Rohstoffpreise: Geopolitische Einflüsse bestimmen die Entwicklung

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Foto: Pixabay

IKB Information Rohstoffpreise: Die Weltrohstoffpreise erhöhten sich im April 2018 in US-Dollar gerechnet um 5,2 Prozent, in Inlandswährung waren es infolge eines schwächeren Euro 5,8 Prozent. Insbesondere wurde die Entwicklung im laufenden Monat sehr stark von geopolitischen Einflüssen bestimmt.

Der Militärschlag der USA in Syrien, der unveränderte Krieg im Jemen und vor allem die Androhung der USA, das Atomabkommen mit dem Iran zum 12. Mai 2018 aufzukündigen, ließen den Rohölpreis deutlich kräftiger als von IKB erwartet ansteigen. Sollten die USA im Verlauf des Mai 2018 erneut Sanktionen gegen den Iran verhängen, ist mit einem Rohölpreis zwischen 75 und 80 US-Dollar je Barrel Brent zu rechnen. Der Grund ist, dass in diesem Fall der Iran wohl deutlich weniger Rohöl liefern kann. Allerdings sieht IKB zum Beispiel Indien und China durchaus als weitere große Abnehmer.

Im Gesamtjahr 2018 erwartet IKB einen OPEC-Bedarf von 39,1 mbd (Million Barrel per Day), der gemessen am Fördervolumen des ersten Quartals 2018 noch einer Aufstockung bedarf. Ohne erneute Iran-Sanktionen wird in den nächsten drei Monaten eine Bewegung um 70 US-Dollar je Barrel Brent erwartet. Nicht nur Rohöl war unter politischem Einfluss, sondern auch Aluminium. Die am 6. April 2018 verkündeten US-Sanktionen gegen russische Oligarchen und Firmen trafen auch Rusal, einen der führenden Aluminium- und Alumina-Produzenten, und hatten eine im Vergleich zu den angekündigten Strafzöllen sehr viel stärkere Wirkung. Dies führte zu einem Zwischenboom der Aluminiumpreise. Nachdem die US-Regierung Rusal nach gut zwei Wochen eine Karenzzeit bis Oktober 2018 für einen Eigentümerwechsel einräumte, entspannte sich die Situation wieder.

Aktuell sind die Strafzölle auf Stahl und Aluminium nochmals für einen Monat aufgeschoben. Derzeit scheint eine kurzfristige Lösung nicht sehr wahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund kann es in den nächsten zwei Monaten zu erheblichen Störungen auf den globalen Metallmärkten kommen. IKB erwartet für den Wechselkurs des US-Dollar zum Euro bis Jahresmitte 2018 eine Bewegung zwischen 1,21 und 1,24 US-Dollar/Euro. In der zweiten Jahreshälfte könnte sich nach weiteren Zinsanhebungen der Fed der Wechselkurs unter 1,20 US-Dollar/Euro einpendeln.

Stahlpreise – Markttrends

Im ersten Quartal 2018 expandierte die globale Stahlindustrie um gut vier Prozent. China und das übrige Asien sowie Lateinamerika wuchsen etwas stärker. Für Deutschland geht IKB weiter von einer Rohstahlproduktion von 44 Millionen Tonnen aus. Die Schrottpreise gaben im Monatsmittel um 5 Euro nach, dürften diesen Rückgang jedoch im Mai wieder kompensieren. Die Eisenerzpreise sanken im Monatsdurchschnitt um gut 4 US-Dollar pro Tonne. Die europäischen Stahlpreise gingen im April weitgehend seitwärts. Während Warmbreitband und verzinkte Bleche geringfügig zulegten, gab Walzdraht um 2 Euro nach. Tendenz: Schrottpreise ziehen sortenabhängig um circa 5 bis 10 Euro an, die Stahlpreise legen im Mai um zwei Prozent zu, Walzdraht sinkt um rund ein Prozent.

Preise für Öl und Gas – Marktrends

Ende April 2018 betrugen die Rohöl-Lagerbestände in den USA 436 Millionen Barrel. Damit liegen sie um 17 Prozent unter dem Vorjahresstand. Die Bestände der übrigen Destillate liegen um 21 Prozent, die Propanvorräte um acht Prozent niedriger. Benzin ist auf Vorjahresniveau. Der Abbau der amerikanischen Lagerbestände ist gestoppt. Die Erdgasversorgung in Europa ist gut. Obwohl die weltweiten Rohölvorräte langsam sinken, ist ohne erneute Iran-Sanktionen kein Engpass abzusehen. Die festeren Rohölpreise der letzten Monate dürften den deutschen Grenzübergangspreis für Erdgas anziehen lassen. Tendenz: IKB sieht den Rohölpreis ohne Sanktionen in den nächsten drei Monaten in einer Bewegung um 70 US-Dollar je Barrel Brent, die amerikanische Sorte WTI liegt rund 4 US-Dollar darunter. Der Grenzübergangspreis für Erdgas hat Aufwärtspotenzial.

Aluminiumpreise – Marktrends

Bis Ende März 2018 stieg die globale Primäraluminiumproduktion um ein Prozent an. China hat die Einbußen aus den Abschaltungen in den ersten beiden Monaten kompensiert. Im Gesamtjahr erwartet IKB eine Produktion von gut 64 Millionen Tonnen. Die Lagerbestände an den Börsen haben insgesamt etwas angezogen. Die investive Nachfrage stieg leicht (+5 % mehr Handelskontrakte). Belastend wirkten die angedrohten Strafzölle und die möglichen Rusal-Sanktionen. Tendenz: Im Mai bewegen sich die Preise um 2.250 US-Dollar pro Tonne. Sollte es zum 1. Juni 2018 zur Umsetzung der Strafzölle kommen: Ermäßigung auf 2.100 US-Dollar pro Tonne; bei Rusal-Sanktionen, die dem Markt rund sechs Prozent des Angebots entziehen würden, Bewegung zwischen 2.500 und 2.600 US-Dollar pro Tonne, die Alloy rund 350 US-Dollar pro Tonne niedriger.

Kupferpreise – Marktrends

Die Weltkupferminenproduktion dürfte 2018 um drei Prozent und die globale Raffinadeproduktion sogar um vier Prozent zulegen. Da der Verbrauch nur um drei Prozent anzieht, könnte sich ein kleiner Angebotsüberschuss (circa 25.000 Tonnen) ergeben, bevor der Markt 2019 wieder defizitär wird. Die Lagerbestände an den Metallbörsen reduzierten sich bis Ende April 2018 und dürften in den nächsten drei Monaten weiter zurückgehen. Die investive Nachfrage erhöhte sich im April um rund ein Viertel. Insgesamt zog der Kupferpreis im Aprilmittel um gut 50 US-Dollar pro Tonne an. Tendenz: Die gute Versorgung ohne aktuelle Produktionsstörungen hält den Kupferpreis um die Marke von 6.800 US-Dollar pro Tonne in einem Band von 600 US-Dollar.

Quelle: IKB Deutsche Industriebank

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