Altpapierrecycler müssen mit schwierigen Marktverhältnissen kämpfen

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Gabelstapler bei Altpapier-Sortierung (Foto: © Harald Heinritz / abfallbild.de)

Bonn — Das Exportventil China „klemmt massiv“. Der daraus folgende „Sinkflug der Altpapierpreise“ belastet die Altpapierbranche in Deutschland und europaweit. Das erklärte Werner Steingaß, bvse-Vizepräsident und Vorsitzender des Fachverbandes Papierrecycling, in seiner Eröffnungsrede. Wie sich die Altpapierrecycler auf diese neue Situation einstellen, diskutierten am 12. April 2018 die 520 Teilnehmer des 21. Internationalen Altpapiertages in Düsseldorf.

Den Altpapierexport aus Europa bezeichnete Steingaß als „unverzichtbares Ventil“ und Basis für eine erfolgreich praktizierte Kreislaufwirtschaft. Immerhin wurden bisher jährlich ca. 8 Millionen Tonnen Altpapier aus Europa nach China und Südostasien exportiert. Seit den von China verhängten Import-Restriktionen befinde sich der Altpapiermarkt jedoch in unruhigem Fahrwasser und die Unternehmen der Altpapierbranche müssen sich auf eine neue Lage einstellen.

Untere Altpapiersorten im Sinkflug

Auch wenn dieser Export von Altpapier seit Inkrafttreten der Restriktionen nicht völlig zum Erliegen kam, erläuterte Steingaß, werde durch dessen massiven mengenmäßigen Rückgang auch der Altpapierpreis innerhalb Deutschlands wie auch in den Nachbarländern beeinflusst. Seit Herbst befinden sich die Vergütungen für die unteren Altpapiersorten geradezu im Sinkflug.

Exporteure aus Europa versuchen zum einen durch aufwendige Nachsortierung und noch umfangreichere Kontrollen im eigenen Hause sicher zu stellen, dass die Ware den neuen chinesischen Qualitätsvorgaben entspricht. Es besteht aber eine große Unsicherheit, wie diese Vorgabe – maximal 0,5 Prozent Störstoffe im Altpapier – in China konkret ermittelt und gehandhabt wird. Zum anderen liefern Exporteure ihr Altpapier ersatzweise verstärkt in die chinesischen Anrainerstaaten, die derzeit ihr Neupapier problemlos nach China verkaufen können.

Schlechte Qualität drängt auf denMarkt

Insbesondere Großbritannien kann sein aus der Gemischterfassung stammendes Altpapier zumindest in der bisherigen Qualität kaum mehr nach China verbringen. Nach Einschätzung von Steingaß stellte die britische Exportmenge den größten Einzelanteil des bisherigen Gesamtexports aus Europa dar. Teile dieser Altpapiermenge, in vergleichsweise schlechterer Qualität, drängen nun aber zu niedrigen Preisen auf den zentraleuropäischen Markt und finden offenbar auch Abnehmer in der deutschen Papierindustrie. So wird vereinzelt günstige Ware mit schlechter Qualität aus dem Ausland eingesetzt und quer gerechnet mit inländischer Ware guter Qualität.

„Es schadet dem deutschen Altpapiermarkt, dass dies zulasten der bisherigen Altpapierlieferanten geht. Diese Lieferanten haben den Rohstoffbedarf eben jener Papierfabriken, in guten wie in schlechten Zeiten, stets mit Qualität und Verlässlichkeit befriedigt. Nun werden sie mit Reklamationen überzogen, weil die bisherige Ware jetzt noch besser sein soll und andererseits genügend günstige Ware am Markt vorhanden ist“, kritisierte Werner Steingaß. Er wies in seiner Rede darauf hin, dass veränderte Qualitäten jedoch nicht über Nacht herzustellen sind und zusätzlich Geld kosten, das bei sinkenden Erlösen nicht vorhanden ist.

Auf bewährte Partnerschaften bauen

Der bvse-Vizepräsident plädierte daher dafür, in schwierigen Zeiten auf bewährte Partnerschaften zu bauen. „Partner, die in der Krise zusammen stehen und sich bewähren, gehen gestärkt aus der Krise hervor, dessen sollten sich die Player der Papierindustrie und die Altpapierrecycler bewusst sein. Unternehmen, die Risiken erkennen, arbeiten vorausschauend und in Partnerschaften statt den kurzfristigen schnellen Erfolg im Fokus zu haben. Sie werden gestärkt auch aus dieser Krise hervorgehen“, zeigte sich Steingaß sicher.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.