Scholz Recycling GmbH: Neue Werkstoffe erfordern neue Entsorgungsverfahren

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Mechanische Rotorblatt-Zerlegung (Foto: Kroll / recyclingportal.eu)

Essingen — Die Recyclingwirtschaft sieht sich durch die Leichtbaustrategie der Automobilindustrie zunehmenden Entsorgungsproblemen gegenüber: „Die kohlefaserverstärkten Kunststoffe im Automobil stellen heute schon trotz geringer Mengen ein großes Entsorgungsproblem dar,“ sagte Dr. Gerd Hähne, Geschäftsführer der Scholz Recycling GmbH. Das Recyclingunternehmen Scholz fordert daher einen Dialog über Recycling neuer Altfahrzeuge in Multimaterialdesign.

Gerd Hähne: „Wir stellen einen steigenden Anteil in den Shredderrückständen fest. Fraktionen, die für die energetische Verwertung vorgesehen sind, werden von den Anlagenbetreibern zunehmend verweigert.“ Zur Gewichtsreduzierung der Fahrzeuge und damit zur Treibstoffeinsparung werden immer mehr hochfeste Stähle, Kunststoffe und verschiedene Verbundmaterialien verwendet. Im Rahmen des „Multimaterialdesigns“ werden auch immer häufiger kohlefaserverstärkte Kunststoffe eingesetzt, die in hochbelasteten Strukturbauteilen große Lasten auffangen können und damit zu mehr Sicherheit beitragen. „Bei der Entwicklung der Neufahrzeuge wird jedoch kaum berücksichtigt, dass immer komplexere Bauteile das Recycling nahezu unmöglich machen“, erklärte Dr. Hähne.

Für das im Leichtbau konstruierten Elektrofahrzeug fallen mehr als 10 €/kg Mehrkosten im Vergleich zum konventionellen Fahrzeug an, was immerhin bis zu 15.000 € pro Fahrzeug bedeutet. Dies ist seitens der Hersteller weithin akzeptiert; dabei sind jedoch noch nicht die zukünftigen Aufwendungen für neue Recyclingverfahren enthalten. Die Scholz Gruppe als einer der innovativsten Aufbereiter von Altfahrzeugen fordert, beim Design auch das Lebensende im Blick zu behalten. Neues Design und neue Materialen im Automobilbau sind gemäß Anforderungen an die Produktverantwortung hinsichtlich der Recyclingfähigkeit immer mit zu beleuchten. Für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft sind zumindest ausreichend Informationen zum Verbau komplexer Bauteile und nicht recyclingfähiger Werkstoffe notwendig, auch eine gemeinsame Durchführung von Forschungsvorhaben mit finanzieller Beteiligung der OEMs ist erwünscht.

Die Scholz Gruppe äußert insbesondere Bedenken beim Einsatz von Carbonfasern, weil Wissenschaftler schon längere Zeit vor den Gefahren der Kohlefasern warnen. Weil eine Deponierung aufgrund hoher Verwertungsquoten ausgeschlossen ist, müssen energetische oder stoffliche Verfahren entwickelt werden, in denen die Fasern behandelt werden können. Prof. Peter Quicker von der RWTH Aachen arbeitet seit einiger Zeit mit seinem Team am Verhalten der Fasern bei thermischen Prozessen und äußert dazu: „Eine vollständige Zerstörung von Carbonfasern ist mit den üblichen Verbrennungsverfahren für Abfälle nicht möglich. Im schlimmsten Fall entstehen Faserbruchstücke, die aufgrund ihrer Geometrie vermutlich als kanzerogen einzustufen sind. Zudem können die Fasern zu deutlichen Beeinträchtigungen im Anlagenbetrieb führen und zum Beispiel die Funktion von Sensoren oder von elektrostatischen Abscheidern beeinträchtigen oder zu deren vollständigen Ausfall führen.“

Die Scholz Gruppe hat erste Annahmeweigerungen seitens der Verbrennungsanlagen vorliegen, weil Shredderrückstände Fasern enthalten. Gerd Hähne dazu: „Das Vorkommen von Carbonfasern führt bald zum Entsorgungsnotstand einzelner Shredderfraktionen, auch die Quoten gemäß Altfahrzeuggesetz können dann nicht mehr eingehalten werden. Stoffliche Verwertungsverfahren sind noch nicht ausgereift.“

Am Scholz-Standort Leipzig-Espenhain sowie beim hundertprozentigen Tochterunternehmen SRW metalfloat GmbH (SRW) wird man sich mit immer komplexerem Inputmaterial auseinander setzen müssen. Die Experten des führenden Recyclingunternehmens rufen dazu auf, dass Wissenschafter, Recycler und Hersteller einen Dialog starten zum „Recycling neuer Altfahrzeuge in Multimaterialdesign“.

Quelle : Scholz Recycling GmbH