Kann Urban Mining den Ressourcenbedarf der Zukunft decken?

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Stadt als Urban Mining-Quelle (Foto: HypnoArt-Pixabay)

Neue Technologien bringen immer neue Materialien und Werkstoffe hervor. Diese werden in ihrer Zusammensetzung zudem komplexer und damit schwieriger zu entsorgen im Sinne einer Kreislaufwirtschaft. Die Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS diskutiert auf der Material Experience MatX vom 27. bis 28. Juni 2018 in Nürnberg, welches Potenzial in urbanen Abfällen steckt und wie Wertstoffkreisläufe auch im Hinblick auf die Energiewende etabliert werden können.

Die Aufgabenstellung ist klar: Weniger Ressourcen verbrauchen und mehr gebrauchen, also einer Wiederverwendung zuführen. Was zunächst einfach klingt, ist für die Entsorgungswirtschaft alles andere als trivial, denn die Industrie steht im internationalen Wettbewerb. Somit muss jedes Verfahren auch eine hohe Wirtschaftlichkeit vorweisen. Wie kann der Standort Deutschland oder auch Europa hier mithalten? Erschwert wird dies noch durch folgende Aspekte:

  • Immer weniger Wertstoffe werden verbaut. Dies führt zwar zunächst zu einem geringeren Verbrauch an Primärrohstoffen, aber eine Abtrennung der enthaltenen Wertstoffe am End of Life der Produkte wird dadurch nahezu unwirtschaftlich.
  • Neue Materialien wie Verbundwerkstoffe machen das Recycling zunehmen teurer.
  • Der zunächst gesunkene Rohstoffverbrauch steigt durch den Rebound-Effekt wieder an, da weniger Ressourcen pro Stück benötigt werden, aber auch mehr produziert wird.
  • Die Weltbevölkerung und deren Ressourcenbedarf werden sich weiter erhöhen. Im Endeffekt bedeutet dies, dass der Ressourcenbedarf trotz Recyclingbemühungen und neuer, effizienter Technologien weiter steigen wird und nicht allein durch Sekundärrohstoffe gedeckt werden kann.

Die Fraunhofer-Projektgruppe IWKS entwickelt hier neue Ansätze und Technologien, um Unternehmen bei der Lösung dieser Herausforderungen zu unterstützen. Die Forscher sehen hier verschiedene Ansätze für Handlungsbedarf: In unseren urbanen und Industrieabfällen steckt viel Potenzial, das gehoben werden sollte. Ein Beispiel: Über 30 Prozent des Phosphor-Dünger-Bedarfs in Deutschland könnte durch Klärschlamm gedeckt werden. Hier müssen die notwendigen Mittel bereitgestellt werden, um effiziente Technologien und Verfahren zu etablieren und eine effiziente Kreislaufwirtschaft herzustellen.

Ein Design for Recycling ist längst überfällig und sollte für jedes Produkt weltweit gelten, auch bei Plastik, Batterien, Akkus oder für Elektromotoren. Deutschland und Europa dürfen nicht den Anschluss verlieren bei Schlüsseltechnologien wie Zellfertigung für Batterien und Akkus. Wer die Entwicklung mitgestaltet, kann auch in puncto Recycling Standards setzen. Insbesondere einheitliche Angaben zu den im Produkt enthaltenen Inhaltsstoffen könnten dabei helfen, die Kosten für aufwendige Analysen zu senken und hier den Recyclingprozess zu beschleunigen und zu vereinfachen.

Die Fraunhofer-Vorträge auf der MatX 2018

28. Juni 2018, 13:00 Uhr, Raum Amsterdam: Innovative Recycling of Rare-Earth Permanent Magnets (Jürgen Gassmann, Abteilungsleiter Magnetwerkstoffe, Fraunhofer-Projektgruppe IWKS).

28. Juni 2018, 13:30 Uhr, Tech2you Center Stage: Exploitation of Alternative Resources by Urban Mining (Dr. Gert Homm, Abteilungsleiter Urban Mining, Fraunhofer-Projektgruppe IWKS).

Weitere Informationen und persönliche Gesprächstermin-Vereinbarung auf der MatX 2018 vom 27. bis 28. Juni 2018 auf dem Messegelände in Nürnberg unter Tel. +49 6023 320 39 803 oder Nachricht an: jennifer.oborny@isc.fraunhofer.de

Quelle: Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS