Ukraine-Krise: Unsicherheiten bei Rohstoffpreisen

1556
Geshreddertes Kupfer (Foto: Kroll/Recyclingportal.eu)

Düsseldorf — Die Weltrohstoffpreise haben sich auf Dollarbasis im April 2014 um knapp ein Prozent erhöht. Aufgrund eines weitgehend stabilen Euro-Wechselkurses fiel der Anstieg in Inlandswährung in der gleichen Größenordnung aus. Vor allem die Unsicherheit der Ukraine-Krise und mögliche Wirtschaftssanktionen gegen Russland prägten die Diskussion. So zogen etwa die Nickelpreise kräftig an, da immerhin fast 30 Prozent der westlichen Lieferungen aus Russland kommen. Dieser Effekt wurde durch die Exportbeschränkungen für indonesische Nickelerze weiter verstärkt, die primär den Weltrohstoffpreisindex und Wechselkurs chinesischen Markt bedienen und die essenziell für die chinesische Edelstahlproduktion sind.

Dagegen ist die Versorgungslage mit Rohöl derzeit noch entspannt, was sich Lieferunterbrechungen aus Russland jedoch schnell ändern könnte. Das meldet die IKB Deutsche Industriebank in ihrer neuesten Rohstoffpreis-Information.

Im ersten Quartal 2014 expandierte die globale Stahlproduktion um 2,5 Prozent, während die europäischen Hersteller mit einem Anstieg von fast 7 Prozent ihre Vorjahresverluste kompensierten. Die deutschen Anbieter legten um über 4 Prozent zu. Die Schrottpreise zogen wie erwartet um über 5 Prozent an. Die Erzpreise setzten ihre Erholung weiter fort. Hieraus ergibt sich ein leichter Preisanhebungsbedarf. Die Weltstahlpreise legten mit Ausnahme baunaher Produkte geringfügig zu. In Europa sanken aus Sorge um die Ukraine die Preise unter das Vormonatsniveau . Tendenz: Bei europäischen Flachprodukten ist bis Ende des zweiten Quartals ein Preisanstieg von bis zu 2,5 Prozent, bei Langprodukten von +1,5 Prozent zu erwarten.

Bis Ende März 2014 ist die globale Primäraluminium-Produktionum gut 3 Prozent gewachsen: China und die Golfregion legten kräftig zu, während Westeuropa stagnierte. Osteuropa verbuchte infolge der Ukraine-Krise einen Rückgang von 11 Prozent. Für 2014 bleibt die IKB bei ihrer Primäraluminiumproduktions-Prognose von 49 Mio. t. Die Lagerbestände an der LME sanken zwar, ihr Niveau verhindert jedoch einen nachhaltigen Preisanstieg. Zuletzt hat sich die investive Nachfrage leicht vermindert. Die IKB sieht im Verlauf des zweiten Quartals einen leichten Aufwärtstrend für Primär- wie auch für Sekundäraluminium-Preise. Diese dürften weiter über dem Niveau von Primäraluminium liegen. In der Tendenz ist mit einer Bewegung bis Ende zweites Quartal 2014 um 1.800 US-$/t in einem Band von 150 US-$ zu rechnen.

Im Januar 2014 hat infolge starker Orders aus China die weltweite Nachfrage nach Kupfer um 11 Prozent zugelegt. Für 2014 erwartet die IKB einen Verbrauchsanstieg von rund 3,5 Prozent. Obwohl die Kupferminenproduktion (+4,5 Prozent) wie auch die Raffinadeerzeugung (+4 Prozent) angezogen haben, ist ein Angebotsdefizit entstanden. Zudem wurden die Lagerbestände an der LME und vor allem an der SHFE kräftig abgebaut; diejenigen an der Comex sind nur noch gering. Insgesamt reichen diese für rund eine Woche. Die investive Nachfrage hat zuletzt wieder abgenommen; im April 2014 sank die Anzahl der Handelskontrakte um rund 10 Prozent. Tendenz: In den nächsten drei Monaten sieht die IKB eine Bewegung des Kupferpreises um die 6.900 US-$/t in einem Band von 400 US-$.

Quelle: IKB Deutsche Industriebank