Projekt „E-Schrott in Rheinland-Pfalz entlang der Entsorgungs-Kette“ vorgestellt

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Elektroschrott (Foto: ©Frank Radel / http://www.pixelio.de)

Brake – „E-Schrott Recycling in Rheinland-Pfalz“ lautete der Titel des Forschungsprojekts, dessen ausgewählte Erkenntnisse und Positivbeispiele am 30. April in Mainz vorgestellt wurden. Initiator des Forschungsprojekts war das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium, in dessen Auftrag die Firma Dr. Brüning Engineering erstmalig die Rücknahme und das Recycling von Elektro(nik)altgeräten entlang der Entsorgungskette in einem ganzen Bundesland untersuchte. Betrachtet wurde u.a. die Situation bei öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern, Herstellern, Vertreibern, Reparatur-, Aufarbeitungs- und Second Hand Betrieben sowie bei Recyclingbetrieben.

Einleitend stellte Kristine Sperlich (Umweltbundesamt) den gesetzlichen Rahmen und mögliche Neuerungen vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass Deutschland das von der WEEE-Richtlinie (und dem ElektroG) geforderte Sammelziel von 4 kg Elektro(nik)altgeräten pro Einwohner und Jahr sicher erfüllt. Die real erreichte Quote schwankt dabei in den letzten Jahren um 8 kg pro Einwohner und Jahr. Weiterhin wies Kristine Sperlich darauf hin, dass die geforderten Sammelmengen sich zukünftig an der Menge der zuvor in den Markt gebrachten Geräte orientieren werden und sich dadurch voraussichtlich verschärfen werden. Andere wichtige Neuerungen nach der neuen WEEE-Richtlinie sind die Erhöhung der geforderten Recyclingquoten und die Einbeziehung des Einzelhandels in die Sammlung von Elektro(nik)altgeräten.

Sammelquote bei 7,74 kg Elektronikaltgeräte

Juulia Wolf (Dr. Brüning Engineering) präsentierte Struktur und Inhalte des Forschungsprojekt sowie dessen zentralen Erkenntnisse. In Rheinland Pfalz wurden im B2C Bereich über die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger 7,74 kg Elektronikaltgeräte pro Einwohner und Jahr gesammelt. Dies entspricht in etwa der Sammelquote für Deutschland, die bei ca. 8 kg liegt. Bei der Betrachtung einzelner öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger kommt es zu Schwankungen in der Sammelquote, die zwischen 4 kg und ca. 17 kg pro Einwohner und Jahr liegt. Die Gesamtmenge der über die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger gesammelten B2C Geräte in Rheinland-Pfalz liegt bei ca. 31.000 Tonnen.

Erstmalig wurde im Rahmen des Projekts auch der Verkauf von defekten Elektro(nik)geräten über die Auktionsplattform ebay während eines Jahres untersucht. Danach werden pro Jahr etwa 880 t defekte Geräte mit Erfolg verkauft, woraus sich deutschlandweit eine Menge von ca. 11 g gehandelten defekten Elektro(nik)geräten pro Einwohner ergibt.

Vollzug gegen Beraubung verstärken

Das Problem der Beraubung bei der Holsammlung fokussierte ein Beitrag von Wolfgang Peters (NOEX AG). Der Vortrag ging besonders auf die Beraubung von Kühlgeräten und das damit verbundene Umweltgefährdungspotential durch Entweichen des FCKWs ein. Ein im Rahmen der Holsammlung beschädigter Kompressor bedeutet in etwa eine Umweltbelastung, die einer Hin- und Rückfahrt von Deutschland nach Japan in einem Dieselfahrzeug entspricht. Herr Peters forderte eine Stärkung des Vollzugs und zeigte beispielhaft auf, wie eine Zusammenarbeit von Recyclingbetrieben, Verwaltungen und Polizei aussehen kann.

