bvse-Jahrestagung 2017: Recycling braucht den Mittelstand und Wettbewerb

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Plenum der bvse-Jahrestagung 2017 (Foto: bvse)

Bonn — Mehr als 300 Vertreter der Recycling-Branche haben sich auf der bvse-Jahrestagung am 13. und 14. September 2017 in Potsdam getroffen. Zentrales Thema der mittelständischen Unternehmer war der rasante Konzentrationsprozess und die zunehmende Kommunalisierung der Kreislauf- und Entsorgungswirtschaft in Deutschland.

„Die Konzentrationsspirale dreht sich in unserer Branche immer schneller. Wir begrüßen daher, dass das Kartellamt eine Sektoruntersuchung durchführt. Wir sehen aber in der Praxis, dass fast jeder angemeldete Zusammenschluss letztlich genehmigt wird. Offensichtlich reicht das Instrumentarium nicht aus. Hier muss etwas geschehen, damit der Mittelstand und damit Deutschland stark bleibt“, erklärte bvse-Präsident Bernhard Reiling vor den Teilnehmern der bvse-Mitgliederversammlung.

Um Wettbewerb besorgt

Auch die Monopolkommission sorgt sich um den Wettbewerb. Das machte Chef-Analyst Dr. Marc Bataille in seinem Vortrag deutlich, den er im Rahmen der öffentlichen Tagung des bvse hielt. Dr. Marc Bataille: „Wir sehen zwei bedeutende Probleme. Zum einen die Ausweitung des kommunalen Engagements. Das andere Kernproblem: dass sich auf der privaten Seite eine zunehmende Konzentration zeigt.“

Der Wettbewerbshüter verwies auch auf Möglichkeiten wie die Sektoruntersuchung des Bundeskartellamtes hin. Je nachdem, wie das Ergebnis ausfalle, müsse man sich überlegen, ob nicht strukturelle Eingriffe erforderlich seien. Dies könnte beispielsweise in der Art geschehen, dass die Machbarkeit der kommunalen Inhouse-Vergabe eingeschränkt werde. Eine andere Möglichkeit könnte darin bestehen, strengere Fusionskontroll-Maßnahmen durchzuführen.

Worin bestehen de Zukunftsperspektiven?

Ein weiteres Thema beschäftigte die Branchenexperten auf der bvse-Jahrestagung: Worin bestehen die Zukunftsperspektiven und wo liegen die Fallstricke? Das Bundesumweltministerium ist zwar mit der Bilanz der letzten vier Jahre zufrieden, doch Dr. Thomas Rummler sieht noch enormes Potenzial für mehr Recycling der Abfälle, die im Gewerbe, der Industrie, aber auch bei den Privathaushalten anfallen. Zu nennen seien die Umsetzung und der Vollzug der neuen Gewerbeabfallverordnung und des Verpackungsgesetzes. Rummler machte zudem deutlich, dass viel dafür spricht, als Aufgabe für die nächste Legislaturperiode die Altholzverordnung zu novellieren. Darüber hinaus geht Rummler davon aus, dass das EU-Kreislaufwirtschaftspaket, das gegenwärtig in Brüssel intensiv beraten werde, die Branche in Deutschland beschäftigen werde.

Auf internationalen Handel angewiesen

Mit Spannung schauen die Branchenexperten aber auch auf die Entwicklung der Auslandsmärkte, wie bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock, am Rande der Tagung erklärte. Er verwies darauf, dass die Sekundärrohstoff-Branche auf den internationalen Handel angewiesen sei. Momentan beschäftigten die Branche vor allem die restriktiven Importbestimmungen für China und dessen Ankündigung, ab dem nächsten Jahr auf den Import von Sekundärrohstoffen verzichten zu wollen. Dazu vertritt Eric Rehbock eine klare Meinung: „Es wäre falsch, wenn China die Tür endgültig zuschlägt. Ich kann aber verstehen, dass sie unseren Müll nicht haben wollen. Allerdings müssen Sekundärrohstoffe in vereinbarten Qualitäten auch in Zukunft exportiert werden können. Alle Industrienationen sind letztlich auf gute Handelsbeziehungen angewiesen.“

Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.