Müllsammelschiff auf dem Weg zum nächsten Einsatz

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Seekuh in Aktion (Foto: One Earth - One Ocean e.V. (OEOO))

München-Garching / Hongkong — Die „Seekuh“, ein Müllsammelschiff der Umweltorganisation „One Earth – One Ocean“, soll in Kürze eine Müllsammelaktion in Hongkong starten.

Das Müllsammelschiff „Seekuh“ wurde Mitte November in Lübeck zerlegt, in vier Überseecontainer verstaut und ist seit Ende November per Containerschiff auf großer Fahrt nach Hongkong. Mitte Januar wird sie dort ankommen und wieder montiert. Anschließend startet One Earth – One Ocean in der Bucht von Hongkong seine Reinigungsaktion. Denn die Gewässer und Strände vor der 7,5-Millionen-Metropole sind stark vermüllt. Alleine im asiatischen Raum fallen über zwei Drittel des weltweiten Plastikmülls an. Die medial begleitete SEEKUH-Aktion Anfang des Jahres in Hongkong, die in einem offiziellen Empfang am 1. Februar 2018 im Hong Kong Maritime Museum (HKMM) gipfelt, soll zu mehr Umweltbewusstsein beitragen und das Konzept der „Maritimen Müllabfuhr“ in Asien bekannt machen.

Plastikmüll ist weltweit, aber vor allem in Asien, ein gewaltiges Problem. Studien wie jene der Ellen MacArthur Foundation („Rethinking the Future of Plastics“) belegen, dass mehr als 80 Prozent des Plastikmülls, der weltweit in die Meere gelangt, aus Asien stammen. Allein fünf Länder der Region sind demnach für rund 60 Prozent des Plastikmülls im Ozean verantwortlich. Neben China und Indonesien entsorgen die Philippinen, Thailand und Vietnam jährlich etwa 8 Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer. Es geht hier nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Mangelhaftes Umweltbewusstsein ist ein Problem aller Länder dieser Erde. Stattdessen sollen Lösungen für eines der größten globalen Umwelt-Probleme aufgezeigt und die Problematik vor Ort in Angriff genommen werden.

Hongkong mit etwa siebeneinhalb Millionen Einwohnern leidet unter einer enormen Müllflut: Mehr als 9.000 Tonnen Abfall kommen in Hongkong zusammen – täglich. Das ist mehr als in Superstädten wie Taipeh oder London. Eine Untersuchung der weltweit tätigen NGO Ocean Recovery Alliance hat kürzlich 125 so genannte Müll-Hot Spots rund um Hongkong ergeben, also schwere Verunreinigungen der Natur mit (Plastik-) Müll. Die gemeinnützige Umweltorganisation One Earth – One Ocean e.V. (OEOO) aus München, die seit nunmehr sechs Jahren an der Umsetzung ihres Konzepts einer „Maritimen Müllabfuhr“ arbeitet, hat deshalb sehr gerne die Einladung nach Hongkong angenommen, um auf das Problem Plastikmüll vor Ort aktiv zu bekämpfen. Der vollständig durch Spenden finanzierte Spezialkatamaran SEEKUH zum Sammeln von Plastikmüll hat eine Größe von etwa 12 x 10 Metern (L x B) und wiegt knapp acht Tonnen. Weil das Schiff zerlegbar ist, kann es per Frachtcontainer zu seinem Einsatz in Asien gebracht werden.

Natürlich kann ein Schiff die Welt nicht retten, wissen die Betreiber. Es geht ihnen vielmehr darum, Entscheidern aus Poltik und Wirtschaft vor Ort das Konzept der „Maritimen Müllabfuhr“ vorzustellen. Dieses verfolgt das Ziel, mit speziell von OEOO entwickelten Müllsammelschiffen unterschiedlicher Größe die Meere und Binnengewässer vom Plastikmüll zu reinigen. In einem ersten Schritt wird der sichtbare Plastikmüll mit Spezialkatamaranen abgefischt, sortiert und zerkleinert. Dieser wird dann recycelt oder in Öl rückverwandelt. Aus einer Tonne vorsortiertem Plastikmüll lassen sich so ca. 800 Liter schwefelfreies Heizöl rückgewinnen. Während Trennung und Recycling des Mülls heute noch an Land erfolgen, plant OEOO in den kommenden Jahren den Bau eines autarken Energieschiffes – den so genannten Seeelefanten. Dieses umgebaute Containerschiff mit Verölungsanlage an Bord produziert aus dem Plastikmüll Treibstoff und kann diesen entweder an Anrainerstaaten verkaufen oder als mobile Tankstelle auf hoher See dienen.

