Das Plastik-Problem: EU will Kunststoffstrategie veröffentlichen

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Kunststoffballen (Foto: Petra Hoeß, FABION Markt + Medien / abfallbild.de)

Köln — Um der Berge an Plastikmüll Herr zu werden, will die EU im Dezember eine Kunststoffstrategie veröffentlichen. Viel zu tun gibt es allemal. Schätzungen zufolge wird mindestens ein Viertel der weltweiten Kunststoffproduktion für Verpackungen benötigt, und diese landen früher oder später in der Tonne – auch in Europa. In der EU hat der Plastikverpackungs-Müll von 2005 bis 2015 um 12 Prozent zugenommen – in Deutschland sogar um 29 Prozent. Deshalb arbeitet die EU an einer Kunststoffstrategie, die Anfang Dezember veröffentlicht werden soll.

Bundesbürger produzieren viel Plastikmüll

Mit einem Aufkommen von gut 37 Kilogramm Plastikverpackungsabfall je Einwohner liegt Deutschland mehr als 6 Kilogramm über dem EU-Durchschnitt.

Selbst manche Mitgliedsländer mit einer vergleichbar hohen Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung verursachen weniger Plastikmüll, so etwa Österreich und Dänemark, vor allem aber die Niederlande und Schweden. Überdies ist es einigen, wie den Niederlanden, Spanien und Italien, anders als Deutschland seit 2005 sogar gelungen, ihre Menge an Plastikverpackungsmüll je Einwohner zu reduzieren.

Zu erklären ist Deutschlands schlechte Performance in Sachen Plastikvermeidung zu einem Teil wohl auch dadurch, dass der Mehrweganteil an den Getränkeverpackungen trotz Pfand seit Jahren zurückgeht. Lag er 2006 noch bei fast 60 Prozent, waren es 2015 nur noch knapp 46 Prozent.

Quelle: ©IW Medien / IDW

Mülldeponien sind das größte Problem

Zum europäischen Buhmann taugt die Bundesrepublik trotzdem nicht. Denn beim Thema Recycling gehört sie zu den Besseren: Hierzulande wird fast die Hälfte des Plastikverpackungsmülls aufbereitet – im EU-Schnitt beträgt die Recyclingquote nur 40 Prozent. Die eigentliche Dramatik offenbart sich aber erst beim Blick auf die restlichen Kunststoffverpackungen: Während in Deutschland so gut wie alles nicht recycelte Plastik immerhin energetisch genutzt wird, wird es andernorts noch viel zu häufig auf Deponien verfrachtet. In Griechenland, Polen und Lettland zum Beispiel betrifft dies mehr als 60 Prozent des Plastikmülls. Und Plastik, das weder recycelt noch verbrannt wird, endet – vom Winde verweht oder im Fluss fortgespült – oftmals im Meer.

Das Plastikproblem in den Griff bekommen

Kunststoffabfälle möglichst vermeiden und mehr wiederverwerten – so will die EU das Plastikproblem in den Griff bekommen. Nach derzeitigem Stand strebt die EU-Kommission bis 2025 eine Recyclingquote für Plastikverpackungen von 55 Prozent an. Die Eckpunkte der Strategie will:

  1. Plastikabfälle vermeiden
  2. Recyclingfähigkeit von Produkten verbessern
  3. den Markt für Recycling-Plastik stärken
  4. Mülltrennung und -sortierung stärken und
  5. schleichendes Vermüllen vermeiden

Quelle: IDW – Institut der deutschen Wirtschaft