Kunststoffrecycling: von geringem ökologischen Nutzen oder vorteilhaft ?

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Ballen von Kunststoff-Verpackungen (Foto: ©Petra Hoeß, FABION Markt + Medien / abfallbild.de

Bern, Schweiz — Durch separate Kunststoffsammlungen profitieren nicht nur die Umwelt, sondern auch die Konsumenten. Eine Meta-Studie, welche die neun wichtigsten Studien zum Kunststoffrecycling aufgearbeitet hat, kommt zum klaren Schluss, dass der ökologische Mehrwert der separaten Kunststoffsammlungen unbestritten ist und sammelwillige Konsumenten finanziell profitieren können. Diese Interpretation wird jedoch bezweifelt.

Das Forschungsbüro EBP und das Institut für Wirtschaftsstudien Basel IWSB kommen im Auftrag des Vereins Kunststoffrecycling Schweiz (VKRS) und cemsuisse, dem Verband der Schweizerischen Cementindustrie, in einer Analyse von neun wichtigen Studien zum Kunststoffrecycling zum Schluss, dass sämtliche Studienergebnisse einen Umweltnutzen ausweisen. Auch bei einer stofflich tiefen Verwertungsquote ist der ökologische Mehrwert gross: Dies, weil die Ergänzung der stofflichen Verwertung mit einer thermischen Verwertung in Zementwerken ebenfalls ökologisch von Vorteil ist. Dieses Ergebnis sei auch im Schlussbericht der Studie „Kunststoff Recycling und Verwertung“ (KuRVe) dargelegt worden.

Nur geringer ökologischer Nutzen

Im Juli 2017 hatten Swiss Recycling, der Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen VBSA und die Organisation Kommunale Infrastruktur OKI das anders interpretiert. in einer Pressemitteilung erklärten sie: „Die getrennte Sammlung von rezyklierbaren Abfällen ist besser als die gemischte Sammlung. Die Studie ‚KuRVe‘ bestätigt einen wichtigen Grundsatz der Schweizer Abfallpolitik. Dies gilt gemäss der Studie auch für Kunststoffe: Unter dem Strich hat die gemischte Sammlung von Kunststoffabfällen bei hohen Kosten einen nur geringen ökologischen Nutzen. Mit dem Studienergebnis sehen sich die Recyclingverbände der öffentlichen Hand und der Wirtschaft in ihrer Position bestätigt: Es sollen nur Recycling-Fraktionen gesammelt werden, die nachweisbar rezykliert werden können.“

Einseitige Kommunikation zur KuRVe-Studie

Die Kommunikation zur KuRVe-Studie von Mitte Juli 2017 war einseitig, kontern jetzt EBP und IWSB: Gewisse Akteure hätten den ökologischen Nutzen einer separaten Sammlung als vergleichsweise gering und teuer kritisiert. Diesen Folgerungen stünden jedoch Ergebnisse früherer Studien sowie teilweise auch jene von KuRVe selber gegenüber: Konkret würde die KuRVe-Studie den ökologischen Effekt einer separaten Kunststoffsammlung als etwa gleich hoch wie jenen des Glasrecyclings bezeichnen.

Schwachpunkte bei der KuRVe-Studie orten die Autoren der Meta-Studie indessen bei den ökonomischen Berechnungen. So seien die Nettokosten nicht nachvollziehbar und Interpretationen bezüglich Ökoeffizienz konzeptionell unzulässig. Aus Sicht der Konsumenten liege es auf der Hand, dass sie von günstigeren Kosten profitieren können, wenn sie den Kunststoff von anderen Abfällen trennen. Die zusätzlichen Kosten für diese Trennung seien entweder nahe Null (Rücknahme via Detailhändler) bzw. mit den aktuellen Kunststoffsammelsack-Preisen teilweise deutlich günstiger als die Abfallsack-Gebühren.

Von ökologischen Verbesserungen profitieren

Für die Müllverbrennungsanlagen führt die neue Konkurrenz zu einer Fokussierung auf Effizienz. Durch die Entkoppelung der Kunststoffabfälle und der „normalen“ Haushaltsabfälle wird die Quersubventionierung gestoppt. Das Entsorgungssystem wird insgesamt gesehen effizienter. Auch die Existenz einer relativ energieeffizienten MVA ist kein Grund für einen Verzicht auf eine Kunststoffsammlung: Selbst im Vergleich zur effizientesten MVA können die separat gesammelten Kunststoffe ökologisch vorteilhafter verwertet werden – mittels einer energetischen Verwertung in einem Zementwerk, was die CO2-Emissionen und die zu deponierenden MVA-Schlacken reduziert. Die Rechnung geht für Konsumenten und Steuerzahler auf, da sie ihr Kauf- und Entsorgungsverhalten anpassen, verursachergerecht begleichen und die Gesellschaft insgesamt erst noch von ökologischen Verbesserungen profitieren können.

Quelle: Cemsuisse / Verein Kunststoffrecycling Schweiz