UFZ-Forscher zeigen: Große Flüsse sind die Eintragswege für maritimen Plastikmüll

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Flüsse als entscheidende Quelle für die Verschmutzung der Weltmeere. (Grafik:: Susan Walter, UFZ)

Leipzig — Bisher war nur wenig darüber bekannt, über welche Wege Plastikabfälle ins Meer gelangen. Dem ist nun ein interdisziplinäres Forscherteam unter Leitung des UFZ nachgegangen. Es konnte zeigen, dass Plastikmüll vor allem über große Flüsse ins Meer eingetragen wird. Publiziert sind die Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Environmental Science & Technology.

Um sinnvolle Maßnahmen zur Reduktion des Plastikeintrags zu treffen, muss geklärt werden: Wo kommt das Plastik überhaupt her? Und über welchen Weg gelangt es ins Meer? Diesen Fragen sind Christian Schmidt, Hydrogeologe am UFZ, und sein Team in einer Studie nachgegangen. Dafür haben die Forscher verschiedene wissenschaftliche Studien analysiert, in denen die Plastikfracht in Flüssen untersucht wurde. Die Ergebnisse der Studien haben sie in miteinander vergleichbare Datensätze umgerechnet und mit der Menge des nicht fachgerecht entsorgten Abfalls des jeweiligen Einzugsgebietes ins Verhältnis gesetzt.

„Wir konnten zeigen, dass hier ein eindeutiger Zusammenhang besteht“, sagt Schmidt. „Je mehr Müll im Einzugsgebiet nicht fachgerecht entsorgt wird, desto mehr Plastik landet letztlich im Fluss und gelangt über diesen Transportweg ins Meer.“ Dabei spielen große Flüsse offenbar eine besonders große Rolle – und das nicht nur, weil sie aufgrund ihres größeren Abflusses im Vergleich auch mehr Müll transportieren. Schmidt: „Die Plastikkonzentrationen, also die Plastikmenge pro Kubikmeter Wasser, sind in großen Flüssen deutlich höher als in kleinen. Die Plastikfrachten steigen daher mit der Größe des Flusses überproportional an.“

Die Forscher haben zudem berechnet, dass die zehn Flusssysteme mit der höchsten Plastikfracht (acht davon in Asien, zwei in Afrika) für rund 90 Prozent des globalen Plastikeintrags ins Meer verantwortlich sind. „Wenn es in Zukunft gelingt, den Plastikeintrag aus den Einzugsgebieten dieser Flüsse zu halbieren, wäre schon sehr viel erreicht“, schätzt Schmidt. „Dafür muss das Abfallmanagement verbessert und das Bewusstsein der Bevölkerung sensibilisiert werden. Wir hoffen, dass wir mit unserer Studie zu einer positiven Entwicklung beitragen können, damit das Plastikproblem der Ozeane langfristig eingedämmt werden kann.“

In zukünftigen Untersuchungen will das UFZ-Team herausfinden, wie lange in einen Fluss gelangter Plastikmüll benötigt, bis er im Meer ankommt. Dauert es nur wenige Monate oder Jahrzehnte? „Das ist wichtig zu wissen, denn die Wirkung einer Maßnahme macht sich dann erst mit entsprechender Verzögerung bemerkbar, da zuerst noch viele Altlasten ins Meer gespült werden“, erklärt Schmidt. „Nur wenn wir den ungefähren Zeitrahmen der Verweilzeiten des Plastikmülls im jeweiligen Flusssystem kennen, kann eine Maßnahme zur Verbesserung des Abfallmanagements im Einzugsgebiet auch bewertet werden.“

Die Studie wurde veröffentlicht unter Schmidt, C., Krauth, T., Wagner, S. (2017): Export of Plastic Debris by Rivers into the Sea. Environmental Science & Technology. DOI: 10.1021/acs.est.7b02368 dx.doi.org. Eine Kurzfassung steht unter ufz.de zur Verfügung

Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)