Altölmarkt weiter umkämpft – Nur ein freier Markt schafft Anreize für mehr Qualität

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Foto: Christa Nöhren / pixelio.de

Bonn – Entgegen dem Trend der vergangenen Jahre konnten die konzernunabhängigen Sammler von Altöl im Jahr 2013 ihre Erfassungsmengen um 2 Prozent steigern. Das teilt der Ausschuss Altöl des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V. als Ergebnis seiner letzten Mitgliederumfrage mit.

Diese Steigerung wurde ermöglicht durch einen Aufschwung in der Automobilindustrie und der Verarbeitenden Industrie. Insbesondere die zu entsorgenden Mengen an Motoren-, Kühl- und Schmierstoffen wurden gesteigert. Für das Jahr 2014 erwarten die Altölsammler eine moderate Ausweitung ihrer Sammelmenge. Allerdings besteht nach Einschätzung der Sammelunternehmen die Gefahr, dass ein Konjunktureinbruch zu einem überproportional starken Rückgang der Erfassungsmenge führt.

Angespannte Situation auf Altölraffineriemarkt
Nach wie vor ist der deutsche Altölmarkt hart umkämpft. Alle Sammelunternehmen, auch diejenigen, welche zu Altölraffinerien gehören, konkurrieren um die im In- und Ausland gesammelten Altöle mit aller Härte. Auch im weiterverarbeitenden Raffineriesektor wird jeden Tag um „jeden Tropfen“ Altöl gerungen, da die Aufbereitungskapazitäten wesentlich größer sind als die im Inland vorhandenen Mengenströme. Durch diese außerordentliche Wettbewerbssituation ist die Vergütung für Altöl der Kategorie I (Altöle, die zu Basisölen verarbeitet werden) weiter angestiegen, was für eine funktionierende Marktwirtschaft spricht. Im krassen Gegensatz hierzu konnten Altölraffinerien, die Basisöle herstellen, weniger für ihre Schmieröle und die anfallenden Koppelprodukte erzielen. Dieser Umstand sorgt für eine angespannte Situation bei einigen europäischen Altölraffinerien. So meldete die Branche im Frühjahr dieses Jahres die erste Insolvenz einer Altölraffinerie. Auch wenn dieser Produktionsbetrieb künftig vom Markt genommen werden sollte, ist die Aufarbeitungskapazität in Bezug zu den Sammelmengen noch zu hoch. Der bvse-Ausschuss Altöl ist der Überzeugung, dass der Wettbewerb sich weiter zuspitzen wird. Eine weitere Marktbereinigung kann somit nicht ausgeschlossen werden.

Wettbewerb schafft Anreize für mehr Qualität
Vor diesem Hintergrund kommen seit einigen Jahren Forderungen einzelner Marktteilnehmer nach einer staatlich normierten Überwachungspflicht auf. In diesem Zusammenhang gibt es immer wieder spitzfindige Versuche, die Funktionalität des Altölverwertungsmarktes in Frage zu stellen, beispielsweise mit dem Argument, es werde zu viel Altöl verbrannt. Dieses ist jedoch so nicht zutreffend. Der Bedarf für eine hochwertige energetische Verwertung wird in erster Linie durch die ca. 20 bis 30 Prozent des Altölaufkommens abgedeckt, welches aufgrund seiner Qualitätseigenschaften nicht zu Basisölen aufgearbeitet werden kann oder dessen Aufbereitung zu Basisölen unrentabel ist. Des Weiteren wird von interessierten Kreisen immer wieder behauptet, dass die bei den Raffinerien anfallenden Heizöl- und Dieselmengen (Gasöle) der Verbrennung zuzurechnen seien, da diese genau wie einige Altöle indirekt verbrannt würden. Diese Betrachtung ist jedoch irreführend, da es sich hier um Koppelprodukte handelt, die zwangsläufig bei der Herstellung von Basis- oder Schmierölen anfallen.

Nach Meinung von Guido Schmidt, Vorsitzender des bvse-Ausschusses Altöl, ist eine solche Diskussion nicht zielführend und soll lediglich als Vehikel dienen, den fairen Wettbewerb einzuschränken und Mengenströme in die eine oder andere Richtung zu lenken. Der Wettbewerb sowie das Nebeneinander der stofflichen und energetischen Verwertung gewährleistet nachhaltig, den besten Einsatz für den jeweilig anfallenden Altölstrom zu finden. „Nur ein freier Markt schafft Anreize, die Sammelqualität und damit die Verwertungsquote weiter zu verbessern“, ist Guido Schmidt überzeugt.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.