Bioplastik löst keine Abfallprobleme: DUH fordert Vermeidung statt Greenwashing

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Einwegtüte (Foto: ©Ralph Aichinger/Pixelio)

Berlin — Immer größere Mengen kurzlebiger und ressourcenvergeudender Wegwerfverpackungen sollen nach Einschätzung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) durch den Einsatz von Biokunststoffen mit der Kennzeichnung „Bioplastik“ und „biologisch abbaubar“ legitimiert werden. Biologisch abbaubare Kunststoffe für Verpackungen, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, haben jedoch insgesamt keinen ökologischen Vorteil, fand eine Studie des Umweltbundesamtes heraus. Die DUH fordert deshalb ein Ende des Greenwashings von Wegwerfverpackungen aus Bioplastik. Stattdessen sollten Maßnahmen zur Abfallvermeidung umgesetzt und ressourcenschonende Mehrwegsysteme gefördert werden.

Aktuell werden Joghurt-Becher aus maisbasiertem Polylactid (PLA), Wasser-Einwegflaschen aus „Öko-PET“, Trinkjoghurtflaschen aus Zuckerrohr oder Coffee-to-go-Becher aus Papier und Bioplastik als ökologische Verpackungsinnovationen der Zukunft angepriesen. Hersteller und Vertreiber von Bioplastik schreiben ihren Produkten eine Vielzahl von Vorteilen zu: CO2-Neutralität, Ressourcenschonung oder Umweltfreundlichkeit. Mit diesen Argumenten werden zunehmend abfallarme und ressourcenschonende Mehrwegverpackungen verdrängt – ein besorgniserregender Trend.

Bioplastik ist keine Lösung

„Wenn in Fußballstadien oder beim Picknick im Park aus Bioplastik-Einwegbechern getrunken wird, so werden im Vergleich zu Mehrwegbechern weder Ressourcen geschont noch das Klima entlastet. Bioplastik ist eben nicht umweltfreundlich, nur weil es die Vorsilbe ‚bio‘ enthält. Tatsächlich bauen sich viele der sogenannten biologisch abbaubaren Kunststoffe in der Landschaft nicht schneller ab als herkömmliche Kunststoffe. Jüngste Studien zeigen zudem, dass sich die meisten dieser Biokunststoffe, wie etwa PLA, in Wasser praktisch nicht zersetzen. Bioplastik ist also nicht die Lösung gegen marines Littering oder die Vermüllung der Natur,“ stellt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch klar und fordert: „Wir brauchen keine Einwegverpackungen – egal aus welchem Werkstoff – ,sondern Mehrwegsysteme zur Schonung von Ressourcen und zum Schutz unserer Ozeane vor Müllteppichen.“

Bioplastik-Hersteller werben oft mit der „Kompostierbarkeit“ ihrer Produkte. Doch häufig genug bereitet die Entsorgung solcher Produkte im Bioabfall große Probleme. „Viele Kompostierer sortieren Biokunststoff aus, weil sie diesen nur schlecht von normalem Kunststoff unterscheiden können und nicht vollständig abgebaute Biokunststoffe die Qualität des Komposts verschlechtern würden“, erklärt Thomas Fischer, Leiter der DUH-Kreislaufwirtschaft.

In der Regel weder aussortiert noch recycelt

Normalerweise gehören gebrauchte Verkaufsverpackungen in den Gelben Sack. Bei vielen Biokunststoffen macht dieser Entsorgungsweg jedoch keinen Sinn, denn anders als bei gewöhnlichen Kunststoffen werden diese in der Regel nicht aussortiert und recycelt. „Für viele neuartige Biokunststoffe, wie etwa PLA, gibt es keine eigene Sortiergruppe und sie werden schlicht nicht abgetrennt, sondern gelangen mit anderen Sortierresten aus dem Gelben Sack in die Verbrennung. Im Ergebnis gibt es derzeit für viele Biokunststoffe keine aus Umweltsicht geeignete Entsorgungslösung“, kritisiert Fischer.

In der Vergangenheit hatte die DUH irreführende oder falsche Aussagen zu unterschiedlichen Produkten aus Bioplastik gestoppt: „Ein Greenwashing durch Bioplastik darf es nicht geben. Wir werden es nicht akzeptieren, wenn einwegorientierte Konzerne versuchen, unökologische Wegwerfverpackungen mit vermeintlichen Umweltvorteilen ‚grün‘ zu waschen. Verbrauchertäuschende Werbung werden wir notfalls auch per Gerichtsentscheid stoppen“, sagt Resch. Er fordert von den Verpackungsherstellern und Händlern, auf Mehrwegverpackungen umzusteigen und auf irreführende Aussagen zu Bioplastik zu verzichten.

Über Umweltauswirkungen und „Mythen“ zu Bioplastik hat die DUH ein aktuelles Infopapier unter duh.de veröffentlicht.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe