Abfall ist ihr Geschäft: Beschaffungsmanager als Pioniere der Kreislaufwirtschaft

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Verbrauchte Fischernetze (Foto: jackmac34 / Pixabay)

Arco/ Berlin — Die Herausforderung der Kreislaufwirtschaft besteht für viele Unternehmen in der Umsetzung qualitätssichernder Recyclingprozesse. Was in Branchen wie zum Beispiel in der kommunalen Entsorgung deutlich einfacher funktioniert, lässt sich für Unternehmen mit starker Abhängigkeit von bestimmten Rohstoffen meist schwieriger adaptieren. Hier kommt der Recyclingmanager oder Beschaffungsmanager ins Spiel: einerseits, um innerhalb des Unternehmens für die Anforderungen des Recyclingprozesses Verständnis zu schaffen, und um andererseits sicherzustellen, dass entlang der Wertschöpfungskette möglichst alle Optionen identifiziert werden, bei denen Rohstoffe effizienter genutzt werden können.

Beschaffungsmanager sind im Nachhaltigkeitsbereich aufgerufen, vorhandene Denkweisen aufzubrechen und mittels neuer Technologien in zukunftsweisende Richtungen zu lenken. Als treibende Kraft verantworten sie die Suche nach neuen Materialien oder die Optimierung der Ressourcennutzung für wirtschaftliche aber auch soziale Effekte. Angesichts dieser Aufgabe bewegen sie sich nicht nur auf dem technischen Parkett, sondern ergänzen den Einkauf und die Produktentwicklung mit Impulsen für potenzielle Lieferanten und zukünftige Trends bestimmter Materialien, um neue Maßstäbe im Produktlebenszyklus und damit auch letztendlich in der Kundenzufriedenheit zu setzen.

Innovator mit Vorbildcharakter

Doch Beschaffungsmanager ist nicht gleich Beschaffungsmanager: Ein einheitliches Rollenprofil hat sich innerhalb der Kreislaufwirtschaft noch nicht durchgesetzt und variiert von Unternehmen zu Unternehmen als auch branchenübergreifend. Denn die Bandbreite an Aktionsfeldern ist vielseitig und auch abhängig von den Einsatzorten innerhalb der Organisationsstruktur selbst.

So wie beispielsweise bei Ranko Kurtovic: Als Beschaffungsmanager ist er immer auf der Suche – nach den besten Deals, den vielversprechendsten Quellen und nach neuem Material. Von seinem Schreibtisch aus hält er Kontakt in die entferntesten Winkel der Welt. Was ihn antreibt? Das Wissen, mit seiner Arbeit noch immer Pionierarbeit zu leisten. Er ist Beschaffungsmanager im Nachhaltigkeitsbereich im Econyl-Regenerationsprozess: Dieser wurde vom Nylon-Produzent Aquafil in einem fünfjährigen Prozess entwickelt zur Produktion von hochwertigem Nylon-6 auf Basis von Fischernetzen, Industrieabfällen sowie alten Textil- und Teppichresten. Das Recycling von Fanggeräten steckt aber noch in den Kinderschuhen.

Von Umweltjobs überzeugt

Im Umweltsektor sind viele der heutigen Karrieren noch relativ neu. Der Bereich der Umweltjobs gehört zu den am schnellsten wachsenden Arbeitsmärkten; er reicht von Umweltrecht über Politik und hochtechnische und wissenschaftliche Tätigkeiten in den Bereichen Umwelttechnik, Biologie, Chemie und Architektur und bis zu den Unternehmen selbst.

Guilio Bonazzi, Initiator des Econyl-Regenerationssystems und CEO von Aquafil, ist von der Relevanz sogenannter Umweltjobs überzeugt: „Nicht nur aus ökologischen und rechtlichen Gründen sollte Europas Industrie umdenken. Wiederverwertung und Ressourceneffizienz bedeuten auch weniger wirtschaftliche Abhängigkeit von ressourcenreicheren Ländern und immer teurer werdenden endlichen Rohstoffen. Somit sollte Kreislaufwirtschaft besonders bei Unternehmen mit starker Abhängigkeit von bestimmten Rohstoffen eine umso größere Bedeutung auf der strategischen Ebene haben.“

Quelle: Aquafil S.p.A.