Schrott- und E-Schrott-Branche besorgt über Chemisierung des Abfalls

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Elektro(nik)schrott (Foto: bvse)

Aachen — Die voranschreitende Chemisierung des Abfallrechts bzw. die bei der EU vorangetriebene Schnittstelle Chemie-, Produkt- und Abfallrecht bereitet der Recyclingbranche zunehmend Sorgen. Durch eine Flut von Auflagen und Gesetzen könnten wertvolle Sekundärrohstoffe zunehmend in gefährliche Abfälle umdeklariert und damit etablierte Recyclingwege verschlossen werden. Das war das vorherrschende Thema auf der ersten Vorstandsitzung 2018 des bvse-Fachverbands Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling in Aachen.

„Im Schulterschluss mit dem europäischen Recyclingdachverband EuRIC, der in Brüssel hervorragende Arbeit leistet, werden wir uns zu diesem Thema auch weiter aktiv in die Diskussion auf europäischer Ebene einbringen“, erklärte bvse-Vizepräsident Sebastian Will.

Zusätzlichen Diskussionsstoff lieferten die Herausforderungen zur Umsetzung des im neuen ElektroG festgelegten Open Scopes 2018, der die Aufgaben in der Sammlung noch komplexer macht. So fallen ab dem 15. August 2018 grundsätzlich alle Elektro(nik)geräte in den offenen Anwendungsbereich des Gesetzes. In der Folge können dann auch Möbel- und Bekleidungsstücke mit elektronischen Funktionen vom Anwendungsbereich erfasst sein. Im Einzelfall ist zu entscheiden, ob bei zusammengesetzten Produkten das elektronische Bauteil funktional oder baulich an die Nutzungsdauer des Produktes gebunden ist. Zusätzlich ist zu beachten, dass nicht alleine die Art des Gerätes für die richtige Zuordnung der Sammelgruppe ausschlaggebend ist, sondern auch seine Größe. Des Weiteren sind in den Sammelgruppen 2, 4 und 5 batteriebetriebene Altgeräte getrennt zu erfassen. Hier kommen also zusätzliche Behälter dazu.

Sorge bereitet dem bvse-Fachverbandsvorstand, ob die kommunalen Annahmestellen auf diese Neuregelungen, die zum 1.12.2018 in Kraft treten, ausreichend vorbereitet sind.

Eine positive Bilanz zog Fachreferentin Birgit Guschall-Jaik zu dem im Februar erstmals vom bvse-Bildungszentrum durchgeführten Grundlagen-Seminar „Die Welt des Schrotts“. In zwei Tagen erhielten die Teilnehmer – in einer gut abgestimmten Mischung aus Theorie und Praxis – kompaktes kaufmännisches, anwendungsbezogenes und rechtliches Basiswissen rund um das Thema Schrott: von der Sammlung über die Aufbereitung bis hin zum Einsatz in Gießereien und Stahlwerken. Vorträge von erfahrenen PraktikerInnen, eine erlebnisreiche Besichtigung der Eisengießerei Ergocast Guss GmbH in Jünkerath sowie ein Besuch des Schrottplatzes der Wertz Handelsgesellschaft mbH & Co. KG in Aachen rundeten dieses neue Fortbildungsformat ab, das von den Teilnehmern durchweg positiv bewertet wurde.Angesichts vieler Interessenten, die an dem im Februar auf 20 Teilnehmer begrenzten Kurs nicht teilnehmen konnten, soll der Kurs künftig fest ins Seminarprogramm aufgenommen werden. Der nächste Seminartermin ist für das Frühjahr 2019 vorgesehen.

Im weiteren Fokus der Versammlung standen die Vorbereitungen zum jährlichen Branchenforum des Fachverbands, das am 7. und 8. November 2018 in Frankfurt stattfinden wird. Zur nächsten Sitzung lud der Fachverbandsvorsitzende Bernhard Jehle die Vorstandsmitglieder auf den bvse-Messestand der IFAT (Halle A6/Stand 115/214) ein.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.