Auch der Einsatz von teerhaltigem Straßen-Aufbruch auf Deponien ist eine Option

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Teerhaltiger Straßenaufbruch (Foto: joeran /Pixabay)

Düsseldorf — Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat im Mai 2017 im Merkblatt Nr. 3.4/1 umfassende Hinweise zu Lagerung und Verwertung von Straßenaufbruch zusammengestellt. Danach soll im Sinne der Nachhaltigkeit und aus Gründen der Vorsorge in Zukunft auf den Wiedereinbau von teer-/pechhaltigem Material im Straßenbau verzichtet werden. Doch die  energetische Verwertung oder thermische Behandlung sind nicht die einzigen Optionen zur Verwendung des Materials.

Ab 2018 will der Freistaat Bayern in Bundes- und Staatsstraßen kein teerhaltiges Material mehr einbauen. Um eine Verschiebung und unkontrollierte Verteilung des PAK-haltigen Materials in den kommunalen und privaten Straßenbau zu vermeiden, soll dieses in Zukunft aus dem Materialkreislauf entfernt werden. Als Möglichkeiten dafür benennt das LfU die energetische Verwertung oder thermische Behandlung als erste Option sowie die Verwertung und Beseitigung auf Deponien. Beide führen zu einer Ausschleusung der Schadstoffe aus dem Stoffkreislauf. Die Möglichkeit für den Wiedereinbau im Straßen-/Wegebau durch kommunale oder private Bauherren ist unter entsprechenden Rahmenbedingungen weiterhin prinzipiell möglich. Allerdings wird dringend angeraten, neben Befolgung des Merkblatts die jeweils aktuell gültigen Straßenbaurichtlinien der Obersten Baubehörde anzuwenden.

BDE: Verschiedene Behandlungsoptionen vergleichen

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V. (BDE), Peter Kurth, sieht es allerdings als fraglich an, dass einige Bundesländer alternativlos die thermische Behandlung von teerhaltigem Straßenaufbruch vorgeben: „Der BDE sieht dies kritisch, da zurzeit nur eine thermische Behandlungsanlage in den Niederlanden zur Behandlung des Stoffstroms verfügbar ist. Wir wollten daher einerseits einen Vergleich der verschiedenen Behandlungsoptionen anstellen, aber auch eine Einschätzung zu verfügbaren Kapazitäten und notwendigen Transportentfernungen herausgearbeitet wissen. Neben der thermischen Behandlung sind auch die Verwertung auf der Deponie oder auch die Beseitigung auf der Deponie verfügbare Abfallentsorgungsoptionen. Das Material kann zum Beispiel als Deponiebaustoff für den Wegebau oder als Dichtmaterial eingesetzt werden; dies ist eine stoffliche Verwertung im Sinne der europarechtlich vorgegebenen fünfstufigen Abfallhierarchie. Mit Hilfe wissenschaftlich fundierter Fakten sollten alle Behandlungsmöglichkeiten neutral bewertet werden.“

Vorteile gegenüber größeren Transportstrecken

Der BDE hat daher eine Studie beim IFEU-Institut in Auftrag gegeben. Sie kommt zu dem Schluss, dass neben der Prüfung der Behandlungsart auch die verfügbaren Kapazitäten und Entfernungen zu den jeweiligen Anlagenstandorten ausschlaggebend für die Entscheidung pro Deponie oder thermische Behandlung sind. Mit der Studie wurde zum Beispiel sehr klar herausgearbeitet, dass die Verwertung auf der Deponie gegenüber der thermischen Behandlung besser abschneidet, wenn die Zusatztransportstrecke zur thermischen Behandlung per Schiff größer als 60 km ist.

Langjährige Erfahrungen mit Deponierung

Zur Zentraldeponie Hubbelrath (ZDH) in Düsseldorf liegen langjährige Erfahrungen mit dem Material vor. Denn bereits bei Einrichtung im Jahr 2011 wurde auf der Deponie der mineralische Flächenfilter mit teerhaltigem Straßenaufbruch als Deponieersatzbaustoff erstellt. Vor Beginn des ersten Einsatzes wurden entsprechende Eignungsnachweise erstellt, die neben Angaben zur Materialherkunft, Korngrößenverteilungen und hieraus abgeleitet Durchlässigkeitsbeiwerte enthielten. Seitdem erfolgt der Aufbau der mineralischen Entwässerungsschicht mit aufbereitetem teerhaltigem Straßenaufbruch.

Der Geschäftsführer der Deponie, Jörg Piepers, ist überzeugt: „Der Einsatz von teerhaltigem Strassenaufbruch als mineralische Filterschicht wird mit der Basiseinrichtung seit 2011 auf der Zentraldeponie Hubbelrath erfolgreich praktiziert. Dadurch werden natürliche Ressourcen (Kies) geschont und die Herstellkosten werden reduziert.“

Quelle: Remex Mineralstoff GmbH