HWWI: Deutsche Wirtschaft weiter auf Wachstumskurs

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Hamburg — Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der Wirtschaftsentwicklung in Deutschland nach dem über Erwarten guten ersten Halbjahr 2017 angehoben. Vor allem die feste Binnenkonjunktur sorgte im ersten Halbjahr für eine außerordentliche Zunahme des Bruttoinlandsprodukts, aufs Jahr hochgerechnet um gut 2 ½ Prozent. Das dürfte sich – wenn auch nicht in dem Tempo – im weiteren Jahresverlauf fortsetzen.

Für 2017 erwartet das Institut nunmehr ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent und für 2018 unverändert eines von 1,6 Prozent. Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bleibt unter diesen Bedingungen weiterhin positiv. Die Inflationsrate für die Verbraucherpreise hat sich nach der Korrektur der Energiepreise inzwischen wieder der 2-Prozent-Marke angenähert.

Euro-Aufwertung dämpft Auslandsnachfrage

Die deutsche Wirtschaft ist trotz mancher Belastungen und Risiken weiter auf Wachstumskurs. Dabei kamen die wesentlichen Wachstumsimpulse zuletzt wieder aus dem Inland, während der Außenbeitrag insgesamt negativ wirkte. Sowohl privater und öffentlicher Konsum als auch Unternehmens- und Bauinvestitionen nahmen im bisherigen Jahresverlauf deutlich zu. Die gute Binnenkonjunktur schlug sich auch in wieder stärker wachsenden Importen nieder. Dagegen dämpfte die Euro-Aufwertung die Auslandsnachfrage; die Exporte nahmen so weniger stark zu und der Außenbeitrag war im zweiten Quartal wie schon in der zweiten Hälfte des Vorjahres wieder negativ und dämpfte das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Unter den insbesondere binnenwirtschaftlich günstigen Rahmenbedingungen weiteten die Unternehmen die Beschäftigung weiter deutlich aus. Einkommen und Kaufkraft nahmen so weiter zu, obwohl auch die Teuerung zunahm. Der Anstieg der Verbraucherpreise bewegt sich seit Monaten nahe der 2-Prozent-Marke.

Gefahren einer Überhitzung geringer

Der Aufschwung dürfte sich weiter fortsetzen, seine Dynamik allerdings nachlassen. Das wäre unter dem Gesichtspunkt, dass sich das Wachstum zuletzt deutlich über dem Potenzialpfad bewegte, und dann die Gefahren einer Überhitzung geringer werden, nicht unerwünscht. Mehrere Faktoren wirken in diese Richtung. Die Zahl der Erwerbstätigen ist schon seit einiger Zeit schneller gestiegen, als produktionstechnisch erforderlich, sodass sich die Produktivitätsentwicklung abschwächte. Die Beschäftigung – und damit die Einkommen und der private Konsum – werden folglich in etwas verringertem Tempo zunehmen. Die Bauinvestitionen, insbesondere im Wohnungsbau, profitierten bislang von den niedrigen Zinsen, im ersten Halbjahr zudem von günstigen Witterungsbedingungen; die langsam einsetzende Zinswende und normales Wetter werden auch hier die zeitweilig überschwängliche Dynamik mindern.

Wachstumsrate von 1,8 Prozent erwartet

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dürfte sich angesichts der hohen Kapazitätsauslastungen hingegen eher weiter verbessern. Der Anstieg der staatlichen Konsumausgaben wird sich weiter dem verringerten Flüchtlingszustrom anpassen. Die Aufwertung des Euro hat die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporteure gesenkt; die Auslandsnachfrage wird dadurch gedämpft. Die deutsche Wirtschaft wird daher alles in allem wieder etwa auf seinen Wachstumstrend, der aktuell bei 1 ½ Prozent liegt, zurückkehren. Die jahresdurchschnittliche Wachstumsrate dürfte in diesem Jahr 1,8 Prozent erreichen, ohne den negativen Kalendereffekts (-0,3 Prozent) würde sie gut 2 Prozent betragen.

Die Arbeitsmarktsituation wird sich unter diesen Bedingungen weiter positiv entwickeln. Die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt dürfte zwar langsamer zunehmen, die Zahl der Arbeitslosen aber weiter verringern, auch wenn nun mehr Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden. Die Inflationsrate der Verbraucherpreise war nach dem Wiederanstieg der Öl- und anderer Rohstoffpreise bereits wieder zeitweilig über die 2-Prozent gestiegen und erst wieder durch die Euro-Aufwertung gedämpft worden. Bei Stabilisierung der Wechselkurse wird sich die Inflationsrate bei 2 Prozent einpendeln.

Geopolitische Unsicherheiten teilweise geklärt

Die noch zu Jahresbeginn vielfachen geopolitischen Unsicherheiten für die Wirtschaft haben sich teils aufgeklärt. Der wirtschaftspolitische Kurs der US-Regierung ist aber nach wie vor unklar; hier wird davon ausgegangen, dass die angekündigten protektionistischen Maßnahmen gemäßigter ausfallen als angekündigt und die Weltwirtschaft nicht nachhaltig belasten. Dann würde sich auch das Investitionsklima zusätzlich aufhellen und die dämpfenden Effekte im Außenhandel würden sich verringern. Die Konjunktur könnte dann 2018 stetig zunehmen, und das reale Bruttoinlandsprodukt würde im Jahresdurchschnitt um 1,6 Prozent wachsen. Die Inflationsrate der Verbraucherpreise dürfte sich bei 2 Prozent halten.

Die binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind recht gut und das weltwirtschaftliche Umfeld hat sich etwas aufgehellt. Ohne externe Schocks ist somit die Basis für ein stetiges Wachstum in Deutschland günstig. Gleichwohl gibt es auch manche bereits absehbare Risiken. Diese beziehen sich in Europa auf die Brexit-Verhandlungen und die EZB-Geldpolitik, die unter dem Eindruck eines symmetrischen Aufschwungs in der Eurozone beginnen könnte, ihre expansive Geldpolitik zurückzufahren. In den USA existieren Risiken in Bezug auf den Kurs der dortigen Wirtschaftspolitik. Sollten sich diese Risiken nicht materialisieren, bestehen Chancen für eine günstigere als hier beschriebene Entwicklung der deutschen Wirtschaft.

Quelle: Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut gemeinnützige GmbH (HWWI)