für Holz 2.0 des BMEL für mehr Holznutzung im Blick zu behalten. Dreieinhalb Jahre arbeitete das Team um Professor Udo Mantau von der Universität Hamburg daran, die Verwendungsmengen und -formen von Holz im Detail zu bilanzieren. Es galt, Daten in Bereichen zu erfassen, die die amtliche Holz-Statistik noch nicht berücksichtigt – etwa zur energetischen Holznutzung oder zum Altholzaufkommen. Die Studie berücksichtigt sieben Nutzergruppen: Sägewerke, Holzwerkstoffhersteller, die Holz- und Zellstoffindustrie, große und kleine Heiz- und Heizkraftwerke, mit Holz heizende private Haushalte und den Altholz-Entsorgungsmarkt.

Die Ergebnisse sind jetzt in drei Publikationen nachzulesen. Je nachdem, wie tief der Leser in die Materie einsteigen will, steht ihm ein sehr kurzes Handout, eine knapp 30-seitige Kurzfassung der Studie oder die vollständige Langfassung, erschienen als elektronischer Band 38 der Schriftenreihe Nachwachsende Rohstoffe, zur Verfügung. Alle drei Veröffentlichungen sind unter dem Stichwort „Rohstoffmonitoring“ in der Mediathek der FNR zu finden.

Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen:

Die Kaskadennutzung, das heißt die Wiederverwendung von Rest- und Recyclinghölzern ist in Deutschland bereits Realität. Das zeigt der 2016er Vergleich von „frischem“ Holzaufkommen aus Wald und Landschaftspflege einerseits und Holzverwendung andererseits: Knapp 84 Millionen Kubikmeter Waldholz, Rinde und Landschaftspflegematerial wurden 2016 in die verschiedenen stofflichen und energetischen Nutzungsschienen eingespeist, aber gut 127 Millionen Kubikmeter Holzrohstoffe wurden tatsächlich genutzt. Somit konnte aus einem Kubikmeter primärer Biomasse über Kaskadennutzung von Industrierestholz (Verarbeitungsreste aus Sägewerken und anderer Holzbe- und -verarbeitung) und Altholz (aus Abriss von Gebäuden, alten Paletten etc.) die 1,5fache Holzmenge für Holzprodukte gewonnen werden.

Auch bei der energetischen Holznutzung spielt der Einsatz von Rest- und Recyclinghölzern eine große Rolle. So nutzten 2016 die Großfeuerungsanlagen überwiegend Altholz, aber nur 2,2 Prozent des gesamten Rohholzaufkommens in Deutschland. Private Öfen und Scheitholzkessel fragten 2016 gut 23 Prozent des Rohholzaufkommens nach. Der Löwenanteil des Rohholzes von fast 75 Prozent ging in die stoffliche Nutzung.

Die energetische Holznutzung hat zwischen 2007 und 2008 ein Maximum erreicht, fiel danach wieder etwas zurück und stagniert seit 2011 auf ähnlichem Niveau wie die stoffliche Nutzung. Auf der Grundlage der 3. Bundeswaldinventur entwickelte das Thünen-Institut nachhaltige Nutzungsszenarien mit unterschiedlichen Schwerpunkten (WEHAM-Szenarien). Im  „Naturschutzpräferenzszenario“ erfolgt die Holznutzung unter besonders naturschutzorientierten Vorgaben, während das „Holzpräferenzszenario“ von einem in die Bewirtschaftung integrierten Naturschutz ausgeht. Im Vergleich zur aktuellen Nutzung von 62,2 Millionen Kubikmetern liegt das Nutzungspotenzial im Naturschutzpräferenzszenario bei 78,2 Millionen Kubikmetern und im Holzpräferenzszenario bei 104,7 Millionen Kubikmetern.  Die aktuelle Nutzung liegt damit noch unter dem nachhaltigen Nutzungskorridor. Differenziert man nach Nadel- und Laubholz, zeigt sich, dass die ungenutzten Potenziale vor allem beim Laubholz liegen. Durch eine stärkere Laubholznutzung und die Entwicklung innovativer Laubholzprodukte könnte die deutsche Forstwirtschaft also ihren Beitrag zu Klimaschutz und nachhaltiger Rohstoffversorgung noch erhöhen.

Hintergrund

Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft ist ein Rohstoff mit ausgezeichneter Ökobilanz. Holz aus heimischer Produktion hat zudem den Vorzug kurzer Transportwege. Das in Deutschland nachhaltig erzeugte Holz ist unverzichtbar als Rohstoffbasis für die heimischen Betriebe –

Stichwort Bioökonomie – insbesondere in ländlichen Räumen und leistet wertvolle Beiträge für die Erreichung der Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele der Bundesregierung. Daher zielt die Charta für Holz 2.0 des BMEL darauf ab, mehr Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft zu nutzen – zugunsten von Klimaschutz, Arbeitsplätzen und Wertschöpfung im ländlichen Raum und zur Schonung endlicher Ressourcen. Innerhalb der Charta beschäftigt sich die Arbeitsgruppe „Material- und Energieeffizienz“ mit dem Thema Rohstoffmonitoring.

Das Vorhaben „Rohstoffmonitoring Holz“ wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die FNR als Projektträger gefördert. Ansprechpartner der drei Teilprojekte finden sich unter den Förderkennzeichen 22019714, 22021614 und 22021514.

Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)