HWWI-Rohstoffpreisindex steigt deutlich: Preisanstieg setzt sich im Mai fort

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Im Mai stieg der HWWI-Rohstoffpreisindex um 6,1 Prozent (in Euro: +10,2 %). Damit hält der starke Aufwärtstrend in der Preisentwicklung auf den internationalen Rohstoffmärkten an.

Somit notierte der Gesamtindex mit 136,2 Punkten (in Euro: +127,9 Punkte) deutlich über dem Vormonat. Im Einzelnen stieg dabei der Index für Energierohstoffe um 6,6 Prozent (in Euro: +10,8 %). Im Monatsdurchschnitt verteuerte sich Kohle am stärksten und der Rohölpreis stieg erneut deutlich an. Ebenfalls erhöhte sich der Index für Nahrungs- und Genussmittel und stieg um 0,7 Prozent (in Euro: +4,6 %). Nachdem der Index für Industrierohstoffe in dem vorangegangenen Monat nahezu stagnierte, erhöhte er sich im Mai unverkennbar. Der Index für Industrierohstoffe stieg um 3,1 Prozent (in Euro: +7,2 %). Demzufolge stieg der Index ohne Energie um 2,2 Prozent (in Euro: +6,3 %) auf 118,9 Punkte (in Euro: +111,7 Punkte).

Index für Energierohstoffe: +6,6  Prozent (in Euro: +10,8 %)

Im Mai stieg der durchschnittliche Rohölpreis der drei führenden Rohölsorten um 7,1 Prozent (in Euro: +11,3 %) auf 73,94 US-Dollar (62,60 Euro) pro Barrel. Der Preisanstieg am Rohölmarkt ist weiterhin angebotsinduziert. Die seit Anfang 2017 geltende Vereinbarung über die stetige Reduktion der Rohölfördermengen zwischen der OPEC und Russland wurde umgesetzt, bei gleichzeitig steigender Rohölnachfrage infolge einer aktuell guten Weltkonjunktur. Zusätzlich wird das weltweite Rohölangebot aufgrund der Kündigung des iranischen Atomabkommens durch den US-amerikanischen Präsidenten Trump vom 8. Mai sinken. Die USA setzen Sanktionen in Kraft, die unter anderem beinhalten, Rohölimporte aus dem Iran innerhalb von 180 Tagen zu reduzieren. Der Rohölpreis stieg infolge dieser Entwicklung deutlich an.

Weiter verknappt wurde das Rohölangebot durch die anhaltende politische und wirtschaftliche Krise in Venezuela. Nach der Wiederwahl des Präsidenten Maduro am 21. Mai verschärften die USA die Sanktionen gegen die Regierung, die Zentralbank und die Ölgesellschaft Petróleos de Venezuela. Diesen preiserhöhenden Argumenten stehen Meldungen über US-amerikanische Rekordfördermengen im Mai gegenüber. Bereits voll ausgeschöpfte Transportkapazitäten behindern jedoch den Export der sich stetig ausweitenden US-Rohölproduktion. Der Rohölpreis fiel zum Ende des Monats, als Meldungen über eine mögliche Lockerung der OPEC-Vereinbarung von Seiten Saudia-Arabiens und Russlands bekannt wurden. Eine Entscheidung könnte auf einem Treffen der OPEC und weiterer rohölfördernder Länder – wie Russland – am 22. und 23. Juni in Wien getroffen werden. Im Einzelnen stieg der durchschnittliche Preis für Rohöl im Mai aus dem Nahen Osten um 8,7 Prozent (in Euro: +12,9 %). Brent verteuerte sich um 7,3 Prozent (in Euro: +11,5 %). Der Preis für die US-amerikanische Rohölsorte West Intermediate Texas (WTI) stieg um 5,2 Prozent (in Euro: +9,3 %).

Deutlich gestiegen ist der Preis für Kohle. Kohle verteuerte sich um 10,3 Prozent (in Euro: 14,7 %). Die hohe Kohlenachfrage seitens Japan, Südkorea und Indien ließ den Preis für Thermalkohle aus Australien deutlich steigen. Das Angebot von südafrikanischer Thermalkohle verringerte sich aufgrund von juristischen Problemen der Gupta-Familie sowie durch die hohe inländische Nachfrage des südafrikanischen Energieerzeugers Escom. Erdgas verteuerte sich um 3,0 Prozent (in Euro: +7,1 %), wobei der Preisanstieg für europäisches Erdgas mit 4,9 Prozent (in Euro: +9,1 %) und der Preis für US-Erdgas um 1,1 Prozent (in Euro: +5,1 %) anstieg. Der Index für Energierohstoffe erhöhte sich insgesamt um 6,6 Prozent (in Euro: +10,8 %) auf 139,0 Punkte (in Euro: 130,5 Punkte).

Index für Industrierohstoffe: +3,1 Prozent (in Euro: +7,2 %)

Erneut stieg der Index für Agrarische Rohstoffe. Dabei stieg der Preis für Schnittholz besonders stark. Einer hohen US-amerikanischen Nachfrage aufgrund der beginnenden Bausaison in den USA steht ein verringertes Angebot aufgrund von Waldbränden in Kanada des letzten Jahres gegenüber. Zusätzlich behinderten eingeschränkte Transportkapazitäten und Zölle den Schnittholzimport aus Kanada in die USA. Der Schnittholzpreis stieg um 14,1 Prozent (in Euro: +18,6). Der Index der NE-Metalle stieg um 0,9 Prozent (in Euro: +4,9 %), wobei die Preisentwicklung der einzelnen NE-Metalle differenziert erfolgte.

Nachdem der Aluminiumpreis infolge der US-amerikanischen Sanktionen gegen den russischen Aluminiumhersteller Rusal im April deutlich gestiegen war, fiel der Preisanstieg im Mai mit 2,1 Prozent (in Euro:+6,1 %) wesentlich geringer aus. Seit dem 31. Mai erhebt die USA Zölle auf Importe von Stahl und Aluminium aus Kanada, Mexiko und der EU. Die Ankündigung ließ die Preise zum Monatsende steigen, da bereits die Sanktionen gegen Russland das weltweite Angebot verknappten. Kupfer verbilligte sich um 0,2 Prozent (in Euro: +3,7 %). Ebenfalls gesunken sind die Preise für Zink und Zinn. Der Zinkpreis fiel um 4,4 Prozent (in Euro: -0,7 %) und der Zinnpreis sank um 2,1 Prozent (in Euro: +1,7 %).

Geringfügig ist der Bleipreis gestiegen. Eine hohe chinesische Nachfrage nach Nickel zur Produktion von Nickelstahl ließ den Preis für Nickel steigen. Weiterhin soll Nickel verstärkt als Ersatz für Kobalt in der Produktion von Batterien für Elektroautos eingesetzt werden. Deshalb verteuerte sich Nickel um 3,2 Prozent (in Euro: +7,2 %). Der Index für Eisenerz und Stahlschrott stieg um 3,7 Prozent (in Euro: 7,7 %). Insgesamt stieg der Index für Industrierohstoffe um 3,1 Prozent (in Euro: +7,2 %) auf 130,9 Punkte (in Euro: 123,0 Punkte).

Quelle: Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut gemeinnützige GmbH (HWWI)