Potentialabschätzung: „Abfälle“ könnten wiederverwendbare Güter werden

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Secondhand-Laden (LoboStudioHamburg / Pixabay)

Augsburg — Allein in Bayern könnten alljährlich 33.000 Tonnen Elektroaltgeräte so gut erhalten werden, dass sie einer weiteren sinnvollen Verwendung zugeführt werden könnten. Das wäre möglich durch Umsetzung gezielter Maßnahmen, mit denen sich ausgewählte Abfallströme für die Wiederverwendung vorbereiten ließen. So lautet eines der Ergebnisse, die die Forschungen des Resource Labs der Universität Augsburg im Rahmen der seit 2015 bearbeiteten Studie „Potentialabschätzung ausgewählter Abfallströme für die Vorbereitung zur Wiederverwendung“ erbracht haben. Am 14. November 2017 wurden diese Ergebnisse auf einer Fachtagung an der Universität Augsburg von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft präsentiert.

Der Ist-Stand in Sachen Wiederverwendung spiegelt sich wider in einigen gut funktionierenden Beispielen, etwa im Projekt „Halle 2„, einem Gebrauchtwarenkaufhaus der Stadt München, oder auch im Konzept „Wertstoffhof 2020„, das die ia GmbH und das Fraunhofer Institut UMSICHT in Kooperation mit 96 Städten, Landkreisen und Gemeinden entwickelt haben.

Wieviel Wiederverwendungspotential steckt in welchem Abfall?

„Um auf den hier erfolgreich eingeschlagenen Wegen voranzukommen, ist es von entscheidender Bedeutung zu wissen, wieviel Wiederverwendungspotential die unterschiedlichsten Abfallströme bergen – von den Altkleidern über Gebrauchtmöbel und Freizeitgeräte bis hin zum Elektro- und Elektronik-Schrott“, betonte Prof. Dr. Armin Reller. Der Chemiker und Inhaber des Augsburger Lehrstuhls für Ressourcenstrategie leitet gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Axel Tuma (Lehrstuhl Production & Supply Chain Management) das Augsburger Resource Lab.

Um eine konkrete Antwort auf die Frage zu finden, in welchem Umfang bestimmte Abfallströme durch entsprechende Vorbereitung einer Wiederverwendung zugeführt werden könnten, hat die Resource Lab-Studie in einer Stichprobe aus über 60 Wertstoffhöfen verschiedener Strukturklassen über 5.000 Güter analysiert. Auf dieser Grundlage wurden Potentiale und Szenarien berechnet, aus denen sich Handlungsempfehlungen ableiten lassen, um in einem anwendungsorientierten Leitfaden der Praxis verfügbar gemacht werden zu können.

Bei Einwurf oder durch Lagerung zum Abfall

Gütern zu einer längeren Lebensdauer und Nutzungsphase verhelfen zu wollen, heißt Möglichkeiten ihrer Wiederverwendung zu erhalten und zu gewährleisten. „Dieser Einsicht“, so Tuma, „steht z. B. entgegen, dass etwa im Prinzip gut erhaltene Elektrogeräte, der Witterung ausgesetzt werden, die ihnen dann gewissermaßen ‚den Rest gibt‘; oder dass z. B. Gebrauchtmöbel auf Wertstoffhöfen mit dem Radlader ‚verdichtet‘ und damit tatsächlich zu Abfall vernichtet werden.“ Die Studie habe gezeigt, dass in Großstädten die Güter insbesondere beim Einwurf in die Sammelcontainer irreparablen Schaden nähmen, während in Kleinstädten und ländlichen Kommunen in erster Linie die ungeschützte Lagerung das Problem sei.

Tuma ist sich sicher: „Wenn diese Probleme des Einwurfs und der Lagerung mit geeigneten Maßnahmen angegangen würden, könnten allein in Bayern rund 30 Prozent des gesamten Aufkommens an Elektroaltgeräten so gut erhalten werden, dass ihre Vorbereitung zur Wiederverwendung möglich wäre. Wir würden uns nicht nur 33.000 Tonnen Elektroschrott und damit den Verlust wertvoller Ressourcen ersparen, sondern auch den Ausstoß von Treibhausgasen und alle damit verbundenen Schäden für Mensch und Umwelt verringern.“

Reller und Tuma sind überzeugt, mit den Ergebnissen ihrer Studie eine wichtige Etappe markiert zu haben, denn: „Die Verankerung der Vorbereitung zur Wiederverwendung als zweite Hierarchiestufe der europäischen Abfallrahmenrichtlinie wird für die Realisierung einer nachhaltigen, ressourceneffizienten und damit langfristig wettbewerbsfähigen Wirtschaft ein gewichtiger Impuls sein.“

Mit 200.000 Euro gefördert

Das Resource Lab der Universität Augsburg ist eine Forschungsgruppe an der Schnittstelle der Disziplinen Production & Supply Chain Management und Ressourcenstrategie, die sich seit 2013 unter anderem mit Fragen des Abfallmanagements und der Quantifizierung von Stoffströmen befasst. Bereits 2015 wurde ein vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz finanziertes Vorgängerprojekt mit der Präsentation eines „Leitfadens zur kommunalen Abfallvermeidung“ erfolgreich abgeschlossen. Mit rund 200.000 Euro wird auch die aktuelle, noch bis Ende 2017 laufende Studie „Potentialabschätzung ausgewählter Abfallströme für die Vorbereitung zur Wiederverwendung“ vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gefördert.

Quelle: Universität Augsburg