Unterstützer des Projekts in Hongkong
Die gesamte Aktion in Hongkong sowie der An- und Abtransport der SEEKUH wird durch Spenden finanziert. So trägt das Logistikunternehmen Kühne und Nagel die Kosten für den Transport per Containerschiff nach Hongkong. Die Firma Interpac Control GmbH kümmerte sich unentgeltlich um die fachgerechten Verpackung der SEEKUH in den Containern. Das multinationales Wirtschaftsunternehmen Li & Fung unterstützt bei der Abwicklung vor Ort.

„Mit der Reinigungsaktion in Hongkong zeigt One Earth – One Ocean e.V., dass wir es nicht bei Absichtserklärungen à la UN Meereskonferenz belassen, sondern dass wir weltweit aktiv sind in Sachen Meeresmüll“, betont Günther Bonin, Gründer und Entrepreneur des Vereins. „Umso mehr freuen wir uns über das rege Interesse und die Unterstützung in Hongkong. Unser Konzept der „Maritimen Müllabfuhr“ ist nachhaltig, global skalierbar, energieorientiert, von Menschen für Menschen und vor allem schon heute anwendbar. Wir hoffen, dass die Wirtschaft vor Ort unsere Ideen aufgreift und sie für ihre Region anwendet, denn Plastikmüll ist letztlich auch ein Rohstoff, mit dem sich Geld verdienen lässt. Solange das aber in den Köpfen der Menschen nicht angekommen ist, werden wir weiterhin jedes Jahr Millionen Tonnen Plastik in die Umwelt kippen.“

Quelle: One Earth – One Ocean e.V. (OEOO)

Über die Organisation:
One Earth – One Ocean e. V.
Die Umweltorganisation One Earth – OneOcean mit Sitz in München Garching hat das Ziel, Gewässer vom Plastikmüll, aber auch Öl und Schadstoffen zu befreien. Bereits heute schwimmen auf den Weltmeeren riesige Teppiche aus Plastikmüll, der größte davon im Pazifik ist so groß wie Mitteleuropa, d.h. wie Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen, Luxemburg, Ungarn und Tschechien zusammen. Schreitet die Verschmutzung im derzeitigen Tempo weiter voran, werden die Meere in wenigen Jahren vollständig vermüllt sein.

Gründer von One Earth – One Ocean (OEOO) ist Günther Bonin, ehemals Inhaber einer IT-Firma und passionierter Segler. Seine Vision der „maritimen Müllabfuhr“ gliedert sich in mehrere Stufen: In einem ersten Schritt wird der Plastikmüll mit speziell von ihm entwickelten Geräten auf den Meeren eingesammelt, sortiert und zerkleinert. Trennung und Recycling des Mülls erfolgt an Land. In einer späteren Phase soll das gesammelte Plastik direkt an Bord von Tankern in Öl rückverwandelt werden. Aus einer Tonne Plastik lassen sich ca. 800 Liter Öl rückgewinnen. Seit 2015 hat Bonin sein IT-Unternehmen umgewidmet in eine AG zur Reinigung von Gewässern, um den Verein administrativ zu unterstützen.

2013 wurde One Earth – One Ocean e.V. für sein Konzept der Maritimen Müllabfuhr mit dem renommierten GreenTec Award 2013, Europas größtem Umwelt- und Wirtschaftspreis, ausgezeichnet. 2016 folgte die Nominierung für den Bundespreis ecodesign, der höchsten Auszeichnung für ökologisches Design in Deutschland. 2018 schließlich ist der Verein für den Ocean Tribute Award von Fürst Albert II. von Monaco nominiert, der die innovativsten und nachhaltigsten Ideen zum Thema Meeresschutz auszeichnet.