Im Rahmen der regionalen Schwerpunktsetzung stellten zwei Mitarbeiter der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz die Zusammenarbeit der Abfallwirtschaft mit gemeinnützigen Betrieben beim Betrieb von Sammelstellen für Elektro(nik)altgeräte vor. Die Abfallwirtschaft Mayen-Koblenz arbeitet mit zwei gemeinnützigen Betrieben zusammen, die je eine Sammelstelle für den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger betreiben. Dadurch können ca. 50 Mitarbeiter mit Beeinträchtigung am Arbeitsleben teilnehmen. Besonders betont wurde, dass dieses Modell die Akzeptanz der Sammelstellen in der Bevölkerung positiv beeinflusst.

Symbiose durch Netzwerk

Die Aufarbeitung von PC im industriellen Maßstab stellte Matthias Wilke (Geodis) vor. Im Asset Recovery Center in Nieder-Olm werden durch Geodis mehr als 280.000 PC pro Jahr wiederaufgearbeitet. Dabei handelt es sich schwerpunktmäßig um Leasingrückläufer. Geräte, die nicht wiederaufgearbeitet werden können, behandelt Geodis im angeschlossenen Entsorgungsfachbetrieb.

Um die Bedeutung regionaler Projekte in den Fokus zu rücken, stellten weiterhin Leonard Kockelmann (Meikowe GmbH) und Winfried Reis (Alibi Eifelservice gGmbH) ein regionales Wiederverwendungsnetzwerk im Eifelkreis Bitburg-Prüm vor. In diesem Netzwerk sind von der Kreisverwaltung die Betriebe der Elektroinnung mit der Sammlung und die Firma Meikowe mit der Sammlung und dem Recycling der Elektro(nik)altgeräte beauftragt worden. Wiederverwendungsfähige Geräte werden nach der Sammlung im Elektromeisterbetrieb Meikowe repariert und u.a. über das Second Hand Kaufhaus Alibi wiedervermarktet. Geräte zum Recycling werden im Entsorgungsfachbetrieb von Meikowe regional behandelt. Diese Symbiose bei Reparatur und Wiedervermarktung stellt ein einzigartiges positives Beispiel dar, dass sich besondere für eine Replikation in anderen Regionen anbietet.

Auf intakte Geräte angewiesen

Die besonderen Anforderungen des größten Recyclingbetriebes für Elektro(nik)altgeräte in Rheinland-Pfalz unterstrich Manfred Fahrner (ALBA Electronics Recycling GmbH). Er ging dabei u.a. auf die Entwicklung neuer Anlagentechnik am Beispiel Flachbildschirme ein. Eine automatisierte Behandlung der Geräte kann den Zerlegeaufwand deutlich reduzieren und vermindert den Kontakt der Mitarbeiter mit quecksilberhaltigen Bauteilen. Manfred Fahrner betonte, dass die Recyclingbetriebe, um diese Behandlung von Flachbildschirmen leisten zu können, auf die Anlieferung intakter Geräte angewiesen sind. Er forderte eine Sammlungsmethodik, die sich an Inhaltsstoffen, Umweltgefährdungspotential und notwendigen Behandlungsschritten orientiert.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch einen Ausblick auf das zukünftig mögliche Recycling von kritischen Metallen durch Dr. Christian Hagelüken (Umicore). Er verwies auf die wachsende Nachfrage nach Technologieprodukten, in denen kritische Metalle zum Einsatz kommen. Gleichzeitig gibt es z.Z. noch niedrige Recyclingraten für viele Technologiemetalle. Aus Elektro(nik)altgeräten werden z.B. rund 15 Prozent der eingesetzten Edelmetalle wiedergewonnen, so dass beim Recycling von Edel- und Sondermetallen noch großes Optimierungspotential besteht.

Insgesamt wiesen mehrere Referenten auf die Wichtigkeit der wertschonenden Erfassung zu Beginn der Entsorgungskette hin. Werden Geräte schon bei der Sammlung zerstört, werden Schadstoffen in die Umwelt freigesetzt und die nachfolgende Prozessschritte erschwert bzw. unmöglich gemacht. Eine weitere, mehrfach genannte aktuelle Herausforderung ist die sichere Erfassung und der Transports von Lithium-Ionen Akkus in Elektro(nik)altgeräten. Diese können ein besonderes Brandrisiko darstellen, wie mehrere Brände in verschiedenen Anlagen in der Vergangenheit gezeigt haben.

Quelle: Dr. Brüning Engineering