Institut der deutschen Wirtschaft: Europa muss beim Recycling besser werden

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Mitte April hat das EU-Parlament über die neuen Abfallregeln im Rahmen des EU-Kreislaufwirtschaftspakets abgestimmt. Doch obwohl die angepeilten Recyclingquoten hinter den einst diskutierten Zielen zurückbleiben, werden viele europäische Staaten Schwierigkeiten haben, die Vorgaben einzuhalten.

Politik lebt von Kompromissen, die Brüsseler ganz besonders: Die EU-Kommission wollte eine Recyclingquote von 65 Prozent des Siedlungsabfalls, das Parlament forderte 70, der Rat dagegen nur 60. Im Ergebnis steigt die europäische Zielgröße vom Jahr 2025 bis 2035 von 55 über 60 auf 65 Prozent.

Zudem wird es künftig statt vier Berechnungswegen für die Recyclingziele nur noch einen geben: Grundsätzlich sollen allein solche Abfälle als recycelt gelten, die tatsächlich wiederverwertet werden. Aktuell gilt dagegen in vielen Ländern – auch in Deutschland – schon das als recycelt, was zur Wiederverwertung gesammelt oder vorsortiert wird. Eine Ausnahmeregelung im Fall fehlender Daten soll es aber erlauben, Materialien bereits nach einem frühen Sortierungsprozess als recycelt zu werten und die Mengen, die nicht ins Recycling gelangen, über durchschnittliche Verlustraten zu ermitteln. Trotzdem ist der EU-Kompromiss für viele Staaten ambitioniert:

Nur zehn Länder könnten das EU-Ziel für 2025 erreichen

Der Anteil des Siedlungsabfalls, der auf Müllhalden gelangt, sank von 2005 bis 2016 EU-weit von 43 auf 24 Prozent. Dennoch landet in zehn Mitgliedstaaten noch immer über die Hälfte des Mülls auf der Deponie. Im selben Zeitraum stieg die Recyclingquote von 32 auf 46 Prozent. Allerdings verteilt sich der Anstieg sehr ungleich über die Länder – entsprechend schwer wird es für viele Staaten, die EU-Ziele zu erfüllen. Wenn alle EU-Staaten ihre Recyclingquoten in den kommenden Jahren so erhöhen wie bisher, werden nur zehn Länder das Ziel für 2025 erreichen. Die anderen Nationen – einschließlich jener, die wie Belgien oder Dänemark bereits relativ viel recyceln – müssen die Wiederverwertung teils merklich ausweiten, um das EU-Ziel im Jahr 2025 zu erfüllen.

Laut aktueller Statistik hätte Deutschland mit einer Recyclingquote von 66 Prozent als einziger EU-Staat bereits heute die Ziele für 2035 erreicht – aber nur wegen der weit gefassten Recyclingdefinition. Würde dagegen einzig das als wiederverwertet gezählt, was die Anlagen als Sekundärrohstoff verlässt, sänke die Quote laut der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft auf einen Wert zwischen 47 und 52 Prozent. Das bedeutet: Sollte die EU den Begriff „Recycling“ strenger definieren, müsste die Quote in Deutschland jedes Jahr zwischen 0,7 und 0,9 Prozentpunkte zulegen, um das EU-Ziel für 2035 zu erreichen. Selbst mit einer angepassten Definition des Recyclingbegriffs wird Deutschland dank seines Know-hows und der verfügbaren Technologien im Bereich Recycling weiterhin an der Spitze stehen.

Mehr Müll wegen boomender Wirtschaft

Mit Blick auf die hierzulande anfallende Menge Müll pro Kopf ist das wichtig. Denn während 17 EU-Staaten den Hausmüll pro Einwohner seit 2005 reduziert haben, hat Deutschland das nicht geschafft: Auf jeden Bundesbürger entfielen 2016 im Schnitt 626 Kilo Siedlungsmüll einschließlich der haushaltsähnlichen Gewerbeabfälle – nur die Dänen, Zyprioten und Malteser verursachten noch mehr Abfall.

EU-weit hat sich die gesamte Müllmenge von 2005 bis 2016 um vier Prozent reduziert, in Deutschland ist sie dagegen um elf Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist jedoch die deutsche Wirtschaftsleistung deutlich stärker gewachsen, sodass je Einheit Bruttoinlandsprodukt auch in Deutschland heute weniger Müll anfällt als früher.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft

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