Wohin mit Schadstoffen? Untersuchung stellt mangelhaften Bürgerservice fest

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Foto: Harald Heinritz / abfallbild.de

In vielen Kommunen und Städten in Deutschland wird es Verbrauchern unmöglich gemacht, zum Beispiel leere Bauschaumdosen, ausgediente Energiesparlampen und andere schadstoffhaltige Abfälle ordnungsgerecht zu entsorgen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

Die Organisation untersuchte gegen Ende des Jahres 2017 die Rückgabemöglichkeiten schadstoffhaltiger Abfälle in insgesamt 102 Landkreisen und kreisfreien Städten in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland, Bremen und Hamburg. Bei fast einem Drittel der Kommunen stehen den Bürgern keine festen oder regelmäßig geöffneten Sammelstellen zur Verfügung, um ihre schadstoffhaltigen Abfälle zurückzugeben. Zudem stellte die DUH fest, dass es bei knapp 30 Prozent der untersuchten stationären Rücknahmestellen ernstzunehmende Mängel beim Bürgerservice gab. Die DUH fordert die Kommunen dazu auf, ihrer Verantwortung zur Sammlung schadstoffhaltiger Abfälle nachzukommen und Bürgern eine flächendeckende, zumutbare und serviceorientierte Rücknahme anzubieten.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Schadstoffbelastete Abfälle stellen aufgrund ihrer giftigen, wassergefährdenden oder ätzenden Eigenschaften eine besondere Gefahr für Mensch und Umwelt dar. Eine ordnungsgemäße Entsorgung steht und fällt jedoch mit dem flächendeckenden Angebot kommunaler Sammelstellen und deren bürgerfreundlicher Ausgestaltung. Doch genau daran hapert es gewaltig. In 30 von 102 untersuchten Landkreisen und Städten wurden ausschließlich mobile Sammelfahrzeuge eingesetzt oder eine Abgabe von Schadstoffen war nur an wenigen Tagen im Jahr möglich. Bürger werden so mit ihren Schadstoffen allein gelassen und fangen an, diese ‚kreativ‘ zu entsorgen.“ Ein unhaltbarer Zustand sei das, so Resch. Schadstoffmobile könnten stationäre Sammelstellen ergänzen, diese jedoch nicht ersetzen. Bürger sollten in zumutbarer Entfernung regelmäßig eine Möglichkeit erhalten, Schadstoffe ordnungsgemäß zu entsorgen.

Keine Hinweisschilder, arbeitnehmerunfreundliche Öffnungszeiten  

Für die Entsorgung schadstoffhaltiger Abfälle gelten besondere Vorgaben wie die Annahme durch geschulte Personen, eine strikte Getrennthaltungspflicht und sichere Lagerung. Herkömmliche Entsorgungswege über den Restabfall, gelben Sack oder die Sperrmüllsammlung sind verboten. Bürgern bleibt deshalb häufig nur der Weg zur kommunalen Schadstoffannahmestelle. „Voraussetzung für eine erfolgreiche Sammlung und umweltgerechte Entsorgung schadstoffhaltiger Abfälle, wie zum Beispiel quecksilberhaltiger Energiesparlampen oder Bauschaumdosen mit Methylendiisocyanat, ist ein guter Service für die Bürger. Hier besteht jedoch dringender Verbesserungsbedarf, denn Tests der DUH belegen, dass Öffnungszeiten in vielen Fällen arbeitnehmerunfreundlich sind, Hinweisschilder fehlen, Bürger falsch informiert oder Schadstoffe unsachgemäß entsorgt werden“, sagt Thomas Fischer, Leiter der DUH-Kreislaufwirtschaft.

Bei der Hälfte der untersuchten Sammelstellen waren nach Einschätzung der DUH die Öffnungszeiten problematisch. Sie waren nur an wenigen Tagen in der Woche geöffnet, boten keine Abgabemöglichkeiten nach 17 Uhr an oder waren samstags geschlossen. Nur 28 Prozent der getesteten Wertstoffhöfe wiesen einen sehr guten Bürgerservice auf. Das sei viel zu wenig, zeige aber, dass eine bürgerfreundliche Sammlung von Schadstoffen möglich sei und praktiziert werde. In Deutschland wird den Angaben nach pro Kopf und Jahr lediglich ein Kilogramm Problemstoffe über die Wertstoffhöfe gesammelt. Einzelne besonders serviceorientierte Wertstoffhöfe, wie zum Beispiel in der saarländischen Gemeinde Mettlach, kommen auf 3,8 Kilogramm Problemstoffe. Das saarländische Sammelmodell nach dem Luxemburger Konzept SuperDrecksKëscht zeige, wie wirkungsvoll eine serviceorientierte, saubere und akkurate Sammlung sein kann. Die DUH kündigt weitere Testbesuche bei kommunalen Sammelstellen an.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe