Noch großes Potenzial für Abfallvermeidung in der Europäischen Union

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Sammelcontainer für Elektrokleingeräte (Foto: Stadtwerke Aschaffenburg, Entsorgung / abfallbild.de)

Produkte werden in der Europäischen Union zu selten repariert und wiederverwendet. Zu diesem Schluss kommt die Europäische Umweltagentur (EEA) in einer neuen Studie zur Abfallvermeidung in den EU-Mitgliedstaaten.

Die Ansätze für den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft konzentrieren sich in den meisten Mitgliedstaaten zu sehr auf die Abfallbehandlung und nicht auf die früheren Phasen eines Produktes. Das widerspricht den Grundprinzipien der Kreislaufstrategie der EU und ihrer Abfallhierarchie, die die Vermeidung von Abfällen als erste Priorität darstellt. Nur zehn Prozent der Programme zur Abfallvermeidung in den Mitgliedstaaten beinhalten demnach regulatorische Maßnahmen, nur acht Prozent verwenden ökonomische Instrumente. Die große Mehrheit der Programme beruht auf Freiwilligkeit.

Neue Ökodesign-Standards sollen die Wiederverwendung fördern

„Obwohl Wiederverwendung und die Vorbereitung für Wiederverwendung weit oben auf der politischen Agenda stehen, bleibt es ein eher ungenaues Konzept“, heißt es im Bericht der EEA. „Der gesamte Marktanteil an Second-Hand-Produkten in den Mitgliedstaaten der EEA […] liegt auf jeden Fall deutlich unter seinen technischen, ökonomischen und sozialen Potenzialen.“ Eine effizientere Nutzung von Ressourcen durch langlebigere Produkte, die aufbereitet und wiederverwendet werden, verringert den Verbrauch von Rohstoffen und den Ausstoß von CO2.

Tatsächlich habe sich die Lebenszeit vieler Produkte in den letzten Jahren aufgrund erhöhter Komplexität und kürzerer Innovationszyklen verkürzt. Die Wiederverwendung von Materialien sei häufig ohne detailliertes technisches Wissen über den Aufbau und die Verwendung von Produkten nicht möglich. Deshalb schlägt die EEA neue Ökodesign-Standards vor, die das Auseinanderbauen und die Wiederverwendung von Produkten und Produktteilen fördern. Auch verbesserte Reparaturmöglichkeiten, Öko-Labels und öffentliche Beschaffung könnten die Wiederverwendung von Produkten begünstigen. Das im Mai verabschiedete Abfallpaket der EU beinhaltet einige Vorschläge für Abfallvermeidung in den Mitgliedstaaten, jedoch keine konkreten Zielvorgaben.

Der EEA-Bericht in englischer Sprache kann unter diesem Link heruntergeladen werden.

Quelle: Deutscher Naturschutzring (DNR)