Sackgebühr in der Schweiz: Erfolgsmodell oder Ärgernis?

646
Gebühr für Abfallsäcke: In der Schweiz gibt es nur noch wenige "weiße Flecken" (Grafik: PET-Recycling)

Zürich — Bereits im Jahr 1975 stimmte die Stadt St. Gallen per Referendumsabstimmung als erste Schweizer Gemeinde einer Sackgebühr zu. Doch noch immer ist in der Schweiz nicht überall die Gebühr für Abfallsäcke eingeführt. Als zweitletzter Kanton hat das Tessin im Frühling per Volksabstimmung die Einführung einer Abfallgebühr beschlossen. Vorausgegangen war ein heisser Abstimmungskampf: Teile der Bevölkerung und einzelne Gemeinden wehrten sich heftig gegen die Vorlage.

Der Kanton Genf ist nun die letzte grosse Bastion, die der Sackgebühr trotzt. Um dem Druck des Bundesgerichtsentscheids zu entgehen, setzt der Kanton auf eine freiwillige Abfalltrennung: Die Regierung hat dazu hunderttausend Grünabfallbehälter verteilt. Spätestens bis 2018 sollen 50 Prozent aller Abfälle dem Recycling zugeführt werden. Ob Genf damit dem Gesetz entgehen kann, sei dahingestellt. keine Sackgebühr.

In der Deutschschweiz kennt einzig die Gemeinde Spreitenbach nach wie vor keine Sackgebühr. Der Bundesgerichtsentscheid gilt jedoch auch für Spreitenbach – voraussichtlich wird es ab 2018 auch hier Gebührensäcke geben.

Während das deutschsprachige Oberwallis seit 1993 eine Sackgebühr hat, organisiert das Unterwallis sein Abfallwesen ohne Gebühr – zumindest noch bis Ende Jahr. Per Anfang 2018 wird es auch in den Unterwalliser Alpentälern einen Abfallgebühr geben.

Obwohl einzelne Gemeinden und Regionen die Sackgebühr nur widerwillig einführten, wertet der Verein PRS PET-Recycling die Umstellung von einer steuerfinanzierten auf eine verursachergerechte Abfallentsorgung als Erfolg: Gemäss Erhebungen des Bundes zum Hauskehricht hat die Sackgebühr zu etwa 30 Prozent weniger Abfall pro Person geführt. Gleichzeitig hat die Menge an gesammeltem PET, Glas, Alu, Papier oder Batterien laufend zugenommen.

Die vollständige Historie der Schweizer Verpackungsabfall-Entsorgung steht unter petrecycling.ch zur Verfügung.

Quelle: Verein PRS PET-Recycling