DUH beurteilt Selbstverpflichtung des Handels als nicht ausreichend

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Am 1. Juli 2016 trat die freiwillige Selbstverpflichtung zwischen dem Bundesumweltministerium und dem deutschen Einzelhandelsverband HDE zur Verringerung des Plastiktütenverbrauchs in Kraft. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert das Instrument als nicht ausreichend, um den Plastiktütenverbrauch auf das Niveau anderer europäischer Länder, wie zum Beispiel in Dänemark oder Finnland mit nur vier Stück pro Kopf und Jahr, abzusenken.

Aktuell werden in Deutschland noch immer 29 Plastiktüten pro Kopf und Jahr verbraucht, was insgesamt 2,4 Milliarden Stück entspricht und nicht vereinbar sei mit den Ansprüchen des vermeintlichen Umweltspitzenreiters in Europa. Deshalb fordert die DUH eine bundesweite und einheitliche Abgabe von mindestens 22 Cent auf jede verkaufte Einweg-Plastiktüte. Verwendet werden sollte diese Abgabe zur Förderung von Mehrwegalternativen und Sensibilisierungskampagnen zur Abfallvermeidung. Erst wenn alle Plastiktüten verbindlich und spürbar verteuert würden, würden diese endgültig der Vergangenheit angehören.

Vom Bremser zum Gestalter werden

„Die Weigerung der Bundesregierung, die Plastikvermeidungsstrategie der Europäischen Union durch konsequente rechtliche Regelungen umzusetzen, zeigt sich durch die Fortführung einer bereits in anderen Feldern gescheiterten Politik freiwilliger Vereinbarungen mit der Wirtschaft. Während andere EU-Staaten die Plastiktütenflut mit hohen, an den Staat abzuführenden Abgaben wirksam eindämmen, kuscht Deutschland vor den Handelskonzernen und begnügt sich mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung des Handels, Plastiktüten nicht mehr kostenlos abzugeben. Deutschland muss in der EU-Umweltpolitik vom Bremser zum Gestalter werden und sollte sich an progressiven Staaten wie Irland und Dänemark orientieren“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Grund für den noch immer viel zu hohen Plastiktütenverbrauch von jährlich 2,4 Milliarden Stück in Deutschland sei, dass sich viele Händler nicht an die Selbstverpflichtungserklärung gebunden fühlten und sie mit dem erzielten Verkaufspreis sogar noch ein gutes Geschäft machen würden. In Ländern mit einer gesetzlichen Abgabe auf alle Plastiktüten, wie zum Beispiel Dänemark oder Irland, würden pro Kopf und Jahr nur vier beziehungsweise 14 Plastiktüten verbraucht. Thomas Fischer, DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft: „2,4 Milliarden verbrauchte Plastiktüten pro Jahr sind kein Grund zum Durchatmen. Für die Herstellung werden wertvolle Rohstoffe vergeudet und die Umwelt belastet, wenn die Tüten achtlos weggeworfen werden. Gerade in urbanen Ballungsräumen und touristischen Regionen verunstalten Plastiktüten die Landschaft. Sie tragen in erheblichem Maße zur Verschmutzung unserer Meere bei und werden zur tödlichen Gefahr für viele Meeresbewohner. Das Problem noch immer viel zu vieler Plastiktüten ist nur durch konsequente rechtliche Vorgaben von Bundesumweltministerin Svenja Schulze zu lösen.“

Auch Einweg-Papiertüten seien keine ökologische Alternative zu Plastiktüten: „Zwar werden Papiertüten im Fall einer falschen Entsorgung in der Umwelt abgebaut, aber dafür werden für die Herstellung besonders viel Energie, Wasser und Chemikalien benötigt. Um dieselbe Zugfestigkeit zu haben wie Plastiktüten, sind Papiertüten fast doppelt so schwer. Daher sollten Verbraucher nicht auf Papiertüten ausweichen, sondern so häufig wie möglich Mehrwegtaschen, Fahrradkörbe, Klappkisten, Rucksäcke und andere Mehrwegalternativen verwenden.“

Quelle: Deutsche Umwelthilfe (DUH)