Österreichs Wellpappebranche: Recyclingquote bei 98,8 Prozent

1987
Pressekonferenz des forum wellpappe austria (Foto: © Christian Husar)

Wien (APA) – Die sieben österreichischen Hersteller von Wellpappe haben im Vorjahr mehr abgesetzt und erwarten auch für 2014 ein Wachstum. Dank Internetversand, der Zunahme von Singlehaushalten und strengerer Hygiene-Vorschriften in der EU fallen immer mehr Verpackungen an. Trotzdem ist der Margendruck in der Branche enorm. Die Unternehmen finden zudem schwer Lehrlinge.

„Der Rohstoff Holz ist heiss umkämpft“, erklärte Hubert Marte, Sprecher des Forum Wellpappe, gestern auf einer Pressekonferenz. Die Papierpreise seien in jüngster Zeit extrem gestiegen, sogar die Müllsammler in Entwicklungsländern bekämen für den „Wertstoff“ Altpapier immer mehr. Das drückt auf die Erträge der Wellpappehersteller, machten doch die Papierpreise 50 Prozent der Kosten aus. „Der Margendruck kann nur geringer werden, wenn wir die Kosten weitergeben können“, betonte Marte. Insgesamt sei die Branche in Österreich aber profitabel.

Mengenmäßig ist der Wellpappe-Inlandsmarkt 2013 von 366.536 auf 382.181 Tonnen gewachsen. Für 2014 rechnet Branchensprecher Marte mit einem Mengenwachstum und einem Absatzplus von 1,8 bis 2 Prozent. Im traditionell starken ersten Quartal habe man bereits um mehr als 5 Prozent zugelegt. Die Umsätze stiegen im Vorjahr nur leicht um 0,8 Prozent auf 471,6 Mio. Euro, davon entfielen knapp 274 Mio. Euro auf das Inlandsgeschäft.

Lehrkräftemangel bei Herstellern

Die Wellpappehersteller, die zusammen rund 1.800 Menschen in Österreich beschäftigen, versuchen seit längerem, ihr Image aufzupeppen – nicht zuletzt, um Lehrlinge anzuheuern. „Wir stehen in Konkurrenz mit attraktiven Branchen wie zum Beispiel Coca-Cola. Wir haben nicht diese Brand“, berichtete Hubert Donhauser von Dunapack Mosburger. Und die, die sich bewerben, sind vielfach nicht gut genug. „Wir haben circa 50 Bewerber im Jahr und nehmen im Schnitt drei bis vier auf.“ Die Qualität der Bewerbungen lasse zu wünschen übrig.

Noch schwieriger hat es der von Marte geführte Vorarlberger Hersteller Rondo Ganahl. Viele junge Leute aus dem Ländle zieht es nach Liechtenstein oder in die Schweiz, und Österreicher seien vielfach „nicht bereit, an der Maschine zu stehen“. Hinzu kämen Lernschwäche und fehlende Umgangsformen. „Wir müssen heute viele Ausbildungsaufgaben übernehmen, die früher die Familie übernommen hat“, erzählte Marte. Nach Lehrlingen sucht Rondo Ganahl jetzt auch in Spanien. „Wir finden so extrem wenige Elektriker und Schlosser.“ Der Lehrlingsanteil in dem Vorarlberger Unternehmen beträgt rund 10 Prozent, ebenso gering ist der Frauenanteil. In ganz Österreich bildet die Branche derzeit etwa 80 Lehrlinge aus.

Umweltverträglich und recyclingfähig

Auch das Öko-Argument bemüht der Branchenverband. 80 Prozent der Wellpappeverpackungen in Österreich bestünden aus Altpapier, das Holz komme aus der EU, die Recyclingquote liege bei 98,8 Prozent – auch dank der „phänomenal“ fleißigen Mülltrenner im deutschsprachigen Raum. Plastik könne da mit Recyclingquoten von 70 Prozent nicht mithalten. Wellpappe könne mindestens zehnmal wiederverwendet werden, ehe sie verbrannt wird oder verrottet. Die Plastikverrottungsdauer liege dagegen bei 500 Jahren. „Die moderne Verpackung muss heute qualitativ hochwertig, umweltverträglich und recyclingfähig sein“, betonte Hubert Marte.

„Der Lebensmittelhandel, an den rund ein Drittel der Wellpappe geht, sei bemüht, den Plastikanteil bei Verpackungen zu reduzieren“, unterstrich Hubert Marte. Vom EU-Plastiksackerlverbot wird die Branche aber kaum profitieren: „Ob das Plastiksackerl durch Wellpappe ersetzt wird, weiß ich nicht.“

Quelle: APA