Phosphorrückgewinnung: Evaluation der Technologien auf der Zielgeraden

672
Foto: Pixabay

Phosphor aus Abwasser rückzugewinnen, ist ein Gebot der Stunde. Obwohl vielversprechende Verfahren zur Auswahl stehen, ist es heute für Verfahrensentscheide noch zu früh. Zu diesem Schluss kommt ein breit abgestützter Bericht aus der Schweiz, der zur koordinierten Weiterentwicklung interessanter Ansätze aufruft.

Phosphor ist lebenswichtig und ein begrenzt verfügbarer Rohstoff. Im Klärschlamm aller Schweizer Abwasserreinigungsanlagen (ARA) fallen pro Jahr rund 6.000 Tonnen davon an. Dies ist mehr, als jedes Jahr in Form von Mineraldünger (4.200 Tonnen pro Jahr) in die Schweiz eingeführt wird. Seit die Landwirtschaft Klärschlamm wegen der Schadstoffe nicht mehr als Dünger einsetzen darf, geht der Phosphor bei der Entsorgung verloren – eine gewaltige Verschwendung von Ressourcen.

Die seit 2016 geltende Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) schreibt vor, dass Phosphor aus Abwasser bis spätestens 2026 zurückgewonnen werden muss. Dazu bieten sich verschiedene Technologien an, von denen bis heute allerdings noch keine realisiert ist.

Dialog-Plattform liefert verfahrenstechnische Marktanalyse

Damit die Schweiz effiziente Verfahren für die Rückgewinnung von Phosphor erhält, wurde im Herbst 2017 eine Plattform für den Dialog interessierter Kreise geschaffen. Dazu gehören die Betreiber von ARAs und Klärschlammverbrennungsanlagen, welche mehr als 60 Prozent des Schweizer Klärschlammanfalls repräsentieren, aber auch betroffene Verbände. Die Plattform will den Betroffenen Grundlagen für die anstehenden Verfahrensentscheide liefern und hat dazu eine „Verfahrenstechnische Marktanalyse für die Phosphorrückgewinnung aus dem Abwasserpfad“, kurz VTMA, durchgeführt. An einem zweitägigen Hearing konnten im Februar 2018 relevante Technologieanbieter ihr Verfahren präsentieren und Fragen der Plattform-Beteiligten beantworten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden in einem Schlussbericht inklusive acht Empfehlungen an die betroffenen Akteure mit konkretem Handlungsbedarf zusammengefasst, der jetzt publiziert wurde. Das Fazit:

  • Um Phosphor aus Abwasser zu gewinnen, stehen wenige aber vielversprechende Verfahren zur Verfügung.
  • Das Recycling von Phosphor aus dem Abwasser ist gegenüber dem Abbau in Phosphatminen ökologisch deutlich vorteilhafter.
  • Die in der VTMA vorgestellten Lösungen sind bezüglich der technologischen Reife sehr unter schiedlich.
  • Zum heutigen Zeitpunkt sind die notwendigen Grundlagen für einen fundierten Verfahrensentscheid noch nicht fertig ausgearbeitet.
  • In dieser Situation einfach abzuwarten, ist jedoch keine Lösung. Die erfolgversprechendsten Lösungen sind weiter zu entwickeln, damit in circa zwei Jahren die erforderlichen Entscheide gefällt werden können.
  • Wichtige Grundsatzentscheide, wie Exportfragen, Anforderungen an Stand der Technik und finanzielle Unterstützung, sind auf Schweizer Bundesebene bald möglichst zu fällen.

Die Projektgruppe VTMA geht davon aus, dass in rund zwei Jahren die nötigen Erkenntnisse zu den Verfahren vorliegen, damit unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen der zielführende Systementscheid gefällt werden kann. Um die, mit dem Projekt VTMA entstandenen Kontakte weiter zu pflegen und in einem späteren Zeitpunkt erneut eine Verfahrenstechnische Marktanalyse (VTMA) durchführen zu können, haben die Projektpartner der VTMA, bestehend aus Klärschlamminhaber und den relevanten Verbänden, am 30. April 2018 beschlossen, die bestehende Organisation als Plattform VTMA weiter zu führen. Wenn im August 2018 der Vorgehensvorschlag für die weiteren Tätigkeiten vorliegt, können sich unter der Voraussetzung der finanziellen Beteiligung, weitere Akteure (Klärschlamminhaber) als Projektpartner der Trägerschaft anschließen.

Download des Schlussberichts: www.klärschlamm.zh.ch oder www.pxch.ch

Quelle: Kanton Zürich