Interview: Was erwartet die Abfallwirtschafts-Branche von der Zentralen Stelle?

1634
Peter Kurth (Foto: BDE)

Osnabrück — Die Kreislaufwirtschaft ist heute mit rund 267.000 Beschäftigten, rund 70 Mrd. € Umsatz und einer Bruttowertschöpfung von rund 25 Mrd. € eine der wichtigsten Branchen der bundesdeutschen Umweltwirtschaft, deren wirtschaftliche Entwicklung deutlich dynamischer verläuft als die Entwicklung der Gesamtwirtschaft. Die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZS) erfüllt dabei eine zentrale Rolle, um die Wachstumsperspektiven der Branche inklusive der dynamischen Nachfrage nach Sekundärrohstoffen weiter zu unterstützen und auszubauen. Welche Erwartungen die Branche an die ZS hat, erläuterte BDE-Präsident Peter Kurth im Interview.

Welche Erwartungen haben die mittelständischen Unternehmen der Entsorgungswirtschaft an die Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsverordnung (ZS)?


Kurth: Bereits im Planspiel zum Wertstoffgesetz waren sich alle Beteiligten darüber einig, dass es einer Zentralen Stelle bedarf. So ist es jetzt nur auch folgerichtig, dass die Einrichtung einer Zentrale Stelle ein wesentliches Element des neuen Verpackungsgesetzes ist. Für die Entsorgungswirtschaft ist die Zentrale Stelle als öffentlich beliehene Stiftung die entscheidende Koordinierungsstelle für eine erfolgreiche Fortführung der Erfassung, Sortierung und Verwertung der Verpackungsabfälle. Mit der Einrichtung der Zentralen Stelle ist eine wichtige Voraussetzung dafür geschaffen, dass die Entsorgungswirtschaft die notwendigen Investitionen tätigen kann.

Die Einrichtung der ZS soll eine neue Transparenz bei den Datenströmen und bei der Definition von Standards in der Kreislaufwirtschaft bringen. Was bedeutet das für die Branche?

Kurth: Die Transparenz der Datenströme und die Definition von Standards sind ganz wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung des Verpackungsgesetzes. Nur so können alle Beteiligten der privatwirtschaftlichen Verpackungsentsorgung das notwendige Vertrauen zurückgewinnen. Insbesondere die Vertragsgestaltung zwischen Inverkehrbringern und Systembetreibern benötigt einen neuen Rahmen, der durch den Einsatz der Zentralen Stelle ermöglicht werden kann.

Welche Faktoren sind aus Ihrer Erfahrung jetzt die entscheidenden, um die hohen Anforderungen des VerpackG an die Recyclingquoten zu erreichen?


Kurth: Die ambitionierten Recyclingquoten sind nur erreichbar, wenn alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette effizient und wirkungsvoll miteinander kooperieren. Die Zentrale Stelle kann hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten, indem ein Rahmen geschaffen wird, der dafür sorgt, dass die vielfältigen Vertragsstrukturen so ineinandergreifen, dass das eigentliche Ziel des Verpackungsgesetzes, höhere Quoten und damit das Schaffen einer echten Kreislaufwirtschaft, auch wirklich zum Tragen kommt. Hierzu bedarf es vielfältiger Anreizsysteme an der richtigen Stelle.

Wie beurteilen Sie den Aufgabenbereich der ZS mit Blick auf die Diskussion einer europäischen Kunststoffstrategie?

Kurth: Wenn das deutsche Modell des Verpackungsgesetzes mit der Einrichtung einer Zentralen Stelle Erfolg hat, hat dies sicherlich auch eine Vorbildfunktion für die europäische Kunststoffstrategie. Das kann letztlich nur gelingen, wenn sich die europäischen Märkte entlang der Wertschöpfungskette so umbauen, dass echte Kreislaufwirtschaft gelingt. Schon der Hersteller muss die Recyclingfähigkeit bei der Produktion berücksichtigen und der Hersteller ist es auch, der vermehrt Recyklate einsetzen muss. Dies kann er nur, wenn es viele engagierte Dienstleister auf allen Ebenen der Wertschöpfung gibt, die wiederum Rahmenbedingungen brauchen, um ihrerseits umfassend in neue Technologien und Prozesse zu investieren.

Welche Rolle spielen dabei die Verbraucher?

Kurth: Um die Ziele des Gesetzes zu erreichen, müssen schon die Konsumenten noch genauer trennen und Fehlwürfe vermeiden. Die Verbreitung dieses Bewusstseins und Know-hows erfordert eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit. Denn ein Teil des Erfolgs beruht auf der deutschen Sammelleidenschaft.

Quelle: Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister

Anzeige