Entgegen ECHA-Empfehlung: bvse unterstützt Initiative Pro Titandioxid

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Mundschutz (Foto: © Paul-Georg Meister / http://www.pixelio.de)

Bonn — Der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA hat empfohlen, das Weißpigment Titandioxid als „einen Stoff mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung beim Menschen“ durch Einatmen einzustufen. Das stößt auch in der Recycling-Branche auf Kritik.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) kommt nach eigener Einschätzung zu einem anderen Ergebnis: „Die Bewertung ist aus toxikologischer Sicht nicht nachvollziehbar und führt zu einer großen Verunsicherung der Verbraucher. Außerdem hat die Bewertung gravierende Auswirkungen auf die betroffenen Industriebranchen“, betonte Gerd Romanowski, VCI-Geschäftsführer Technik und Umwelt.

Diese Auswirkungen würden auch die Recycling-Branche treffen, beispielsweise im Schrott-, Mineralik-, Kunststoff- oder auch Altpapierbereich. Deshalb hat der bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung entschieden, sich zusammen mit vielen anderen betroffenen Wirtschaftsverbänden aktiv gegen die vorgeschlagene Einstufung zu engagieren. Am 27. Oktober hat dazu ein Strategietreffen stattgefunden, an dem für den bvse Dr. Thomas Probst teilgenommen hat.

Ausgegangen ist die Diskussion von Frankreich. Der französische Vorschlag stützt sich dabei auf Studien an Ratten, die extrem hohe Konzentrationen an Titandioxid-Staub inhaliert hatten. Dies führte zu sogenannten Lungenüberladungen (lung overload) durch das Einatmen von Staubpartikeln.

Allerdings: Alle relevanten Leitlinien der ECHA, der OECD und des Europäischen Zentrums für Toxizität und Ökotoxizität stellten übereinstimmend fest, dass Ergebnisse aus derartigen Lung-overload-Studien an Ratten jedoch nicht auf den Menschen übertragbar sind. „Entzündungsprozesse in der Lunge können durch das Einatmen von Staubpartikeln entstehen, die nicht vom Körper abgebaut werden. Sie sind daher keine spezielle Eigenschaft von Titandioxid, sondern charakteristisch für Stäube“, erläuterte Romanowski. Und ergänzte: „Stäube treten vor allem am Arbeitsplatz auf. Die vorhandene Regelung im Arbeitsschutz über den allgemeinen Staubgrenzwert ist daher das geeignete Instrument, die Gesundheit des Menschen zu schützen.“

Titandioxid ist das am häufigsten verwendete Weißpigment. Aufgrund seiner hervorragenden technischen Eigenschaften findet es breite Verwendung in fast allen Branchen und Wertschöpfungsketten: zum Beispiel in Farben, Lacken, Kunststoffen oder bei der Papierherstellung. In der Regel ist Titandioxid in eine Matrix wie Bindemittel und Kunststoff gebunden. Es liegt somit nicht als Staub vor, sodass eine sichere Anwendung gewährleistet ist.

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.